Ein echtes Spitzenspiel haben die Handballer des TV Marktsteft an diesem Samstag vor sich. Als Tabellenzweiter der Bezirksoberliga erwarten sie den nur einen Zähler vor ihnen stehenden Spitzenreiter von der TG Heidingsfeld. Mit einem Sieg hätte es Marktsteft in den verbleibenden sechs Spielen selbst in der Hand, neun Jahre nach dem Abstieg wieder in die Landesliga einzuziehen. Bereit dazu wären Verein und Mannschaft.

Die aktuelle Höhenluft gefällt den Verantwortlichen des TV Marktsteft. In der 1800-Einwohnergemeinde am Main regiert im Sport seit je her der Handball, danach kommt erst einmal nichts. „Wir freuen uns auf das Spiel am Samstag. Da wird die Halle richtig voll sein“, sagt Abteilungsleiter Sandro Schmidt mit Blick auf einen seit Längerem wieder großen Handball-Abend in Marktsteft. „Wir sehen es relativ locker“, sagt Vorsitzender Gunther Thorwarth, der von Druck nichts wissen will. Der liege eher bei den Heidingsfeldern, die ja vor der Runde propagiert haben, aufsteigen zu wollen.

Nun ja, ein klein wenig überraschend sei es schon, dass die Marktstefter diese Runde sogar ein ganz ernstes Wort um den Titel mitspielen, geben Thorwarth und Schmidt zu. „Wir gehörten ja in den vergangenen Jahren auch oft zur Spitzengruppe – bis ein Tief mit zwei, drei Niederlagen kam, von dem wir uns meistens nicht mehr erholten“, sagt Schmidt.

Der Trainer als Vorbild

Dass jetzt neuer Schwung in die Handball-Hochburg eingezogen ist, daran hat für die Verantwortlichen ein Mann großen Anteil. „Mit Vilo Vitkovic haben wir einen sehr guten Griff gemacht“, sagt der Vorsitzende über den im Sommer vom TSV Rödelsee losgeeisten Spielertrainer. Die Art des Slowaken, wie er die Mannschaft führe, auf die Spieler eingehe, und voranschreite, das beeindrucke nicht nur ihn.

Mit dem 41-jährigen Slowaken ist auch Gabor Csorba vom TSV nach Marktsteft gekommen, wo er seine Lust am Handball zurückgewonnen habe, so die Verantwortlichen. Der 31-jährige Ungar warf voriges Jahr noch seine Tore in der dritten Liga, fand seinen Spaß wieder und gilt drei Klassen tiefer als der beste Außenspieler.

Dritter im Bunde, der aus Rödelsee zu Marktsteft gewechselt ist: Franz-Xaver Hetterich (20), ein talentierter Marktstefter, der den Weg zurück eingeschlagen hat – auch weil er in Rödelsee nicht so zum Zug kam wie erhofft. Das Trio plus der kurzfristig gekommene Torhüter Steven Hess erwiesen sich als ideale Verstärkungen. „Diese Runde hat alles gepasst, was aber noch nichts heißen soll“, bleibt Abteilungsleiter Schmidt vorsichtig zuversichtlich.

Verlorene Söhne zurückholen

Die Kombination aus den eigenen Leuten und wenigen Auswärtigen ist Schmidts Idealvorstellung. Sein Credo: wieder so manchen verlorenen Marktstefter Sohn, der mittlerweile woanders seine Tore wirft, zurückzugewinnen. „Als Zuschauer freust du dich immer, wenn du deine eigenen Leute siehst.“ Außerdem wolle der Verein künftig seinem vorhandenen talentierten Nachwuchs eine interessante Perspektive bieten.

Gelänge dem Turnverein der Aufstieg, sollen nicht die Fehler wie 2006 begangen werden, als viele auswärtige Spieler angeworben wurden. Dem Klima im Verein und im Umfeld tat das nicht gut. Nach nur einem Jahr ging es wieder runter, seitdem hangelt sich der TV Marktsteft so durch in der Bezirksoberliga. Im Umfeld sind die ersten Hausaufgaben bereits gemacht. An den Finanzen würde ein Aufstieg in die Landesliga nicht scheitern, bekräftigen Vorsitzender Thorwarth und Sportleiter Schmidt. „Das können wir locker stemmen“, so Schmidt. Ähnlich sieht es der Vorsitzende. Finanziell sei sein Klub „sehr gut aufgestellt“, so Thorwarth, der etwa auf einen erst angeschafften neuen Kleinbus verweist. „Da brauchen wir uns keine Gedanken zu machen.“

Ein Sieg über Heidingsfeld voraus gesetzt, stünden in den verbleibenden Spielen noch schwierige Partien an, sagt Thorwarth. „Erst mal wollen wir Heidingsfeld bezwingen. Gelingt uns das, geben wir es nicht mehr aus der Hand. Wenn nicht, geht die Welt nicht unter.“ Er spielt den Diplomaten. „Gewinnen wir, ist es gut, verlieren wir, ist es auch gut. Steigen wir auf, ist es gut, wenn nicht, ist auch nicht schlimm.“ Damit wäre für alle Marktstefter Fälle gesorgt.