„Wo hätten wir denn sonst noch einen Punkt holen können, wenn nicht heute?“, meinte Radovan Suchy, Trainer des TSV Rödelsee nach der 24:34 (12:19)-Heimpleite gegen den HSV Blankenburg. Doch von einem Punktgewinn waren die Gastgeber meilenweit entfernt, denn die Gäste führten über die gesamte Spielzeit deutlich und ließen einen Zweifel am Auswärtssieg aufkommen.

„Die erste Halbzeit war miserabel“, stellte Rödelsees Co-Trainer Ozren Kvrgic knallhart fest. Ohne den verletzten Jannik Renz fehlte es den Hausherren an Durchschlagskraft und – mit Ausnahme von Dennis Orf – auch an der Körpergröße. Andreas Paul, Julius Weinhardt und Maximilian Häckner wurden von ihren Gegnern im Schnitt um einen Kopf überragt und konnten diesen Nachteil kaum kompensieren. Einzig Kapitän Andreas Paul vermochte die Gäste mit seiner Dynamik immer wieder zu überlisten, ansonsten ging von den Gastgebern zu wenig Gefahr aus.

Ganz im Gegensatz dazu trumpfte Juraj Niznan auf, der als junger Bursche im Jahr 2002 bei den Rödelseern angeheuert hatte, aber wegen Problemen mit Wechselformalitäten nach Obernburg weiter gezogen war. Der Slowake spielte seine ganze Routine aus, dirigierte von der Schaltzentrale aus, brachte seine Nebenleute in hervorragende Positionen oder düpierte die Rödelseer auch vom Kreis. Seit 2008 geht der 32-Jährige für Bad Blankenburg auf Torejagd und brachte die Rödelseer Situation auf den Punkt mit dem Satz: „Ohne ausländische Spieler geht es in der 3. Liga nicht“.

Bei den Gastgebern klappte vom Anpfiff weg wenig, ob in der Abwehr oder im Angriff. „Manche sind einfach nicht richtig bei der Sache“, konstatierte Radovan Suchy und haderte damit, dass sich die Mannschaft zwar viel vorgenommen habe, „aber mit dem Anpfiff war alles weg“. Die Gastgeber lagen bald 0:3 hinten und erwiesen sich an diesem Abend als nicht konkurrenzfähig. „Fast 20 Tore bis zur Pause sind eindeutig zu viel“, monierte Radovan Suchy und der seit Jahren mitfiebernde Hausmeister Georg Grötsch bemerkte, „das macht doch keinen Spaß mehr“.

Der Tabellenachte aus Thüringen spulte sein Programm herunter und Marcel Werner nutzte neben Felix Kempe, die Freiheiten, die ihnen die Rödelseer gewährten, weidlich aus. Nach der Pause halfen die Schiedsrichter den Hausherren, etwas heranzukommen, in dem sie fleißig Zeitstrafen verteilten und Radoslav Miller eine unberechtigte Rote Karte vor die Nase hielten. Zudem zeigte Suchys Maßnahme, Niznan in Sonderbewachung nehmen zu lassen, Wirkung.

Dadurch kamen die Gastgeber zeitweise auf vier Tore (22:26) heran. Doch in dieser Phase begannen die Rödelseer damit, sich im Vergeigen von hundertprozentigen Torchancen gegenseitig zu übertreffen, weshalb der Unterschied bis zum Schlusspfiff doch noch zweistellig ausfiel. „Das Verwerfen raubt die Moral“, kommentierte Radovan Suchy die Szenerie.

Dass nach dem Abgang von Bostjan Hribar, Rok Setnikar und Marko Sokicic zu Jahresbeginn Siege seltener würden, war klar. Freilich liest sich die bisherige Bilanz in 2016 mit einem Sieg aus neun Partien noch ernüchternder. In den fünf ausstehenden Begegnungen warten die ersten Vier der Liga plus der Tabellensechste Rodgau Nieder-Roden noch auf Rödelsee. Selbst unverbesserlichen Optimisten dürften klar sein, dass da kaum noch was zu holen sein wird. Radovan Suchy nahm die erneute Heimniederlage derweil weniger tragisch und stellte fest, „dass wir jetzt einfach machen, was der Verein will: die jungen Leute einbauen und spielen lassen“.

