Sie hat ihn erneut erfolgreich bestritten, den Spartathlon. Diesmal war Marika Heinlein beim 246 Kilometer langen Ultralauf von der griechischen Hauptstadt Athen nach Sparta sogar beste deutsche Teilnehmerin. Nach 35 Stunden und 23 Minuten kam sie als 21. bei den Frauen im Ziel an.

Zum 14. Mal war Heinlein bei "ihrem" Lauf am Start , zum neunten Mal erreichte die Buchhändlerin das Ziel. Sie sei die einzige deutsche Läuferin mit so vielen Zielankünften, sagte Heinlein. Denn selbst unter Ultraläufern gilt diese Strecke als besondere Herausforderung.

Sie führt über eine historische Strecke von Athen nach Sparta. Besonders schwierig ist sie, weil man auf der Strecke die Zeitlimits einhalten und in 36 Stunden Sparta erreichen muss. Knifflig ist eine Passage, die auf den rund 1200 Meter hohen Berg Sangas führt – zum Teil über recht schmale Gebirgspfade. Und diese Schlüsselstelle etwa 160 Kilometer nach dem Start müssen die Läuferinnen und Läufer bei Dunkelheit überwinden.

Ein Sieg über den eigenen Körper

Trotz allem übe der Lauf, das Drumherum, die Stimmung vor Ort und im Ziel, auf Marika Heinlein eine magische Kraft aus. Das Gefühl, das man im Ziel spüre, könne man nicht beschreiben. Es sei für sie jedes Mal so intensiv, als ob sie ihren ersten Marathon gelaufen wäre, schildert die 59-Jährige ihren Ansporn. Es sei der Lohn für 245 Kilometer quälen und einen, den letzten, Kilometer genießen, beschreibt sie die Tortur. "Es ist ein Sieg über den eigenen Körper, der Sieg über dich selbst."

Was hat die Läuferin, die stets von ihrem Mann Bruno bei diesen Abenteuern begleitet wird, beim Spartathlon nicht schon alles erlebt. 2018 musste sie 16 Kilometer vor Sparta aufgeben, weil ein Orkan sie fast von der Straße blies . Ein Jahr später streikte ihr Körper schon nach 35 Kilometern bei extremer Luftfeuchtigkeit. "Da hat es mir richtig den Stecker gezogen", erinnert sie sich. Diesmal herrschten bis zu 38 Grad trockene Hitze. "Damit kann ich umgehen", wusste Heinlein.

Heinleins Ritual in der Bergkapelle

Mit ihrem Mann war sie wie üblich einige Tage zuvor angereist, um sich in Athen zu registrieren: "Man trifft sich im Vorfeld mit den anderen Teilnehmern, viele kennt man. Ich bin nicht die einzige Wiederholungstäterin." Zudem laufe sie vorher auch bei Tag über den Sangas, um die Passage später besser einschätzen zu können, erklärt sie. Zudem haben sie und ihr Mann dort ein Ritual: "In der kleinen Kapelle oben auf dem Berg zünden wir vor und nach dem Rennen eine Kerze an."

Das Rennen selbst lief für die zierliche, drahtige Läuferin diesmal ohne größere Schwierigkeiten und Zwischenfälle. Am Freitagmorgen startete sie in Athen, "wie immer ohne Uhr", berichtet Heinlein einige Tage danach. Richtig sicher, dass sie auch ins Ziel komme, sei sie auch diesmal erst etwa zehn Kilometer vor Sparta gewesen. Von da an führt die Strecke fast nur noch leicht bergab.

Ihr Mann wartet mit einem Glas Sekt im Ziel

Im Ziel wartete Bruno Heinlein bereits mit einem Glas Sekt auf seine Frau, das beide am Samstagabend vor der Statue des Leonidas genüsslich und von Glück beseelt tranken. Bis auf einen Sonnenbrand und eine kleine Blase am Zeh sei alles in Ordnung gewesen. Die Siegerehrung fand am Montagabend in Athen statt. Die Heinleins blieben noch einige Tage länger in der Stadt, ehe ihre Wiesentheider Buchhandlung wieder auf sie wartete.

Aus Unterfranken nahm auch Hubert Karl am Spartathlon teil . Der Ultaläufer aus Zeil am Main (Lkr. Haßberge) hat den Lauf vom Athen nach Sparta in diesem Jahr bereits zum 23. Mal in 35 Stunden und 42 Minuten erfolgreich absolviert – ein ganz besonderer Rekord für den 63-Jährigen: Häufiger als Karl hat niemand diese Strecke bezwungen – weltweit.

Bei den Frauen gewann in diesem Jahr Diana Dzavidza (Lettland, 25:24 Stunden) vor Zuzanna Marasz (Ungarn, 25:00) und Noora Honkala (Finnland, 26:24). Schnellster bei den Männern war Fotis Zisimopoulos (Griechenland, 21:57) vor den beiden Tschechen Radek Brunner (23:17) und Milan Sumny (23:53).