Urlaub dient der Erholung - steht in jedem Tarifvertrag. Dass aber zu viel Freizeit schädlich für die Leistungsfähigkeit ist, musste Ochsenfurts Dietmar Weger am eigenen Leib erfahren. Zum Teil konnte er nichts dafür, drei Wochen vor den Titelkämpfen musste er seine Frau zu Hause vertreten, die bei einer Reha-Maßnahme weilte. Daheim lauerten sie, die Kalorien-Bömbchen. "Und dann kommt man auf blöde Gedanken, Süßigkeiten zu essen", sagt der aktuelle Bayerische Tischtennis-Seniorenmeister der Herren 40.
Die Auswirkungen machten ihn bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften im oldenburgischen Hude zu schaffen. "Das waren schon ein paar Kilo". Hätte er gearbeitet, wäre das nicht passiert: "Die Backstube ist für mich das optimale Konditionstraining", beschreibt der Bäcker, der in einem Kitzinger Betrieb arbeitet. "Da bin ich ständig am Wetzen."
Etwas enttäuscht zeigte sich der 43-Jährige ob seines Ausscheidens nach der Gruppenphase. Er hadert mit sich selbst und seiner inneren Einstellung. Eigentlich wäre seine Gruppe eine echte Hammergruppe gewesen, da aber ein Topspieler abgesagt hatte, sah es vermeintlich leichter aus - Wegers Verhängnis. "Jochen Kaiser und Oljeg Basaric waren die absoluten Topleute. Ich wusste, wenn ich einen davon schlage, dann bin ich weiter. Ich hätte dann nur noch Thomas Klein in meiner Vierergruppe besiegen müssen, um als Zweiter in die K.o.-Runde einzuziehen." Aber Kaiser kam nicht, mit Rene Gros trat ein unbekannter Spieler aus Hessen an. "Das hat mich nicht zusätzlich motiviert, sondern es ging in die ganz andere Richtung. Schon komisch", beschreibt Weger. Der Ex-Etwashäuser kam mit der Favoritenrolle gar nicht zurecht. "Das erste Einzel gegen den Niedersachsen Klein ging ganz schnell an mir vorüber", konstatiert er. Er habe das Spiel schon im vorhinein abgehakt."Das darf man auf solch einer Meisterschaft nicht." Auch ein Satzgewinn nach einem 0:2-Satz-Rückstand konnte seine Auftaktniederlage nicht verhindern.

Trauer nach vergebener Chance


Beeindruckt zeigte sich Weger vom Auftreten seines nächsten Gegners Oljeg Basaric. Er hatte ihn vorher beobachtet: "Das ist eine Herkules-Aufgabe gegen diesen sehr guten Abwehrspieler", dachte er sich vor dem ersten Ballwechsel. Gerade gegen diesen bärenstarken Kontrahenten kämpfte er sich richtig rein, verlor aber nach einer 2:1-Satzführung noch im fünften Durchgang. "Der war ein richtig Guter, der ist ja dann auch Zweiter geworden", trauert Weger seiner Chance nach. "Ich habe gesehen, dass ich gegen solche Leute absolut mithalten kann. Aber man darf nicht den Fehler machen, die vermeintlich Schwächeren zu unterschätzen!" Letzteres sei eindeutig passiert. Er ist ratlos: "Bei solch einer Meisterschaft sollte ich eigentlich fokussiert sein, ich hatte aber nicht den Esprit wie bei der ´Bayerischen´." Dort habe einfach alles gepasst.

