(sho/ast) Bei der 19. Ehrenamtspreisverleihung im Münchner GOP Varieté-Theater standen bayerische Vereine im Mittelpunkt, die sich in herausragender Weise für die Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen engagieren. Für seinen Einsatz zeichnete der Bayerische Fußball-Verband dabei auch den TSV/DJK Wiesentheid mit einem Sonderpreis aus.

Der ehemalige Fußballprofi und Nationalspieler Jimmy Hartwig würdigte in München bei der Preisverleihung den wichtigen Beitrag zur Integration. Wiesentheids Vorstand Harald Rößner nahm die Auszeichnung gerne entgegen.

Dabei wurde das Engagement des TSV/DJK Wiesentheid herausgestellt, das einige Mitglieder des Vereins im Zusammenhang mit der Aufnahme von Asylbewerbern in Wiesentheid bewiesen haben. Sie hätten gezeigt, dass die Einbindung von Flüchtlingen spielend und unkompliziert gelingen kann.

Die Integration von elf jungen Männern aus Somalia ist fester Bestandteil der erfolgreichen Vereinsarbeit. Der Klub suchte den Kontakt zu den Flüchtlingen im Ort. Kaum eine Woche nach ihrem Eintreffen wurden alle Bürgerkriegsflüchtlinge von den Fußballern der Alten Herren in der Steigerwaldgemeinde mit einer kompletten Fußballausrüstung ausgestattet.

Von da an beteiligten sich die Asylbewerber regelmäßig am wöchentlichen Training. Auch beim gemütlichen Beisammensein der Fußballer hinterher im Sportheim sind sie gerne gesehen. Vier der fußballbegeisterten Asylsuchenden wurden in den offiziellen Spielbetrieb der zweiten beziehungsweise dritten Mannschaft aufgenommen. Mit Ahmed Mohamud hat sich einer der Somalis bereits mit zwei Treffern in die Torschützenliste der Kreisklasse Schweinfurt eingetragen.

Außerdem schlossen sich die Afrikaner dem Lauftreff des Vereins an. Die Teilnahme der Bürgerkriegsflüchtlinge am Kirchweihlauf weckte das Interesse der regionalen Medien. Der Bayerische Rundfunk strahlte sogar einen Beitrag im Radio aus. Zudem wurde rückten die Flüchtlinge damit weiter in das Interesse der Bevölkerung, die sich verstärkt für die Situation der Flüchtlinge interessiert. Das hilft dabei, Vorbehalte abzubauen. Neben dem samstäglichen Lauftreff bietet der sportliche Teil auch ein Fitnesstraining für die Flüchtlinge.

Außerhalb der sportlichen Tätigkeiten kümmerte sich der Verein um manch andere Dinge, die das Leben für die jungen Asylbewerber einfacher machen sollen. Für mehr Mobilität sorgten etwa gespendete Fahrräder. Mit Hilfe anderer sozialer Einrichtungen wurde außerdem ein Deutschunterricht organisiert.

Dieses Engagement erläuterte der Vorsitzende des TSV/DJK Wiesentheid, Harald Rößner, bei der Veranstaltung in München. „Im Sport und besonders im Fußball kann man Integration hervorragend voranbringen. Unser Sportverein gibt den Migranten das Gefühl, wirklich vollwertige Mitglieder unserer fränkischen Fußballfamilie zu sein“, erzählte Rößner, der den Preis aus den Händen von Jimmy Hartwig entgegen nahm. Rößner hob weiter hervor, wie wichtig es sei, dass sich eine ganze Reihe ehrenamtlicher Helfer im Ort auch außerhalb des Sportes engagierten.

Mit Dr. Rainer Koch ging der Präsident des Bayerischen Fußballverbandes in seiner Ansprache auf die Bedeutung von Integration, gerade im Sport, ein. „Fußball ist die mit Abstand größte Integrationsbewegung in unserem Land und gibt Menschen unabhängig von Herkunft, Bildung, Religion oder Hautfarbe eine Heimat. Das Thema Einwanderung wird in Deutschland künftig eine immer größere Rolle spielen. Wir werden uns deshalb noch viel mehr als bisher mit Integrationsmaßnahmen beschäftigen müssen. Wie diese funktionieren können, haben unsere sechs Sonderpreisträger (FT Starnberg, TSV Monheim, FC Salzweg, FT Würzburg, TuS Rosenberg und TSV/DJK Wiesentheid) mit ihrer Arbeit eindrucksvoll bewiesen. Im Fußball sind alle gleich“, erklärte Koch.

Jimmy Hartwig

„Jimmy“ wurde als William Georg Hartwig 1954 in Offenbach geboren. Als Fußballprofi war er unter anderem für den Hamburger SV aktiv, mit dem er drei Meistertitel und 1983 den Europapokal der Landesmeister gewann. Er bestritt insgesamt 244 Bundesligaspiele. 1979 absolvierte er zwei Länderspiele für Deutschland. Seit dem Ende seiner aktiven Laufbahn engagiert er sich gegen Rassismus und Diskriminierung. Hartwig hat aber auch andere Facetten zu bieten. Er stand unter anderem mehrfach als Schauspieler auf der Theaterbühne. 2002 spielte er in Berthold Brechts Stück „Baal“ den Kaufmann Mäch am Nationaltheater in Weimar. 2009 schlupfte er in Leipzig in die Rolle des „Woyzech“ im gleichnamigen Stück von Georg Büchner und spielte Hartwig weitere kleine Rollen.