Tatort: Rennstrecke von Münster nach Birkach, Sonntag, 7. Oktober 2012, 15.36 Uhr: Klaus Hoffmann lässt einen Urschrei los und hat es geschafft: Gerade erklimmt er den Gipfel als neuer deutscher Tourenwagen-Bergrennmeister. Er brilliert beim letzten Saisonrennen vor Tausenden Motorsportfans in Mickhausen, macht die starke Konkurrenz erneut nass und kann sich als verdienter Titelträger feiern lassen.
Dass er vor der Siegerehrung des Veranstalters ASC Bobingen von seinen Mechanikern und Unterstützern eine ordentliche Sektdusche verpasst bekommt, kann er im Siegesrausch locker verschmerzen.

Klaus Hoffmann ist von seinem Naturell keiner, der zu sehr aus sich herausgeht, aber in Mickhausen genießt er all die Huldigungen seines Teams, die vielen Glückwünsche und den mehrmaligen Gang auf die Bühne zur Siegerehrung. Die Schritte dorthin kommen dem persönlichen Triumphmarsch eines Mannes gleich, der sich nicht träumen ließ, einmal ganz oben in der Bergrenn-Szene zu stehen. Sein Klubkollege Norbert Handa vom AMC Kitzingen durfte das schon in den Jahren 2002 und 2010 erleben.

Passend zum Lack seines Renners präsentieren sich Freunde und Mitarbeiter seines Karosserie- und Lackierzentrums in orangenen T-Shirts mit dem Aufdruck „So sehn Sieger aus“ – und ein Sektkorken nach dem anderen knallt, um den Titel zu begießen.

Klaus Hoffmann hat sich schon im Training auf ein Regenrennen vorbereitet und „wie schon die ganze Saison eine Super-Leistung gezeigt“, wie sein Widersacher Herbert Stolz im Porsche 935 DP II bescheinigt. Hoffmann hängt auch Norbert Brenner (Opel Vectra) ab und tritt endgültig aus dessen Schatten. Der 49-Jährige gewinnt neben seiner Klasse auch die Division (Tourenwagen), belegt unter rund 200 Startern inklusive des amtierenden Europameisters Simone Faggioli den hervorragenden fünften Platz im Gesamtklassement und erkämpft sich dadurch eine prominente Reputation. Dabei düpiert er bei Kälte und Regen Größen wie den österreichischen Tourenwagen-Staatsmeister Herbert Pregartner (Porsche 911 GT29) den neuen deutschen Bergmeister Frank Debruyne (Dallara Formel 3) und weitere europäische Spitzenfahrer.

Klaus Hoffmann lässt in Mickhausen nicht die Spur von Nervosität erkennen. „Nur am Start wurde ich ein bisschen kribbelig“, verrät der Unternehmer. Er legt in beiden Rennläufen beeindruckende Vorstellungen hin und resümiert hinterher, dass es im ganzen Leben eben „ohne Fleiß keinen Preis gibt“. Beruflich wie als Rennfahrer verläuft seine Vita ähnlich. Vom einst kleinen Facharbeiter hat er es zum erfolgreichen Unternehmer gebracht, der einen guten Ruf genießt. Sportlich ging er seine ersten Schritte 1983 bei der Premiere des Schwanbergrennens. Über Jahrzehnte musste er kleine Brötchen backen – und im neuen Jahrtausend Durststrecken verkraften. Aber er gab nie auf und drang mit seinem Opel Astra im vergangenen Jahr in neue Dimensionen vor. Jetzt ist er am Höhepunkt seiner Rennfahrer-Laufbahn.

„Das ist schon eine Genugtuung“, erklärt Klaus Hoffmann und betont, nie die Bodenhaftung verloren zu haben (mit Ausnahme einiger unfreiwilliger Renn-Ausritte). „Das ist ein Gefühl, das ich jedem Fahrer wünsche“, schildert der neue Tourenwagen-König, was ihm neben Glückshormonen und Adrenalin im Ziel durch den Kopf schießt. Er empfindet am Sonntag „ehrliche Wertschätzung“ und die Anerkennung, die ihm viele Jahre verwehrt geblieben ist. Dass er jetzt Gejagter statt Jäger ist, damit kann der mental starke Buchbrunner gut umgehen. Seine Jungs Pierre Hoffmann und Joshua Minte sind sich sowieso sicher: „Unser Papa ist der Beste!“

Stationen einer Karriere

Klaus Hoffmann

1983: Erstes Bergrennen in einen Ford Escort I RS beim Schwanbergrennen. Er bestreitet dazu noch einige Rennen als Beifahrer von Rallye-Piloten.

1985: Der Buchbrunner steigt auf einen Ford Escort RS 2000 um, mit dem zuvor das Duo Rainer Gutzeit und John Wellborn in der internationalen Rallye-Szene mitgemischt hatte.

1987: Klaus Hoffmann baut seinen Betrieb Unfallservice Hoffmann auf und pausiert einige Jahre.

1995: Der Lackspezialist richtet einen Ford Sierra her und bestreitet sporadisch wieder Bergrennen.

2001: Klaus Hoffmann startet sein richtiges Comeback in einem Ford Sierra, getunt vom Post Motorsport in Haßfurt.

2002: Mit einem Allrad-getriebenen Ford Escort Cosworth will es Klaus Hoffmann wissen und kann in fünf Saisonrennen vier Klassensiege einfahren.

2003: Der Buchbrunner wechselt in die Klasse über 2000 Kubikzentimeter in der Gruppe H. Königsklasse.

2007: Klaus Hoffmann baut den Escort um für die Gruppe FS/E1, der Königsklasse des Tourenwagen-Segments.

2008: Hoffmann sitzt für einige Rennen im Monoposto von Herbert Stengers Gruppe CN-Boliden.

2010: Klaus Hoffmann in professionelle Dimensionen vor und zieht einen Opel Astra, der einst in der DTM im Einsatz war, an Land.

2012: Der 49-Jährige besticht mit Podestplätzen in der Gesamtwertung von Bergrennen und setzt sich zur Hälfte der Saison an die Spitze der Deutschen Tourenwagen-Bergrennmeisterschaft. Am 7. Oktober wird Hoffmanns Traum wahr, er holt sich in Mickhausen seinen ersten Deutschen Meistertitel.