Aktiv wird Michael Ludwig diesmal nicht dazu beitragen können, wenn seine Fußballer aus Castell und Wiesenbronn versuchen, dem makellosen Spitzenreiter der A-Klasse 4 Schweinfurt, der SpVgg Münsterschwarzach, die erste Niederlage beizubringen. Eine Handverletzung zwingt ihn derzeit – und wohl noch länger – zum Zuschauen. „Das ist schlimm, gerade in solchen Spielen bin ich das reinste Nervenbündel“, sagt der Spielertrainer, der sich schwer mit seiner Rolle anfreunden kann.

Der 36-Jährige aus Abtswind, der die SG in seiner ersten Saison betreut, muss sich aber wohl oder übel daran gewöhnen. Zusehen wollen Ludwig und seine Mannschaft freilich nicht, wie die Münsterschwarzacher weiter einsam ihre Kreise an der Tabellenspitze drehen. Sollten die Kicker aus Castell und Wiesenbronn gar verlieren, wüchse der Abstand zum Spitzenbreiter bereits auf elf Zähler. Das gilt es unter allen Umständen zu verhindern.

Der Saisonstart seiner Schützlinge hat Ludwig nicht ganz gefallen. „Ein bisschen mehr hatten wir uns schon erhofft, aber abgeschlagen sind wir noch nicht. Die drei Unentschieden zu Beginn der Runde waren zu viel, damit kommst du nicht weiter“, sagt er. Vielleicht musste sich die Mannschaft erst an ihn als neuen Trainer gewöhnen – oder umgekehrt. Umgestellt habe er die Taktik, weg von der Viererkette – „das passte nicht“ – hin zum Libero. Die Mannschaft habe es so gewollt.

Das Gerede vom Aufstieg

Es klappte aber nicht gleich, was auch andere Gründe haben könnte, wie Ludwig sagt. Viele hätten gerade zu Beginn vom Aufstieg als Ziel geredet, „vielleicht hat das ja die Mannschaft gehemmt“. Den Druck hat der Coach nun etwas von den Seinen genommen, zumal es erst vor drei Wochen eine unglückliche 1:2-Niederlage gegen Frankenwinheim gab. „Ich habe gesagt, wir schauen erst einmal von Spiel zu Spiel, dann sehen wir bis zum Winter, wo wir landen“, sagt er heute.

Einen relativ großen, talentierten Kader besitze er, so Ludwig – anders als bei seiner vorherigen Station in Kleinlangheim, wo die Mannschaft sich zuletzt beinahe selbst aufstellte. „Hier sind 15, 16 Leute im Training, da macht es Spaß. Und in der Truppe steckt Potenzial, gutes Potenzial. Du musst die Leute eben bei Laune halten“, sagt er. Junge Talente wie Pascal und Patrick Paul nennt er als Beispiele. Irgendwann in absehbarer Zeit soll der nächste Schritt in Richtung Kreisklasse folgen – andernfalls werde es wohl schwierig, den einen oder anderen zu halten, da macht sich Ludwig nichts vor.

Für ihn als Verantwortlichen spiele es dabei keine Rolle, ob nun mehr Akteure aus Wiesenbronn oder aus Castell im Team stehen, sagt Ludwig. Das sei im zweiten Jahr der Zweckgemeinschaft eh kein Thema mehr. „Sportlich gibt es da keine Probleme, ich gehe von der Trainingsbeteiligung aus.“ Bei Training und Spiel werden die Orte abgewechselt. Laut Spielplan ist Castell diesmal für das Topspiel gegen die Münsterschwarzacher an der Reihe. „Sie haben noch nicht verloren, also ist das sicherlich eine gute Mannschaft. Allerdings waren ihre Siege häufig knapp, da rechne ich mir schon etwas aus“, sagt Michael Ludwig hoffnungsvoll – wenngleich der leidenschaftliche Fußballer auch diesmal wieder nur zuschauen kann.