Der Blick auf die aktuelle Tabelle und die Situation seines TSV Nordheim/Sommerach gefällt Raphael Steffen derzeit nicht besonders. Der Sommeracher ist mit seiner Mannschaft in die Nähe der Abstiegszone in der Kreisliga gerutscht. Nur vier Punkte trennen die Gemeinschaft aus den beiden Winzerdörfern vier Spieltage vor Saisonschluss vom Relegationsplatz 13. „Wir sind im Abstiegskampf“, redet der 19-jährige Angreifer nicht um den heißen Brei herum.

Der Schwung des Aufstiegs, den die Elf von der Weininsel im Sommer souverän als Meister feierte, ist mittlerweile etwas verpufft. Das belegen jedenfalls die Zahlen. Seit Ende Oktober stehen in den 13 Spielen nur zwei Siege und drei Unentschieden auf der Habenseite.

Über die Gründe rätselt auch Steffen, der mit bisher 20 Toren eine starke Trefferquote vorweisen kann. „Wir machen keine schlechten Spiele. Aber es sind immer wieder Phasen mit zehn, fünfzehn Minuten drin, in denen wir unkonzentriert sind und uns zwei, drei Tore fangen. Das war in der Kreisklasse anders Da wurde das nicht gleich so bestraft“, liefert er eine Erklärung.

Das wurde gerade in den beiden letzten Spielen wieder deutlich, als die Gemeinschaft zwar in Führung ging, das aber nicht zu nutzen wusste. Gegen Abtswind II (1:2) und Hirschfeld (2:2) fing sich der TSV gleich nach der Halbzeit zwei Gegentreffer innerhalb kurzer Zeit. Allerdings schätzt Steffen gerade Abtswinds Reservisten als spielstark hoch ein. „Sie sind eine Klasse zu weit unten.“

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass vielleicht der eine oder andere Akteur gedacht habe, dass nach zwei Jahren Erfolg und eitel Sonnenschein sowie dem starken Start in die Kreisliga-Runde alles so weiter läuft. „So funktioniert die Kreisliga aber nicht. Das muss aus den Köpfen raus“, mahnt Steffen. Nach der Hinrunde und Platz sechs habe man insgeheim eher die vorderen, als die hinteren Plätze im Blick gehabt. „Wir dachten, dass wir nicht mehr gegen den Abstieg spielen. Das war ein Fehler“, gesteht Steffen, der eine Auszubildung zum Automobilkaufmann hinter sich hat.

Geschenke bekomme man in der neuen Liga kaum, sondern müsse sich vieles erarbeiten. Das tue die Mannschaft auch. Die Vorbereitung nach der Winterpause sei gut gelaufen. „Wir sind zu einhundert Prozent fit“, sagt Raphael Steffen. Das Glück fehle in manchen Situationen vielleicht, dazu vielleicht etwas die Erfahrung in manchen Momenten.

Schließlich stellt die Kreisliga für die zum Großteil zwischen 19 und 26 Jahre jungen Akteure Neuland dar. Nur Matthias Pfaff und Rene Braun durften bereits höherklassige Fußball-Luft schnuppern. Es ist eben ein Lernprozess, den die durchaus talentierte Mannschaft von Trainer Udo Braun gerade vollzieht. Die Trennung nach Nordheim und Sommerach sei längst kein Thema mehr, die Kicker aus den beiden Gemeinden verstehen sich auch außerhalb des Platzes prima. Schließlich spielten viele ja bereits in der Jugend gemeinsam in einer Mannschaft.

Der gemeinsame Weg soll laut Steffen auf Dauer zumindest die Kreisliga sein. Er ist überzeugt, dass die Gemeinschaft die notwendigen Punkte für den Klassenerhalt einfahren werde. Ziel sei, sich in der Kreisliga zu etablieren und vielleicht eines Tages mal ganz vorne mitzumischen.

Was er ein wenig vermisst, sind die Nachbarschaftsduelle, wie einst gegen Volkach oder Rimbach. „Die waren immer schön! Da war schon ein besonderer Kick dabei, zu gewinnen. Jetzt fährst du teilweise bis nach Ramsthal und ärgerst dich, wenn du dort verlierst.“

Diesen Sonntag braucht Raphael Steffen nicht zu reisen. Daheim in Sommerach erwartet er mit dem SV Stammheim den launischen Viertplatzierten aus der Umgebung. „Bei denen kannst du nicht sagen, wie sie drauf sind. Wir müssen mindestens einen Punkt holen“, gibt er vor.

Am wohlsten fühlt er sich nicht ganz vorne in der Spitze, sondern auf dem Flügel, wie ein Robben oder Costa. Die beiden seien „eine Augenweide.“ Ähnlich wie die beiden Flitzer agiert er. „Von außen kann ich mit meiner Schnelligkeit nach innen ziehen. Das liegt mir.“ Um seine bislang in der Runde erzielten 20 Tore macht Raphael Steffen keinen großen Wind. Zumal er auch einige dicke Dinger ausgelassen habe, wie er zugibt. „Mein Ziel ist nicht, dass ich so und so viele Tore schieße. Gewinnen ist wichtiger.“ Das gilt für die nächsten Wochen ganz besonders.