Wenn der Fußball ab sofort wieder im Ligabetrieb rollt, muss Simon Weidinger sein Faible für ungewöhnliche Reisen wohl etwas einschränken. Schließlich hat der 29-Jährige aus dem Volkacher Stadtteil Fahr nun seine erste Stelle als Spielertrainer beim ambitionierten A-Klassisten SG Rimbach/Lülsfeld angetreten.

Bevor es los ging, tauchte er noch einmal ab in die weite Welt ab, genau so, wie er es gerne mag. In der Einsamkeit Islands war Weidinger unterwegs, allein, nur mit dem Rucksack. Die größte Vulkaninsel der Erde faszinierte ihn. „Das war richtig geil! Die Temperatur lag so zwischen zehn und 15 Grad, es gab dort sogar Schneefall im Juni“, schildert er im Rückblick. Gewandert ist er zuvor schon öfters, etwa für einige Etappen auf dem Jakobsweg, oder durch Schottland. Bei seinen Touren schätzt er die Ruhe. „Ich mag die Berge, und einsam soll es auch sein“, sagt er.

Zuletzt, auf den Trainingsplätzen seines neuen Klubs, war Weidinger allerdings ganz froh, dass dort alles andere als Einsamkeit herrschte. Eine zum Großteil recht junge, hungrige Mannschaft, in der einiges an Talent stecke, habe er bei der Gemeinschaft aus Rimbach und Lülsfeld vorgefunden. Der eine oder andere erfahrenere Recke wie Alexander Christau oder Andreas Röding, gehören zudem zur Truppe.

Auf Platz drei schloss die SG in der Vorsaison ab, verfehlte die Möglichkeit zum Aufstieg nur knapp. Das war allerdings in einer A-Klasse, deren Gegner mehr im südlichen Landkreis Schweinfurt lagen. Vor der neuen Runde wurde die SG umgruppiert, sie spielt nun wieder mehr gegen Mannschaften aus dem Kitzinger Landkreis, was von den Gegnern her wohl attraktiver sei, mutmaßt Weidinger. Mehr Derbys stehen dort an. Krautheim, Frankenwinheim, oder – wie zum Auftakt am Wochenende – das Spiel gegen die Volkacher Reserve.

Ob es dieses Jahr sportlich in ähnliche Höhen gehen wird, möchte sich der neue Hoffnungsträger der Spielgemeinschaft nicht festlegen. Im Umfeld mag es den einen oder anderen geben, der nach Platz drei im Vorjahr und der Tatsache, dass kein Akteur den Verein verließ, von Höherem träumt. Die Verantwortlichen, wie auch Weidinger selbst, sehen den Aufstieg nicht als Muss. Vorne mitspielen möchte die SG aber schon.

Mit seinen 29 Jahren hielt der heimatverbundene Weidinger die Zeit für gekommen, als Spielertrainer anzufangen und seinem Verein, dem FC Fahr, den Rücken zu kehren. Außer einem zweijährigen Abstecher beim damaligen Landesligisten TSV Sulzfeld kickte er nur in Fahr. „Ich habe vor drei Jahren meinen Trainerschein gemacht und wollte mich verändern, etwas ausprobieren. Das bei der SG ist für mich eine neue Herausforderung“, sagt er. Erfahrung als Trainer sammelte Weidinger bislang nur im Jugendbereich.

Zum Auftakt wird der torgefährliche Offensivmann Weidinger seiner Elf auf dem Platz allerdings nicht helfen können. Ein Muskelriss im Oberschenkel, den er sich im Frühjahr zuzog, heilte in der Sommerpause nicht aus, wie er hoffte. „Die Schmerzen sind noch zu groß, ich muss noch einmal in die Röhre zur Untersuchung“, sagt er. Wann er wieder fit sei, könne er im Moment nur schwer sagen. „Für mich ist das einfach ärgerlich, ich würde schon gerne spielen. Aber es hilft nichts, jetzt müssen eben andere in die Bresche springen.“

Dabei täte der jungen, recht ausgeglichenen, aber etwas ungestüm agierenden Mannschaft vielleicht einer, der auch mal etwas Ruhe ins Spiel bringe, der mal auf den Ball trete und nicht nur nach vorne renne, gut, meint Simon Weidinger. Darin sieht er seine Rolle auf dem Spielfeld.

Nach oben soll es für Weidinger in näherer Zukunft auf jeden Fall gehen, nicht nur sportlich. „Ein Monat im Himalaya, das wäre es“, träumt er von den nächsten Gipfeln.