Die Halle feierte ihre Rödelseer Helden, die gerade überraschend klar mit 29:21 (12:7) den TV Großsachsen bezwungen hatten. Erleichterung und Jubel waren anschließend in vielen Gesichter erkennbar, denn nach einer mental intensiven Woche hatten die Rödelseer der Anspannung erfolgreich getrotzt.

Auf den Mann, der für den vor einer Woche zurückgetretenen Trainer Dusan Suchy diesmal die Mannschaft als Verantwortlicher betreute, warteten hinterher alle vergeblich. Vilo Vitkovic hatte den Spielern kurz gratuliert, eine Zigarette draußen vor der Halle geraucht. Dann packte er seine Tasche und ging, quasi durch den Hinterausgang. Vilo war weg. Im Mittelpunkt stehen mag er, der zuvor noch in der zweiten Mannschaft mitspielte und diese zum Sieg führte, nicht wirklich. Bei der Pressekonferenz beantwortete stattdessen Kreisläufer Radovan Suchy, der Bruder des Ex-Trainers, die Fragen.

Tags darauf lieferte Vitkovic dann die Erklärung, warum er sich nach dem Spiel verdrückt hatte. Er war nach Hause gefahren, um abzuschalten. „Ich wollte runter kommen, mich so schnell wie möglich beruhigen, ich war ja seit 15 Uhr in der Halle.“

Die Anspannung war Vitkovic während des Spiels überhaupt nicht anzumerken. In ihm sah es dagegen etwas anders aus, wie er später zugab. Direkt nach dem Schlusspfiff sei schon eine große Last von ihm abgefallen.

Es ging gut für Rödelsee, weil die Spieler gegen die zuvor sechsmal hintereinander siegreichen Großsachsener – darunter gegen Tabellenführer Bad Neustadt – eine Reaktion zeigten. Sie kämpften wie die Löwen, hatten zudem mit dem überragend haltenden Torhüter Thomas Paul und einer starken Abwehrleistung die zwei Bausteine für den Erfolg. „Das hat heute richtig Spaß gemacht, weil jeder so spielte, wie er immer spielen sollte. Wir haben uns den Arsch aufgerissen und gekämpft“, fasste es Maximilian Häckner hinterher zusammen.

Mit Bostjan Hribar übernahm ihr vielleicht erfahrenster Recke die Führungsrolle. Ähnliche Situationen wie Trainerwechsel und Ärger hat der 36-jährige in seiner Karriere nicht zum ersten Mal erlebt. „Das ist so im Sport. Es war eine schwere Situation für die Jungs. Wir haben gesagt, wir spielen wie eine Familie, auch für Dusan. Jedes Tor ist für ihn“, schilderte es der Slowene.

Zunächst hatte das Spiel aus Gastgebersicht alles andere als ideal begonnen. Jan Kästner scheiterte beim Stand von 1:1 gleich mit dem ersten Siebenmeter an Großsachsens Torhüter Peribonio (5.). Auf einmal stand es 1:4, weil die Rödelseer zunächst gegen die TV-Abwehr kein Mittel fanden. Interimstrainer Vitkovic nahm sofort eine Auszeit. In der Folge griff das flexible Spiel der Rödelseer besser. Durch ständige Positionswechsel brachten sie viel Bewegung ins Geschehen.

Allerdings sorgte auch Torwart Thomas Paul dafür, dass seine Mannen nach 15 Minuten auf einmal mit 5:4 vorne lagen. Die erste Führung war Andreas Paul gelungen, als Kreisläufer Radovan Suchy den Linksaußen mustergültig bedient hatte. Dann hatte auch Jan Kästner sein Visier nach einigen erfolglosen Versuchen eingestellt. Der Gegner bekam mehr und mehr Probleme, probierte viel, ließ aber zu viele klare Chancen aus. Die nur sieben Gegentore in der ersten Halbzeit zeigten, wo Rödelsees Stärken an diesem Tag lagen.

Im zweiten Abschnitt hielten die Gastgeber den Vorsprung immer bei mindestens vier Toren. Selbst in Unterzahl wie bei Maximilian Häckners 15:10, wusste der kampfstarke und konzentrierte TSV immer eine Antwort. Auch die in der Vergangenheit bisweilen kritische Phase etwa ab der 50. Minute blieb ohne Folge. Großsachsen fügte sich in die Niederlage. Ganz am Ende kochten die Emotionen der Gäste kurz, weil Rödelsee 40 Sekunden vor Schluss noch eine Auszeit nahm. „Entschuldigung an unsere Fans für die desolate Leistung. Das war wirklich nichts“, blieb Großsachsens Trainer Stefan Pohl später nur als Zusammenfassung.

Mit der 4:1-Führung zu Beginn habe wohl mancher seiner Akteure gedacht, es laufe von allein. Dem war beileibe nicht so. Rödelsee zeigte dem Gegner die Zähne, auch nach der „schweren Woche“, wie es Radovan Suchy beschrieb. „Die Mannschaft wollte, dass die zwei Punkte da bleiben. Egal, was ist“, beschrieb er die Einstellung. „Zuhause muss uns erst mal jemand schlagen. Wir wissen, was die Mannschaft kann. Sie hat fantastisch gekämpft“, durfte Rödelsees Teammanager Tobias Demel erleichtert sein Lob ausschütten. Wenigstens er hatte seinem Interimstrainer Vilo Vitkovic bei einer gemeinsamen Zigarette nach dem Spiel danken können.

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – TV Großsachsen 29:21 (12:7)

Rödelsee: Thomas Paul, Max Deußen, Bostjan Hribar (5), Gabor Csorba (3), Lukas Demel, Julius Weinhardt (1), Andreas Paul (6), Maximilian Brunner, Jan Kästner (9/2), Radovan Suchy (2), Maximilian Häckner (4), Rok Ivancic.

Großsachsen: Roko Peribonio, Andreas Fischer, Jonas Gunst (8/8), Patrick Zweigner, Marius Jörres (1), Sebastian Knierim (2), Tobias Kohl (7), Thomas Zahn (2), Alexej Rybakov, Simon Spilger, Dominik Sauer, Simon Gans (1), Nicolas Barrientos, Florian Sauer.

Schiedsrichter: Jan und Manuel Lier (TSV Schmiden).

Zuschauer: ca. 400.

Siebenmeter: 3:8 (2:8 verwandelt).

Zeitstrafen: 2x Kästner, Andreas Paul, Suchy, Weinhardt – Jörres, Kohl.

Spielfilm: 1:4 (10.), 5:4 (17.), 8:5 (23.), 10:6 (26.), 12:7 – 13:8 (32.), 15:10 (37.), 17:13 (43.), 20:15 (47.), 23:17 (50.), 25:20 (55.), 29:20 (58.), 29:21.