Am Ende durfte der Nachwuchs des FC Augsburg feiern: Der Nachwuchs der Schwaben siegte am Sonntag bei der erneut bestens besetzten 23. Auflage des Norit-Cup der U16-Fußballer in Dettelbach: 4:3 in einem spannenden, fast dramatischen Finale gegen die Vertretung Werder Bremens. Und die Pointe dabei lieferte ein Spieler, der ganz aus der hiesigen Umgebung stammt. Das entscheidende Tor in der Extraspielzeit schoss Aaron Zehnter, der aus Sonderhofen im Ochsenfurter Gau kommt.

Der 15-Jährige war erst im vergangenen Sommer von den Würzburger Kickers zu den Augsburgern gewechselt. Er gehörte bereits im Turnier zu den Aktivposten und krönte seine starke Leistung im Endspiel mit dem Treffer zum 4:3. Der Schuss ins Glück war Zehnters zweiter Versuch, denn sein zunächst abgegebener satter Stoß hatte die Latte des Bremer Tores erwischt. Den Nachschuss setzte er eine Minute vor dem Ende flach in die Maschen.

Das sollte reichen, denn diesmal hatten die Bremer nicht, wie in der regulären Spielzeit zuvor, das Glück in letzter Sekunde. Den Hanseaten, die zu Beginn durch zwei Tore ihres starken Angreifers Keke-Maximilian Topp mit 2:0 geführt hatten, war sieben Sekunden vor dem Ende durch Liam Kümmritz das 3:3 gelungen und damit der Einzug in die Verlängerung. Bis dahin bot das Spiel vor allem in der zweiten Hälfte fast alles, was sich der Zuschauer in der Halle wünscht.

Schon drei Jahre zuvor hatte Augsburg hier gesiegt

Die Augsburger hatten in Dettelbach schon 2017 gewonnen. Einer, der wusste, wie es geht, war ihr Trainer Yannic Thiel, der bereits damals dabei gewesen war. „Kompliment an meine Jungs – eine Riesenleistung, bei so einem Feld zu bestehen. Wir waren sicher nicht der Top-Favorit, aber ich wusste, wie man hier erfolgreich sein kann. Das habe ich den Jungs mitgegeben, sie haben es umgesetzt.“ Den Schwaben fehlte zwar auch mancher Erkrankte aus dem Kader, doch Thiel hatte anscheinend die Richtigen ausgesucht.

Zu ihnen gehörte Aaron Zehnter. „Ich wusste, er kann in der Halle sehr gut spielen. So Dinge passieren eben nur im Fußball“, sagte Thiel zu dessen erfolgreichem Schuss. Augsburg spielt mit seiner U16 auf dem Feld in der Bayernliga der U17. Noch in der Zwischenrunde hatte Bremen mit 3:2 gegen die Schwaben gewonnen. Die kamen überhaupt nur wegen des gewonnenen direkten Vergleichs gegen Eintracht Frankfurt ins Halbfinale. Dort bewiesen sie Nervenstärke und schalteten den Nachwuchs des FC Bayern München nach Neunmeterschießen aus. Werder Bremen agierte souveräner und bezwang im Halbfinale des insgesamt auf ausgeglichenen Niveau verlaufenden Turniers den 1. FC Nürnberg gerade noch so mit 3:2.

Der Club-Nachwuchs hatte es zuvor besonders spannend gemacht. In einer äußerst hitzigen Partie gelangen den Nürnbergern beim 8:4-Sieg gegen Union Berlin tatsächlich die zum Weiterkommen nötigen vier Tore Unterschied. Bei diesem Vergleich kochte die Halle, Schiedsrichter Rene Kohl sprach vier Zeitstrafen aus und zeigte einem Nürnberger sogar eine Rote Karte.

