Sie weiß, was sie will, sie gibt alles, um sich auf der Leipziger Eliteschule des Sports zu profilieren, und sie lebt ihren Traum, es als Handballerin weit zu bringen: Fiona Burckhardt hat vor etwa zwei Jahren die heimische Nestwärme verlassen, um als Sportlerin in einem Leipziger Internat flügge zu werden. Die Marktstefterin hat im Osten die Herausforderung einer Sportschule angenommen und hofft dort auf den Durchbruch.

Fiona Burckhardt hat als Sechsjährige beim TV Marktsteft angefangen, Handball zu spielen – und sich rasch als Talent entpuppt. Gemeinsam mit Stefanie Krämer, ihrer einst liebsten Mitspielerin im Verein, gelang ihr in der C-Jugend auf Anhieb der Sprung in die Unterfranken- und in die Bayernauswahl. Während Krämer verletzungsbedingt inzwischen das Handballspielen aufgeben musste, sah sich Fiona Burckhardt vor zwei Jahren am Scheideweg angekommen. Wie keine andere in der Mannschaft war sie bis dahin dem Leistungsgedanken ihres damaligen Marktstefter Trainers Lars Gruner gerecht worden. Sie gab sich nicht damit zufrieden, mit der C-Jugend bayerische Meisterin geworden zu sein, sondern wollte immer mehr erreichen.

Auch Sylvia Ullmann, in der DDR ehemals hochklassig am Ball, stärkte die junge Handballerin in deren Entscheidung, nach Leipzig zu wechseln. Ihre Eltern waren sich längst darüber bewusst, dass die Schule sich mit den Übungseinheiten in Marktsteft, beim Stützpunkttraining in Erlangen oder auf Lehrgängen in Oberhaching nur noch schwerlich vereinbaren ließ. Im Juli vergangenen Jahres fuhr sie zum Probetraining in die Leipziger Eliteschule des Sports, und sie überzeugte die Verantwortlichen auf Anhieb. Sie hinterließ einen derart positiven Eindruck bei ihnen, dass ihr der Frauen-Bundesligaklub HC Leipzig sogar ein Förderangebot mit einem günstigeren Tarif für das Sportinternat unterbreitete.

Reiselustige Familie

Am 8. August 2010 saß die Gymnasiastin erstmals auf der Schulbank in sächsischen Gefilden. Möglichem Heimweh ließ sie keine Chance. „Wir waren schon immer eine reiselustige Familie“, sagt Ulrike Burckhardt, ihre Mutter. Diese Mentalität erleichterte dem damals 15 Jahre alten Mädchen den Absprung aus dem Elternhaus. Wegen des Berufs des Vaters lebte die Familie je ein Jahr in Frankreich und in Australien, Fiona Burckhardt war schon als Elf- und Zwölfjährige alleine zu Schüleraustausch-Projekten in den USA und Australien.

Erst im Jahr 2000 zog die Familie von München nach Marktsteft. „Es war immer eine von Fionas Stärken, sich selbst zu organisieren“, sagt Mutter Ulrike. Das erste Jahr lebte die junge Dame noch im Sportinternat, dieses Jahr zog sie mit drei Sportkameradinnen in eine Wohngemeinschaft in einen großen Komplex. Dort haben die vier längst Kochen, Wäschewaschen und andere Arbeiten im Haushalt gelernt, und sie entwickeln damit auch ihre Persönlichkeit.

Voriges Jahr kam Fiona Burckhardt noch alle zwei Wochen zurück nach Marktsteft, inzwischen sind die Besuche in der Heimat viel seltener geworden. Trotzdem hält sie regen Kontakt zur Mutter – dank Internet, Skype & Co. hören und sehen sich die beiden nahezu täglich. „Die Entscheidung, nach Leipzig zu gehen, war absolut richtig“, diese Erkenntnis reifte rasch in der 1,75 Meter großen Sportlerin. „Ich könnte es mir heute nicht mehr anders vorstellen“, verrät die 16-Jährige, der vorschwebt, handballerisch einmal „eine Mischung zwischen Michael Kraus und Oliver Roggisch“ zu werden.

Sie hat ihre Rolle am Kreis und als Abwehrchefin in der dritten Mannschaft des HC Leipzig gefunden, gilt als verlässlicher Faktor in der Defensive der HCL-Jugendmannschaft mit Akteurinnen der Geburtsjahrgänge 1994/95, die sich in der Frauen-Sachsenliga achtbar schlägt. Als nächstes Etappenziel peilt sie die zweite Mannschaft des HC Leipzig an, die sich als Juniorteam in der dritten Liga beweisen darf.

Beharrlicher Skorpion

„Ich habe viel Spaß in Leipzig, und Herausforderungen wecken meinen Kampfgeist“, erzählt die im Sternzeichen Skorpion geborene Marktstefterin. Skorpione gelten als willensstark, selbstbewusst und beharrlich – und so arbeitet Fiona Burckhardt Tag für Tag in der Sporthalle und im Gymnasium dafür, sich ihren Wunsch vom professionellen Handball zu erfüllen. Sie zählt zum erweiterten Kader ihres Jahrgangs beim Deutschen Handballbund und will sich weiterhin für höhere Aufgaben empfehlen.

In diesem Jahr ist ihr ein weiterer Schritt gelungen: Als eine von nur drei Sportlerinnen ihres Jahrgangs wurde sie für das sogenannte „Streckungsprogramm“ ausgewählt. Die elfte und die zwölfte Klasse des Gymnasiums werden bei diesem Programm auf drei Schuljahre gestreckt, um den Talenten genug Raum für den Leistungssport einzuräumen.

Wenn Fiona Burckhardt – wie jetzt in den Weihnachtsferien – wieder im Kreise ihrer Familie weilt, umgibt sie sich gern mit ihren Freunden. Dabei hat sie schon in jungen Jahren Erfahrungen gemacht, was wahre Freunde sind. „Ich möchte mal so gut werden wie Anne Müller, die in der Bundesliga-Mannschaft Leipzigs spielt“, sagt die 16-Jährige über ihr Ziel. Aber sie weiß, dass es kein Leichtes sein wird, den Durchbruch zu schaffen. „Es ist hart, in die zweite Liga zu kommen, und die erste Liga ist nur ein Traum“, sagt sie.

Fiona Burckhardt gilt sportlich als Rohdiamant. Feilen die Verantwortlichen in Sachsens Metropole permanent an diesem Edelstein und geben sie ihm in nächster Zeit den richtigen Schliff, könnte er seinen Glanz eines Tages auch in erstklassigem Umfeld entfalten.