„Las Vegas ist der Wahnsinn, ein Hotel ist dort größer als das andere“, sagt Udo Schieder mit leuchtenden Augen und schwärmt: „Big, bigger, Las Vegas.“ Im Mai fliegt der Kitzinger erneut ins US-amerikanische Spielerparadies, um dort die deutschen Fahnen beim Billard-Worldcup zu vertreten. Für zwei Wochen darf er dann persönlich seinen amerikanischen Traum leben.

Udo Schieder spielt schon 25 Jahre Billard, in der hiesigen Sportszene war er im alten Jahrtausend aber mehr als Fußballtorwart ein Begriff. Er spielte mit Kumpels wie Ricky Helton einst in der legendären Jugend der Kitzinger Bayern, die es damals bis in die Bayernliga gebracht hatte. Schieder war ein Top-Mann zwischen den Pfosten und hütete damals mit dem späteren Bundesliga-Profi Claus Reitmeier das Tor der Bayernauswahl. Ein Kreuzbandriss im Trikot des TSV Buchbrunn setzte dann 1983 der Fußballer-Laufbahn des Kickers aus der Kitzinger Siedlung ein jähes Ende.

Danach verlegte er seine sportlichen Ambitionen auf das Billard. Dieser Randsportart frönt er seit 1995 mit der Kneipenmannschaft „Interpool“ und schwingt den Billardstock in der Sportsbar über dem „Alten Keller“. Dass sich Billard in Kitzingen und unterfränkischen Gefilden etablieren konnte, lag vordergründig an den tausenden US-Soldaten, die einst die Kneipen der Garnisonstädte bevölkerten. Dass sich Udo Schieder vom Kneipenspieler zum Top-Mann mauserte, war dem Lockruf des Würzburgers Peter Hilpert im Jahr 2004 geschuldet. Der Teamchef und Mannschaftsführer der „Breakers“ aus der Gneisenaustraße setzte große Hoffnungen in den Kitzinger. Verfehlten die „Breakers“ 2005 beim Abschlussturnier der Deutschen Liga-Mannschaftsmeisterschaft (DLMM) mit Rang fünf noch die Tickets zum Worldcup-Finale in Las Vegas, gelang dies ein Jahr später. Als DLMM-Vizemeister der Mayer-Ligen im fränkischen Raum hoben die Unterfranken im Flieger ab und erlebten ihre Worldcup-Premiere, die Lust auf mehr weckte.

Udo Schieder entwickelte sich immer besser und löste als Zweiter des Deutschlandcups im Jahr 2007 auch erstmals das Ticket für den Einzel-Worldcup. Endgültig in die nationale Spitze drang der heute 48-Jährige im Jahr 2010 vor, als er mit den „Breakers“ erstmals das DLMM-Abschlussturnier gewann und eine traumhafte Bilanz schaffte. Er ging in 18 von 22 Duellen als Sieger vom Billardtisch und war mit der Siegesquote von 82 Prozent der beste Einzelspieler des Turniers. Später setzte er in Las Vegas eine Duftnote mit dem 17. Platz im Einzel-Worldcup unter 1024 Teilnehmern. Dort brannten sich die Erlebnisse tief beim Kitzinger ein, und mit den „Breakers“ erreichte er den 13. Platz beim Worldcup. Vergangenes Jahr holte er mit den „Breakers“ erneut ungeschlagen den DLMM-Titel, bestieg erneut den Flieger über den großen Teich und errang mit seiner Mannschaft den hervorragenden fünften Platz.

Vor zwei Wochen gelang dem 48-Jährigen sein bislang größter Erfolg im Acht-Ball-Billard auf deutschem Boden, als er in Bad Kissingen den Deutschlandcup im Einzel gewann. Dort verwies er nach vielen heißen und engen Matches den Favoriten Markus Buck (Göppingen) sowie weitere Spieler, die den Deutschlandcup bereits gewonnen haben, in die Schranken. „Du darfst dich nicht von außen runterziehen lassen und dich nur auf deine Stärken konzentrieren“, sagt der gelernte Maurer, der sich heute als Meister der Präzision, Konzentration und Mentalstärke bei Gegnern Respekt verschafft. Er verinnerlichte das Buch „Gut sein, wenn's drauf ankommt“ des Mentalpapstes Hans Eberspächer umfassend und lernte dadurch, dass er es sich nur sich selbst Recht machen muss und bestens damit fährt, an die eigene Klasse zu glauben. Die höchst stabile Psyche Schieders, die bisweilen schon als stoische Ruhe daher kommt, war in Bad Kissingen ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Denn dort gelang es ihm, mehrere Spiele in der Endphase zu drehen oder in entscheidenden Momenten die besten Schüsse zu spielen. Auch wenn die Hände den Stoß mit dem Billardstock ausführen, wird das Billard primär im Kopf entschieden. Deswegen powert er jährlich rund 3 000 Kilometer auf dem Mountain-Bike als Ausgleichssport und zur Stressbewältigung. „Du musst immer zwei bis drei Schüsse voraus denken“, erklärte der Las-Vegas-Fan, da die Position der Zielobjekte und der weißen Kugeln eminent wichtig sind, um die eigenen Kugeln möglichst schnell zu versenken. Die Faszination am Billard ist für Schieder, dass kein Spiel dem nächsten gleicht, auch wenn die gleichen Eröffnungen gewählt werden.

Seit dem Jahr 2003 versenkt er noch in den Ligen der Deutschen Billard-Union die Bälle für den 1. Pool-Billard-Club (1. PBC) Kitzingen in der Landesliga, doch muss der seine Heimspiele in Würzburg austragen, da die Verbandsvorgaben für eine Spielstätte in Kitzingen nicht zu erfüllen sind. Diesen Samstag will er mit den Würzburger „Breakers“ den dritten DLMM-Titel in Folge landen und dann im Mai erneut für Furore in Las Vegas sorgen. „Ich bin mit der älteste und routinierteste in unserer Mannschaft“, verrät Udo Schieder, der unter Mannschaftsführer Peter Hilpert eine wichtige Rolle als Führungsspieler und Leistungsträger einnimmt.