Faustball-Kindergarten wäre nicht das passende Attribut für die Frauenmannschaft des TV Segnitz. Jedoch könnte die Riege des Trainers Uli Lauck vom Altersdurchschnitt noch als Jugendmannschaft auftreten. Steffi Mathan ist mit ihren 28 Jahren fast schon die „Mutter der Kompanie“. Ohne sie hätte das Team ein Durchschnittsalter von nur 17,3 Jahren.

Mit seiner sportlichen Rasselbande gehört Lauck ja fast schon zum Bundesliga-Inventar, denn im weiblichen Sektor bildet der TV Segnitz eine feste Größe. Seit gut zwanzig Jahren sind die Segnitzerinnen ununterbrochen in der ersten oder zweiten Bundesliga vertreten. Stefanie Mathan durfte die Glanzzeiten im deutschen Faustball-Oberhaus als junges Mädel erleben, wie heute ihre Mitspielerinnen – nur halt eine Klasse tiefer. Sie schaffte als Juniorennationalspielerin einst früh den Sprung in die erste Mannschaft. Obwohl sie die Statur besitzt, wurde sie nie Schlagfrau, sondern sie schälte sich bald als Zuspielerin und als zuverlässige Größe in der Abwehrmitte heraus.

Stefanie Mathan zählte zur Erfolgsmannschaft in der Trainer-Ära Harry Ruhls und später Uli Laucks. Mit der Spitzenmannschaft der 1990er Jahre machte sie deutschlandweit Furore. Auf der Spitze der Leistungsfähigkeit schafften es die Segnitzer Frauen mit Uli Lauck sogar, sich für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Damals scheiterten sie im Halbfinale, errangen mit Platz drei in Deutschland aber die beste Platzierung einer Damenmannschaft in der Historie des 1899 gegründeten Vereins.

„Unsere Jungen sind schon noch ziemlich unbedarft“, sagt die 28-Jährige über ihre heutigen Mitspielerinnen. Mathan kann sich diese scheinbar abgehobene Einschätzung erlauben, ist aber auch als Junioren-Europameisterin nie abgehoben. Sie spielt seit nunmehr elf Jahren in der ersten Mannschaft mit und profitiert damit aus einem riesigen Erfahrungsschatz.

Neben ihr wirkt der Rest der Mannschaft wie eine Rasselbande, ist doch nach Mathan die zweitälteste im Kader erst 21 Jahre alt – bis hinunter zu Sophie Müller mit zarten 15 Lenzen. Neben Mathan sind Tatjana Müller, Sophie Müller, Nina Buchta, Theresa Michel, Franziska Eger und nach zwei Jahren Pause wieder Jana Schleifer für die Abwehr vorgesehen. Vorne sollen Ursina Sagstetter und die nach ihrem Kreuzbandriss im Vorjahr wiederhergestellte Eugenia Rausch Dampf machen.

„Hinten sind wir erstligatauglich“, sagt Trainer Lauck. Derweil fehlt es im Angriff noch etwas an der Schlagkraft. Dass die gute Jugendarbeit im Gärtnerdorf nicht noch mehr Alternativen beschert, führt Lauck auf ein personelles Loch zurück. Aus den Geburtsjahrgängen 1985 bis 1990 sind kaum Akteurinnen im Kader, da sich viele durch auswärtige Arbeitsstellen und Studienplätze aus dem Team zurückzogen.

Im Training zieht die junge Truppe voll mit, und Uli Lauck sieht es gerne, wenn Routiniers wie Silke Hoffmann-Steiger oder Petra Müller mitmischen und die Jüngeren bei dieser Gelegenheit schon einmal zurechtweisen. Die heterogene Trainingsgruppe und der dünne Kader zwingen Lauck in dieser Saison dazu, die Trainingseinheiten nicht mehr bewusst leistungsbezogen zu gestalten. Entsprechend formuliert Uli Lauck keine überfliegenden Ziele, er will einfach nur in der „oberen Tabellenhälfte“ mitmischen.

Die vorige Feldrunde beendeten die Segnitzerinnen auf dem dritten Rang, und in der Saison zuvor scheiterten sie sogar erst in den Aufstiegsspielen am Sprung in die erste Liga. Mögliche Aufstiegsambitionen aber verwirft Lauck sofort. „Wir sind für die Landesliga viel zu stark, aber für die erste Bundesliga zu schwach“, sagt er über das Leistungspotenzial seiner Mannschaft. Deswegen ist die zweite Bundesliga sportlich die passende Heimat für sein Team, das an diesem Sonntag in Vaihingen/Enz in die Saison startet und am 20. Mai erstmals auf dem heimischen Rasen antritt.