Der SSV Kitzingen muss dieser Tage harte Treffer hinnehmen: 0:8 in Lengfeld, 0:8 zuletzt in Leider. Taumelt da ein schwer angeschlagener Boxer seinem K.o. entgegen? Vier Runden vor dem finalen Gongschlag hängt der SSV tief in den Seilen, aber noch ist Dominik Schloßnagel nicht bereit, für seine angezählten Helden das Handtuch zu werfen. „Natürlich ist da noch Hoffnung“, bekräftigt der Sportleiter des abstiegsbedrohten Bezirksligisten. Vier Punkte Rückstand sind es auf den Relegationsplatz. Aber er weiß auch: Seine Schützlinge müssen jetzt eine Reaktion zeigen, müssen selbst einen Wirkungstreffer landen; aus den letzten drei Runden gingen immer die Gegner als Punktsieger hervor.

Im zweiten Jahr misst sich der SSV wieder mit den Schwergewichten aus dem Westen Unterfrankens, mit Kalibern wie Frammersbach, Rottendorf, Lengfeld oder Heidingsfeld. Dass die Kitzinger dabei zu Sparringspartnern degradiert würden, konnten Insider wie Schloßnagel schon ahnen. Wettbewerbsfähig sei die Mannschaft nur dann, wenn ihr alle Kräfte zur Verfügung stünden. In dieser Spielzeit war das nur selten der Fall. So musste sich das Team zuweilen wie ein Boxer vorkommen, dem die Hände gebunden sind. Wie soll man in dieser Lage wirkungsvoll zurückschlagen – und vor allem: treffen?

Mal offenbarten die Siedler krasse Defizite in der Deckung, mal zeigten sie auffällige Schwächen im Angriff. Fast immer führte Schloßnagel dafür personelle Unwägbarkeiten ins Feld. Wer zweimal hintereinander mit 0:8 untergeht, hat sich entweder mit seinem Schicksal abgefunden oder er ist mit den Umständen überfordert. Für den Sportleiter hat der SSV „natürlich in beiden Spielen nicht gut ausgesehen“. Und dennoch zweifelt er nicht, dass die Mannschaft noch voll bei der Sache sei. „Ich sehe die Bereitschaft, dass sie gewinnen will“, sagt er an die Adresse aller, die ihr Leistungsverweigerung unterstellen. Die beiden Niederlagen, die einem technischen K.o. gleichen, sind für Schloßnagel einerseits der „schlechten Tagesform“ geschuldet und andererseits „dem Umstand, dass viele Spieler ran müssen, die in der Bezirksliga kaum Erfahrung haben“.

Der Mittwoch hat noch eine andere kuriose Konstellation gezeitigt. Ein Mann wie Steffen Metz, eigentlich als Stürmer bekannt, fand sich plötzlich mit Deckungsaufgaben betraut, weil dem SSV gleich vier Innenverteidiger ausfielen: Daniel Tausch krank, Dennis Ketturkat verletzt, Aljoscha Keßler verhindert, Felix Scheider mit Kreuzbandriss außer Gefecht. Mit Blick auf die personellen Schwankungen sagt Schloßnagel: „Es war jedem von uns klar – dem Trainer, den Spielern, den Verantwortlichen –, dass es eine ganz schwierige Runde würde.“

Da waren die Abgänge von Florian Soldner und Bernd Keilholz vergangenen Sommer nach Schwarzach, Verluste, die „weh getan haben“. Da waren die Ausfälle während der Saison, die oft genug Lücken in das System von Trainer Wolfgang Beischmidt rissen. „Ein Florian Rumpel etwa hat ganz wenige Spiele gemacht“, erklärt Schloßnagel. Statt aus dem Vollen schöpfen zu können, musste Beischmidt den Mangel verwalten.

Das gelang mal besser wie beim 1:1 gegen Titelfavorit Röllbach und mal schlechter wie beim 0:6 zuvor in Hösbach mit nahezu der gleichen Elf. Im Zweifel rechtfertigt der dünne Kader noch jeden Misserfolg. „Wir sind auf niemanden sauer“, sagt Schloßnagel. Dass sich Verein und Trainer bereits im Winter auf ein weiteres gemeinsames Jahr verständigt haben, darf man vor diesem Hintergrund als ein Signal deuten. Notfalls geht Beischmidt mit den Siedlern auch in die Kreisliga.

So ein Abstieg muss für die Mannschaft nicht einmal von Nachteil sein, weil sie dort Gelegenheit hat, sich zu konsolidieren und zu erneuern. Dominik Schloßnagel lächelt mild, wenn man ihn mit diesem Szenario konfrontiert und ihn fragt, ob dies nicht sogar die vernünftigere Lösung wäre. „Was soll ich dazu sagen? Da gibt es kein klares Ja oder Nein.“

Natürlich kann sich der Sportleiter eines ambitionierten Bezirksligisten, der mitten im Abstiegskampf steckt, nicht hinstellen und verkünden: Besser, wir steigen ab. Er gäbe der Mannschaft bloß ein Alibi, wenn auch das nächste Spiel krachend verloren ginge. Also sagt er: „Wenn man wie wir nicht den breitesten Kader hat, ist es schwer, sich in der Bezirksliga durchzusetzen.“ Gerade um dem sprießenden Nachwuchs in diesem Klub eine Perspektive zu bieten, wäre der Klassenverbleib ein gutes Argument und eine Art Zukunftssicherung – zumal man auf der anderen Seite weiß, dass der SSV sich strikt weigert, Spieler zu entlohnen.

Noch bleibt den Siedlern Zeit und Gelegenheit zu beweisen, dass sie in diese Spielklasse gehören und dass sie durchaus fähig sind, Rückschläge zu verkraften. An diesem Sonntag steht das Abstiegsduell mit dem weit abgeschlagenen Würzburger FV II an, „ein Schlüsselspiel“, so Schloßnagel, „das ist uns allen bewusst.“ Geht auch das verloren, kann der SSV getrost für die Kreisliga planen. Von diesem Treffer würden sich die Kitzinger nicht mehr erholen.