Den hoch gehandelten Leipzigern war am zweiten Turniertag etwas die Luft ausgegangen, wie auch Borussia Dortmund. Unglücklich lief es für die Mönchengladbacher, die zweimal erst kurz vor Schluss um den Sieg kamen. Turnier-Neuling Union Berlin gefiel es am Main trotz des am Ende zehnten Platzes. „Bei der Besetzung hier nimmt man die fünf Stunden Fahrt auf sich. Im Berliner Raum gibt es kein Turnier mit dieser Qualität“, sagte Union-Trainer Jonas Klammt. Zwar spiele sein Klub auch im Nachwuchs noch die zweite Geige in Berlin nach der Hertha, doch spüre man „eine ganz andere Aufmerksamkeit, seitdem die Profis in der Bundesliga sind“.

Alle seine Spieler kommen direkt aus Berlin oder der unmittelbaren Umgebung, eine absolute Ausnahme auf dieser Ebene. Union sei noch dabei, sich richtig aufzustellen, derzeit entsteht ein eigenes Nachwuchs-Leistungszentrum für die Talente. Möglichst weit kommen in Dettelbach wollte Klammt, was nicht ganz klappte.

Der FC Schweinfurt 05 mit dem einzigen Mädchen

Einen guten Eindruck hinterließ erneut die U16 des FC Schweinfurt. Die Jungs von Trainer Robert Tioka-Wirth, bei denen in Jule Dickmeis das einzige Mädchen im Turnier mitspielte, zogen in der Vorrunde trotz Führung jeweils den Kürzeren gegen Mainz (2:3) und Bremen (1:2). Das Kuriose dabei: Gegen Bremen hatte Schweinfurts enorm schussstarker Torhüter Marvin Walter mit Distanzschüssen von der Mittellinie gleich dreimal Pech mit Pfosten oder Latte. Auch beim 2:3 gegen Dortmund in der Zwischenrunde lief es etwas unglücklich.

Enttäuscht war Trainer Wirth deshalb nur bedingt. „Eigentlich darfst du diese Spiele nicht verlieren. Aber für mich ist es wichtig zu sehen, wo wir stehen im Vergleich mit den anderen Leistungszentren. Da sind wir nicht so weit weg.“ Vom Aufwand mit bis zu zweimal täglich Training, wie beim Nachwuchs der Profis, ist der FC 05 schon weiter entfernt. Angespannter, aber auch motivierter als sonst erlebte Wirth seine Kicker. „Das gehört doch dazu! Hier will sich jeder beweisen. Gegen solche Gegner zu spielen bringt dich weiter.“ Platz 13, noch vor dem VfB Stuttgart und dem FC Ingolstadt, stand unter dem Strich.

Ganz zufrieden fassten Christian Graber und Lukas Schimmer von Veranstalter Dettelbach und Ortsteile die beiden Tage Top-Fußball zusammen. „Fußballerisch war das Turnier noch spannender als in den Vorjahren. Wir hatten kaum Beschwerden von den Mannschaften – höchstens weil sie mal ein paar Minuten aufs Essen warten mussten.“ Angetan vom Niveau zeigten sich bei der Siegerehrung auch Landrätin Tamara Bischof, Dettelbachs Bürgermeisterin Christine Konrad und Dieter Pietzsch vom Turniersponsor Norit, der denn auch den großen Siegerpokal überreichte.

Der Endstand

Platzierungen: 1. FC Augsburg (4:3 nach Verlängerung gegen Werder Bremen), 3. Bayern München (3:1 gegen 1. FC Nürnberg), 5. Eintracht Frankfurt (4:1 gegen FSV Mainz 05), 7. Borussia Mönchengladbach (4:0 gegen RB Leipzig), 9. Borussia Dortmund, 10. Union Berlin, 11. SpVgg Greuther Fürth, 12. 1. FC Köln, 13. FC Schweinfurt 05, 14. VfB Stuttgart, 15. FC Ingolstadt, 16. Dettelbach und Ortsteile.

Auszeichnungen, bester Torwart: Tom Ritzy Hülsman (Bayern München); Torschützenkönig: Daniel Stein (Dortmund) und Livan Burcu (Frankfurt), je elf Tore; wertvollster Spieler: Keke-Maximilian Topp (Werder Bremen).