In wenigen Tagen stehen die Saison-Höhepunkte für Matthias Hofmann an. Dann läuft der 16-Jährige zunächst bei den Bayerischen Meisterschaften am 22. und 23. Juli in Augsburg, ehe es zwei Wochen später zu den deutschen Titelkämpfen nach Ulm geht. Auf der Strecke, die in Läuferkreisen als mit am schwierigsten gilt: die 400 Meter. Für die hat sich das Leichtathletik-Talent aus Eibelstadt, das für die LAZ Würzburg antritt, bereits qualifiziert.

In einem Vergleichswettkampf in Brixen in Südtirol, bei dem Hofmann für die bayerische Auswahl der U 18 antrat, durfte er sich über starke 50,18 Sekunden und damit eine neue persönliche Bestzeit freuen. Gleichzeitig unterbot er die Norm für die Meisterschaften, die bei 51,5 Sekunden liegt, deutlich. Dabei hat sich der Zehntklässler des Würzburger Röntgen-Gymnasiums mit seinen Trainern erst diese Saison für die 400 Meter entschieden. „Vorher bin ich 800 Meter gelaufen. Das war mir zu lang, außerdem hat da nicht jeder seine Bahn. Da braucht man Ellenbogen, es wird geschubst, das hat mir nicht gefallen. Die 200-Meter waren mir zu kurz“, erzählt er, der 2016 in Aachen Deutscher Meister im Blockwettkampf Lauf in der Altersklasse M15 wurde.

Zweimal pro Woche mit seinem Heim-Trainer Christian Zillober sowie noch einmal mit Marco Gössmann-Schmitt, dem Landestrainer/Sprint des Bayerischen Leichtathletikverbandes, wird der Rohdiamant Hofmann derzeit geschliffen. Um seine Defizite redet der Jugendliche gar nicht lange herum. „Meine Schwäche ist definitiv der Start. Das liegt vielleicht an der Technik. Bis ich richtig rein komme in den Lauf, dauert das manchmal. Ich versuche, nach hinten raus stark zu sein.“

Das ist der mit aktuell 1,82 Metern Größe wohl noch nicht ganz ausgewachsene Sportler offensichtlich. Auch im Sprint über 100- und 200-Meter geht Hofmann gerne an den Start. Kürzlich in Brixen beim Vergleich mit 20 Mannschaften aus italienischen, österreichischen, schweizerischen und deutschen Regionen verhalf er der bayerischen Staffel zu Platz zwei über 4x100 Meter. Im Endklassement belegte Bayern Platz drei hinter Baden-Württemberg und der Lombardei.

Ein tolles Erlebnis sei es gewesen, einmal internationale Luft bei dem Wettkampf zu schnuppern, erzählt Matthias Hofmann. Das motiviere einen erst recht. „Es war mein schönster und aufregendster Wettkampf bisher“, schwärmt er.

Trainer Christian Zillober will seinen Schützling, der in diesem Jahr erstmals in der Altersklasse U 18 antritt, jedoch nicht verheizen. „Es bringt nichts, wenn man sein Pulver bereits mit 15 oder 16 Jahren verschießt. Lieber behutsam aufbauen, damit auch noch Luft nach oben bleibt“, nennt er seine Maßgabe. Zudem ist es das erste Jahr, in dem Hofmann voll auf Sprint setzt. „Weitsprung und Hürden gehen noch zwischendurch, mehr aber nicht“, erläutert der Übungsleiter.

Zum Sport kam Matthias Hofmann bereits von klein auf. Er probierte viele Disziplinen aus. Über das Kinderturnen ging es zunächst zum Volleyball, bis er bei der Leichtathletik sein Ding fand. Das Talent ließ sich schnell erkennen. Erfolg stellte sich ein, der Trainingseifer stimmte. Einige Tage ohne Sport sind für Matthias ausgeschlossen. „Man muss ihn definitiv nicht zum Sport tragen“, bestätigt auch Trainer Zillober. Die Schule fällt ihm nicht so schwer. Einen Ausgleich hat der Teenager in der Musik. Seit der dritten Klasse spielt er Posaune, auch das mit Leidenschaft und einmal in der Woche in der Big-Band.

Die Heimat zu verlassen, um auf eine Sportschule zu gehen, kann sich Hofmann nicht vorstellen, auch wenn ihm die Leichtathletik ziemlich wichtig ist. Mit seinen 16 Jahren weiß er genau, was er will. Diesen Eindruck vermittelt der Teenager. Trainer Zillober schildert ihn als „großes Talent, positiv ehrgeizig, mit einem passenden Umfeld.“ Was in Zukunft zu erwarten sei, könne man nicht so leicht vorhersagen. Für die nächsten Wochen hat sich Matthias Hofmann aber seine Ziele gesteckt. „Bei der bayerischen Meisterschaft sollte der Endlauf über 400-Meter drin sein, vielleicht sogar das Treppchen. Bei den Deutschen wäre mit einer Bestzeit der Endlauf durchaus realistisch.“ Na dann, auf die Plätze, fertig, und los!