Als es noch dunkel war am Samstagmorgen machte sich der Tross des TSV Frickenhausen auf die gut vierstündige Tour nach Saaldorf. Als es schon wieder dämmerte am Samstagabend, kehrte die sportliche Reisegesellschaft nach Hause zurück. Dazwischen lag ein Auftritt der Frauenbayernliga-Mannschaft in der reizvollen Landschaft im Berchtesgadener Land, das Alpenpanorama vor Augen, herrlicher Sonnenschein und weißblauer Himmel, Bayern pur, wie man es aus dem Katalog kennt. Doch an der Schönheit der Umgebung fanden die reisefreudigen Unterfranken nur bedingt Gefallen. Denn am Ende dieses Tages galt es eine 0:2 (0:0)-Niederlage im Hauptprogramm zu moderieren.

Zum dritten Mal am Südzipfel

Zum dritten Mal binnen siebzehn Monaten hatten sie sich auf die mehr als 420 Kilometer weite Reise bis an den südlichen Zipfel des Freistaats gemacht. Beim ersten Mal im November 2016 waren sie bereits einen Tag eher aufgebrochen, in der Nacht zog ein großer Regen übers Land, und das Spiel am nächsten Morgen wurde abgesagt. Da schimpften sie und tobten und schüttelten die Fäuste – und kamen sechs Monate später wieder, um mit 2:1 zu obsiegen. Und nun? Außer Spesen nichts gewesen? „Ja“, meinte Trainer Christian Golden, nachdem er gut zwei Tage später den Jetlag abgeschüttelt hatte, „so könnte man es sagen.“

„Auf Augenhöhe mit dem Gegner“ sah Golden seine Schützlinge im Voralpenland. Und so entschieden Parameter wie „Tagesform und Kader-Zusammensetzung“ diese Partie. In beidem war Frickenhausen im Nachteil, wobei das eine vermutlich das andere bedingte. Weil Golden erneut ein Teil des Stammpersonals fehlte, reichten die TSV-Frauen nicht an die Form heran, mit der sie anfangs der Rückrunde etwa Weinberg oder Hof bezwungen hatten.

Auf die geballte Offensivwucht der Gastgeberinnen mit dem bewährten Trio Omeradzic, Aglassinger und Zellner hatte der TSV diesmal kein Äquivalent. Golden versuchte es nach dem Ausfall seines stürmischen Duumvirats Romina Kuffner (der Beruf ging vor) und Sandra Abersfelder (verletzt) mit einer Individuallösung: Als einzige Spitze stellte er Katherine Vogt auf – nach 27 Minuten brach er sein Experiment ab. Er nahm die im Winter gekommene 22-Jährige vom Feld („Man hat gemerkt, dass sie körperlich noch nicht so weit ist“) und brachte Anna Thormann. Mit ihr gewann Frickenhausens Spiel an Druck und Kraft.

Die Reaktion bleibt aus

Golden hatte das Gefühl, dass sich die Handlung zu Gunsten seiner Elf neigte – oder dass zumindest eine der Standardsituationen zum Erfolg führen könnte, die sie nun fast in Reihe erzwang. Aber nichts dergleichen geschah. In der zweiten Hälfte häuften sich die Torszenen, Gefahr drohte dabei nur selten, und vielleicht wäre die Partie wie in der Hinrunde 0:0 ausgegangen, hätte Frickenhausen am Ende nicht etwas die Frische und Übersicht gefehlt, als die im stürmischen 4-3-3-System anlaufenden Saaldorferinnen auf der linken Seite eine Überzahlsituation schufen, den Ball „sehr scharf“, wie Golden sagte, vor das Tor brachten und dort Zerina Omeradzic einen Kopfball aus nächster Nähe ins Netz bugsierte.

Ein Viertelstündchen blieb dem TSV für eine angemessene Reaktion – mehr als ein Freistoß Kim Kißlers aber kam nicht mehr heraus. Stattdessen schloss Katrin Zellner für Saaldorf Sekunden vor Schluss einen Konter mit dem 2:0 ab. Dass sie dabei wohl klar im Abseits stand, war irrelevant – die drei Punkte wären so oder so weggewesen. Golden bleiben nun einige Tage bis zum Heimspiel gegen Dießen, das gut belegte TSV-Lazarett zu lichten und neuen Teamgeist zu stiften.

Die Statistik des Spiels

SV Saaldorf – TSV Frickenhausen 2:0 (0:0)
 
Saaldorf: Schneider – Bettina Butzhammer, Bianca Butzhammer, Beck, Waltrich (59. Steinau), Donaubauer (69. Eglseer), Aggül, Aschauer, Aglassinger (85. Marx), Omeradzic, Zellner.
 
Frickenhausen: Kohl – Müller, Schwarz, Kißler, Reddersen, Other (77. Kullmann), Kinle, Angelina Schreck, Rauschenberger Riehl (59. Lysanne Väth), Vogt (27. Thormann).
 
Schiedsrichter: Reitmaier (Tengling).
 
Zuschauer: 50.
 
Tore: 1:0 Zerina Omeradzic (77.), 2:0 Katrin Zellner (90.).