Fast eine unerwartete Chance


Nach der zweiten Niederlage war ihm klar, dass er fast keine Chance mehr hatte. Beinahe hätte er noch Schützenhilfe erhalten und drei Spieler hätten mit 1:2-Spielen den zweiten Platz unter sich ausmachen müssen, Weger besaß da das beste Satzverhältnis. Doch Rene Gros, den Weger - "der hat mir von seiner Spielart einfach gelegen"- selbst in seinem Abschlussspiel mit 3:0 schlug, gab nach 2:1-Satzführung die Partie gegen Thomas Klein aus der Hand. Klein schnappte mit 2:1-Siegen Weger (1:2) den zweiten Platz weg. "Die Einzelkonkurrenz war gelaufen, das Weiterkommen war für mich in dieser Gruppe fast ein Muss gewesen", zeigt sich der 43-Jährige selbstkritisch.
Besser lief es im Doppel für den Ochsenfurter. Zusammen mit Mario Krug erreichte er das Viertelfinale. Wie das Schicksal es wollte, ging es in der ersten Runde wieder gegen Thomas Klein, mit seinem Partner Peter Bock. "Diesmal habe nicht den Fehler gemacht, ihn zu unterschätzen. Wir waren absolut gut im Spiel, obwohl wir erstmals zusammen spielten." Dabei zeigte sich Weger als fairer Sportsmann, als er bei einem 9:10-Rückstand einen ihm vom Oberschiedsrichter zuerkannten Punkt, der zum Ausgleich geführt hätte, wegen eines Störballs korrigierte und der Unparteiische den Ballwechsel wiederholen ließ.
Durch ein 3:0 zogen Weger/Krug ins Achtelfinale ein, das für sie eine Nervenpartie wurde, ohne überhaupt gespielt zu haben. "Gerüchteweise hieß es, dass der eine Gegner verletzt sei, aber der Typ lief noch in Sportkleidung herum." Am Ende seien Weger/Krug einsam an der Platte gestanden und hätten gewartet, erst dann habe der Gegner bei der Turnierleitung abgesagt. Weger spricht von einer "doofen Situation".
Im Viertelfinale traf der Bayerische Meister mit seinem Partner wieder auf Oljeg Basaric mit dessen Kollegen Petar Dordevic. "Gegen die zwei Abwehrspieler fingen wir sehr gut an. Über 5:1 führten wir bis zum 10:8 im ersten Satz, doch das gegnerische Duo drehte noch diesen Durchgang." Auch in den nächsten zwei Sätzen seien sie immer dran gewesen, es habe aber nicht ganz gereicht. Basaric/Dordevic holten sich übrigens Silber: "Hier war eine kleine Chance auf eine Medaille vorhanden", blickt Weger zurück. "Doch es hat auch so Spaß gemacht."
Sein Ochsenfurter Kollege Peter Herbst, der nun mit Weger vom TV Etwashausen zum TSV Ansbach wechselt - beide spielen wie schon beim TVE auf den Positionen zwei (Weger) und drei (Herbst) - schaffte bei der "Deutschen" bei den Herren 50 als Gruppenzweiter den Sprung in die 1. K.o.-Runde, schied aber dort gegen Dieter Buchenau in vier Sätzen aus. Selbst wenn Herbst weitergekommen wäre, hätte sich mit dem späteren Deutschen Meister Manfred Nieswand im Achtelfinale eine schier unüberwindbare Hürde aufgetürmt. Eineinhalb Hände an der Medaille hatte Herbst aber im Mixed mit seiner oberbayerischen Doppelpartnerin Karin Hellwig. Im Viertelfinale führten sie schon mit 2:0-Sätzen, dann hätte die Dame plötzlich das Spielen aufgehört, beschreibt Weger die 2:3-Niederlage seines Teamkameraden.

Bestes Jahr in der Laufbahn


Auch wenn es bei der Deutschen nur durchwachsen gelaufen ist, bezeichnet Dietmar Weger, die Saison "als das beste Jahr in meiner Tischtennis-Karriere. Es hat einfach nur der krönende Abschluss gefehlt." Sein persönliches Highlight sei die Bayerische Meisterschaft gewesen: "Wenn man sieht, dass ein Günter Englmeier, der dort nur unter die besten 16 gekommen ist, Deutscher Meister wird, wertet das meinen bayerischen Titel noch mehr auf." Das sei ein irrer Tag gewesen, den man in der Regel nicht so schnell wiederholen kann. "Dieser Titel war für mich die absolute Krönung, die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft noch eine schöne Zugabe." Dennoch sei in der Hoffnung nach Hude gefahren, etwas zu reißen, an solchen Tagen müsse aber dann alles passen.
Nächstes Jahr will Dietmar Weger wieder zur "Deutschen", muss aber bei den Meisterschaften im Freistaat erst wieder unter die besten Acht kommen: "Das wird um einiges schwerer, da diese in Oberbayern stattfinden und die ohnehin starken Oberbayern wegen der kurzen Anfahrt wohl sehr zahlreich vertreten sein werden." Doch gibt er sich kämpferisch, sich wieder für die nationalen Titelkämpfe zu qualifizieren: "Dann werde ich mich wie bei den Bayerischen Stück für Stück nach vorne arbeiten. Vielleicht gibt es irgendwann den Titel. " Eine Lehre nimmt er aber mit: "Ich werde nicht mehr so lange Urlaub machen, eine Woche vor den Meisterschaften reicht. Ich weiß nicht, ob ich mein absolutes Leistungsvermögen schon überschritten habe. Ich denke aber, es ist alles möglich". Ohne Süßigkeiten, versteht sich.