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – HSV Bad Blankenburg 24:34 (12:19)

Rödelsee: Thomas Paul, Andreas Wieser; Julius Weinhardt 4/1, Dennis Orf 3, Maximilian Häckner 2, Bastian Demel 1, Fabian Servatius, Andreas Paul 7, Marius Olbrich 4, Michael Bayer 2, Moritz Reichhard 1, Milan Neklic, Maximilian Sauerhammer.

Bad Blankenburg: Tobias Jahn, Felix Herholc; Juraj Niznan 4, Paul Weyhrauch 4, Robert Römernann 3, Martin Müller, Dusan Maric 3, Felix Kempe 6/3, Max-Florian Köthe, Radoslav Miller 2, Alexander Werner 3, Juraj Geci, Marcel Werner 9.

Schiedsrichter: Frank Kraaz/Matthias Rupp (Nürtingen/Weinstadt).

Zuschauer: 120.

Rote Karten: Radoslav Miller (23., grobes Foulspiel), Dennis Orf (54., 3x2 Minuten).

Zeitstrafen: 8:12-Minuten (Rödelsee: 3x Orf, Bayer; Bad Blankenburg: Niznan, Römermann, 2x Kempe, Miller, Geci).

Siebenmeter: Rödelsee 1 (1 verwandelt), Bad Blankenburg 3 (2).

Spielfilm: 1:4 (7.), 3:7 (14.), 6:11 (20.), 8:15 (25.), 12:19 (HZ), 15:23 (38.), 22:26 (48.), 22:28 (50.), 23:30 (54.), 24:34 (Endstand).

3. Liga Ost Männer
 
SV 08 Auerbach – SG LVB Leipzig 33:30  
GSV Eintracht Baunatal – TV Gelnhausen 22:29  
MSG Groß-Bieberau – HC Elbflorenz 19:29  
TSV Rödelsee – HSV Bad Blankenburg 24:34  
TuS Fürstenfeldbruck – TV Hüttenberg 22:22  
HSC Bad Neustadt-Rhön – HSG Nieder-Roden 26:22  
TV Kirchzell – TV Groß-Umstadt 25:26  
TV Großwallstadt – USV Halle 41:16  
 
1. (1.) TV Hüttenberg 25 22 1 2 711 : 528 45 : 5  
2. (2.) TuS Fürstenfeldbruck 25 16 4 5 717 : 658 36 : 14  
3. (4.) HC Elbflorenz 24 16 2 6 685 : 591 34 : 14  
4. (3.) MSG Groß-Bieberau 24 17 0 7 698 : 597 34 : 14  
5. (7.) HSC Bad Neustadt-Rhön 25 13 2 10 713 : 689 28 : 22  
6. (5.) HSG Nieder-Roden 25 13 2 10 675 : 665 28 : 22  
7. (6.) SG LVB Leipzig 25 11 4 10 697 : 657 26 : 24  
8. (8.) HSV Bad Blankenburg 25 11 3 11 669 : 678 25 : 25  
9. (9.) TV Großwallstadt 25 10 3 12 675 : 665 23 : 27  
10. (11.) TV Groß-Umstadt 25 11 1 13 659 : 672 23 : 27  
11. (12.) SV 08 Auerbach 25 9 4 12 647 : 678 22 : 28  
12. (10.) GSV Eintracht Baunatal 25 10 1 14 640 : 686 21 : 29  
13. (13.) TV Kirchzell 25 8 2 15 629 : 666 18 : 32  
14. (14.) TV Gelnhausen 24 8 1 15 621 : 664 17 : 31  
15. (15.) TSV Rödelsee 25 4 0 21 621 : 760 8 : 42  
16. (16.) USV Halle 24 4 0 20 601 : 804 8 : 40