Sechs Spiele hat Norbert Senft noch, dann ist für ihn das Kapitel HSV Main-Tauber beendet. „Ich mache dort definitiv nicht weiter“, sagt der 52 Jahre alte Kitzinger, der beim Handballverein aus Kreuzwertheim seit zwei Jahren auf der Trainerbank sitzt. Am Ende der Runde wird er sozusagen als Abschiedsgeschenk den Klassenverbleib für den Aufsteiger bewerkstelligt haben, da ist sich der im Kitzinger Stadtteil Etwashausen ansässige Handball-Übungsleiter sicher.

Den nächsten Schritt dazu möchte Senft an diesem Samstag (20 Uhr) im Spiel beim TV Etwashausen machen, dem als Tabellenletzter das Wasser bis zum Hals steht – ausgerechnet beim TVE, jenem Verein, der ihn vor mehr als zwei Jahren als Trainer entlassen hatte. Senft musste im Januar 2010 nach einer Spielerrevolte gehen, obwohl seine Mannschaft zu dieser Zeit als Tabellenführer der Bezirksoberliga auf Aufstiegskurs lag. Seither ist viel Wasser den Main hinuntergeflossen, Etwashausen spielt im zweiten Jahr in der Landesliga, in die Senft 2011 schließlich ebenfalls aufstieg – mit Main-Tauber.

Aus seiner Enttäuschung darüber machte Senft nie einen Hehl. Ein wenig nagt das Ganze auch jetzt noch in ihm, wenn man genauer hinhört. „Für mich ist das Thema abgehakt. Ich weiß, wer damals die Fäden gezogen hat, denen werde ich das nie vergessen. Das war eine menschliche Enttäuschung. Ich bin sicher nicht der Handball-Gott, aber solche Dinger, das Hinten-herum, so etwas hasse ich“, sagt er.

Die erneuten heftigen Turbulenzen, die beim Kitzinger Stadtteilverein in der Vorrunde im Rücktritt von Trainer Frank Munoz gipfelten, verwundern dessen Vorgänger Norbert Senft nicht. Das Theater sei ihm seltsam bekannt vorgekommen, sagt er. So könne sich ein Verein doch nicht nach außen verkaufen, „da werden einfach Fehler gemacht“, sagt er an die Adresse der Vereinsspitze. Nach wie vor pflege er ein gutes Verhältnis zu den meisten Etwashäuser Handball-Spielern, auch zu Willi Taborsky, der die Mannschaft derzeit gemeinsam mit Thomas Hanft betreut und sie noch vor dem Abstieg zu retten versucht.

In das Aufeinandertreffen mit der Vergangenheit geht Senft recht gelassen. „Der Druck liegt eher auf den Etwashäusern. Sie müssen gewinnen. Wir wollen das natürlich auch“, sagt er über die Ausgangsposition. Neun magere Pünktchen hat das Tabellenschlusslicht Etwashausen, acht mehr besitzt der Zehnte aus Main-Tauber. Im Moment sieht der Trainer seine Mannschaft im Soll. „Mit zwanzig Punkten dürfte uns nichts mehr passieren, die brauchen wir, um drin zu bleiben. Je schneller, um so besser.“ Drei Zähler waren demnach noch zu holen.

Zu Saisonbeginn musste Senft die Mannschaft um den Dreh- und Angelpunkt Konrad Michel auf etlichen Positionen verstärken. Als Glücksgriff erwies sich vor allem Torwart Patrick Zeitler, der vom TV Hardheim dazu stieß. Neu kam außerdem Niko Neuhaus (TG Heidingsfeld), und Manuel Krahne kehrte vor der Runde vom Bayernligisten TSV Lohr zurück zum HSV. Dann brachte Senft im Oktober in Lukas Möslein einen weiteren ausgemusterten Etwashäuser mit an die badische Grenze. Möslein war beim damaligen TVE-Coach Munoz in Ungnade gefallen. Ein weiterer brisanter Punkt? „Das Spiel wird sicher einen eigenen Charakter haben, allein wegen Lukas und mir“, sagt Senft. In der Vorrunde konnte sich Senfts Mannschaft gegen Etwashausen mit 37:31 durchsetzen.

Dass er seine Zelte in Main- Tauber abbrechen wird, begründet Senft mit den dort fehlenden Perspektiven. Es blieben für die kommende Saison nur noch fünf Akteure des jetzigen Landesliga-Kaders übrig, zudem sei ihm der Aufwand mit den langen Fahrten zum Training zu viel. „Wir spielen erst einmal die Runde ordentlich zu Ende. Was ich danach mache, steht noch nicht fest. Es sollte ein Verein sein, der auch Jugend hat, eine Perspektive. Ich will langfristig etwas aufbauen.“