Miriam Esch hat ihr Championats-Trauma bei den Junioren-Europameisterschaften der Voltigierer im österreichischen Ebreichsdorf überwunden und sensationell Silber gewonnen. Die 17-Jährige Pferdeakrobatin vom Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach schaffte es im dritten Anlauf und in ihrem letzten Jahr als Juniorin auf das ersehnte Podest.

Die Freude bei mitgereisten Fans und den Aktiven im monumentalen Pferdesportpark Magna Racino südlich von Wien war riesig. Am Finaltag, dem Höhepunkt des viertägigen Wettkampfs, fiel die Fränkin ihrer Trainerin und Longenführerin Annette Müller-Kaler noch in der Kiss-and-Cry Area in die Arme, nachdem sie auf Robbie Naish eine fantastische Kür in den Voltigierzirkel gezaubert hatte. Es war der vierte Umlauf gewesen, in dem die junge Frau nahezu fehlerfrei blieb und mit dem sie das Edelmetall perfekt machte.

Für Miriam Esch und ihre Trainerin ging damit ein Traum in Erfüllung. 2011 hatte das erste Championats-Projekt im französischen Le Mans mit Rang acht geendet. Im Vorjahr landeten sie im slowakischen Pezinok auf einem enttäuschenden zwölften Rang, nachdem das Pferd Carlos die Verfassungsprüfung (eine Art Gesundheits- und Fitnesskontrolle) nicht passiert hatte und Esch kurzfristig auf das Ersatzpferd Lennox aus Hamburg umsteigen musste.

Erst im vergangenen Winter kam Robbie Naish in den Stall des Gymnasial-Vereins. Der elfjährige Fuchswallach, der das Voltigierhandwerk in Baden-Württemberg erlernt hatte, wurde zum absoluten Glücksgriff. „Er ist Gold wert und ein Geschenk des Himmels“, hatte Müller-Kaler bereits nach dem Preis der Besten im Mai gesagt, bei dem sich Esch mit einem souveränen nationalen Sieg für die kontinentalen Titelkämpfe qualifiziert hatte. In Ebreichsdorf trug die Galoppade des Tieres seine Turnerin zu Silber. „Miriam hat in allen Durchgängen mit Sportlichkeit und Selbstbewusstsein überzeugt. Sie ist endgültig in der Spitze angekommen und hat auch eine große Zukunft in der altersoffenen Kategorie vor sich“, glaubt Bundestrainerin Ulla Ramge.

Lediglich die Lokalmatadorin und Favoritin Daniela Fritz war bei diesen Meisterschaften noch einen Hauch besser. Mit 8,081 Punkten sicherte sich die Österreicherin vor heimischem Publikum, 1 500 Fans und ausverkaufter Arena ihren zweiten Triumph in der U18-Kategorie. „Es war ein tolles Turnier und ich bin überglücklich, dass ich das Ziel, eine Medaille zu gewinnen, endlich erreicht habe habe“, resümierte Esch. Die Pferdeakrobatin habe sich auf den Saisonhöhepunkt sehr gut vorbereitet gefühlt und konnte daher mit „einer gewissen Ruhe an die Sache herangehen“. Annette Müler-Kaler lobte zudem die Unterstützung des fast 50-köpfigen deutschen Teams. „Dieser Zusammenhalt hat viel zum Erfolg beigetragen“, sagte die 57-Jährige. Für die Trainerin war es nicht der erste Championatserfolg. Bereits in den 90er Jahren sie mit ihrer Schülerin Barbara Strobel internationale Erfolge eingefahren, 1992 bei der WM in Heilbronn und 1993 bei der EM in Den Haag sogar den Titel geholt. Dass sie nun – nach zwanzig Jahren – eine zweite Athletin in die Spitze der Pferdeakrobatik führt, ist eine Meisterleistung, die bislang weltweit nur sehr wenigen Übungsleitern glückte.

Endstand (im Auszug)

1. Daniela Fritz (Royal Salut) 8 081 (Österreich / Longeführer: Manuela Barosch)

2. Miriam Esch (Robbie Naish) 7 890

(Deutschland / Annette Müller-Kaler)

3. Anais Kristofics-Binder (Alonso) 7 681

(Österreich / Fritz Schandl)

4. Gianna Meier (Tamino 195) 7 463

(Deutschland / Stefan Lotzmann)

5. Blanka Németh (KCM Vaultinghorses Bram) 7 309

(Ungarn / Maurits de Vries)

6. Sophie Hofmann (Riverdance 18) 7 235

(Deutschland / Heide Pozepnia)

... und weitere neun Teilnehmerinnen

ONLINE-TIPP

Die kompletten Ergebnislisten finden Sie im Internet unter www.vaulting2013.com