Die Nachricht sickerte früher nach außen, als sie im Zeitplan der Beteiligten eigentlich vorgesehen war. Vergangenen Montag wurden bei einem Treffen der Verantwortlichen von Bayern Kitzingen mit dem für die Saison 2012/2013 geplanten Trainerduo Wolfgang Schneider/Thorsten Götzelmann Nägel mit Köpfen gemacht. Ende dieser Woche wollten beide Vereine ihre Aktiven informieren, doch das Internet durchkreuzte den Plan.

Die Gerüchteküche, vor allem über das Netzwerk Facebook, brodelte von Montagabend an dermaßen, dass der SSV Kitzingen seine Spieler bereits kurzfristig am Dienstagabend zur Besprechung einlud. Die offizielle Mitteilung zu der Neubesetzung der Trainerstelle erreichte unsere Redaktion dann am Donnerstag früh. Auf dem ersten Blick erschien es für viele überraschend, dass Wolfgang Schneider dem Lokalrivalen vom Bleichwasen seine Zusage gegeben hat. „Sportlich ist es nachvollziehbar. Wir hatten gehofft, dass wir ihn halten können. Es hat leider nicht sollen sein“, kommentierte SSV-Vorsitzender Mathias Rumpel die Situation.

Rumpel und Schneider waren noch vergangenes Wochenende gemeinsam beim Skifahren. Beide pflegen ein gutes Verhältnis, daran werde sich auch nichts ändern, meinte der Siedler-Chef. Alles sei korrekt über die Bühne gegangen. „Wolfgang hat von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Er hat uns bereits vor der Winterpause mitgeteilt, dass er nicht sicher sei, ob er seinen Vertrag verlängern werde.“

Keine leichte Entscheidung sei es für ihn gewesen, seine Tätigkeit im Sommer bei den Siedlern nach dann sechs Jahren dort zu beenden, gibt der 50-jährige Sportlehrer Schneider zu. Zunächst trainierte er in Kitzingen den Nachwuchs, von der Rückrunde 2009 an übernahm der Stadtschwarzacher schließlich die erste Garnitur. Zur Winterpause habe er sogar in Erwägung gezogen, ein komplettes Jahr Pause als Fußballtrainer einzulegen. Beruflich habe er viel um die Ohren, zuletzt bildete er wieder Lehrer für Schul-Skikurse aus. Dazu komme, dass er durch das zusätzliche Training seines Sohnes im DFB-Stützpunkt in Randersacker einen weiteren fixen Termin in der Woche habe.

Als um die Weihnachtszeit die Anfrage der Kitzinger Bayern bei ihm eintraf, zögerte Wolfgang Schneider. „Mein Einwand war, dass ich mir es nicht vorstellen kann, alleine eine Landesliga-Mannschaft zu trainieren, aufgrund meiner anderen Verpflichtungen.“ Der von vielen Seiten als Nachfolger von Bayern-Trainer Thomas Latteier gehandelte Co-Trainer Thorsten Götzelmann hatte dem Verein ebenso mitgeteilt, dass er das Traineramt aus beruflichen Gründen nicht alleine übernehmen könne.

Also zählten die Bayern-Verantwortlichen quasi eins und eins zusammen. Beide, Götzelmann und Schneider, trafen sich zu einem ersten Gespräch und tauschten ihre fußballerischen Ansichten aus. Dabei sei heraus gekommen, dass beide der Posten zwar reizen würde, sie aber Respekt vor der Belastung hätten. „Thorsten war sich genauso unsicher. Wir kannten uns beide persönlich nicht“, sagt Schneider.

Beim zweiten Gespräch, das einige Zeit später stattfand, sei bei beiden der Eindruck entstanden, dass eine Lösung als Trainer-Duo denkbar sei. Und wie soll das aussehen? „Wir haben noch keine Details geklärt. Ich gehe davon aus, dass Thorsten kein Spieler mehr sein wird, er wird aber sicher noch mittrainieren“, glaubt Schneider. Offiziell werde er der Chef sein. „Thorsten hat es in Prozent ausgedrückt. Er hat 49, ich 51 Prozent. Damit kann ich sehr gut leben.“

Die Sorge, dass Schneider auch den einen oder anderen Spieler vom SSV Kitzingen zum Lokalrivalen lotsen könnte, wurde auch beim SSV beraten. „Er wird von sich aus keinen Spieler von uns darauf ansprechen. Es ist für mich selbstverständlich, dass er es nicht macht“, stellt SSV-Vorsitzender Rumpel klar. Bei dem Punkt geht auch Schneider in die Defensive. „Es gibt keine Anzeichen. Ich werde sicher keine Spieler angehen.“ Der SSV werde seine personellen Fragen, was die Spieler für die kommende Runde betrifft, in Kürze klären.

Überhaupt sieht Schneider seinen Schritt nicht so dramatisch. Nach sechs Jahren in der Siedlung wolle er eben den nächsten Schritt tun. Die Mannschaft verliere ja nur einen Trainer. „Es gibt viele Trainer auf dem Markt. Ich hoffe, sie finden bald einen Nachfolger.“

Dazu würden bereits Gespräche geführt, teilte Vorstand Rumpel mit. „Wir haben unsere Fühler ausgestreckt.“ Wird ein Spielertrainer bevorzugt? „Da sind wir völlig offen“, versichert Mathias Rumpel, der früher selbst einige Zeit das Trikot der Kitzinger Bayern trug. Stefan Röser, wie von manchen vermutet, gehöre eher nicht zum Kandidatenkreis. Der Torwart kommt von Bayern Kitzingen und ist ab sofort für den SSV Kitzingen spielberechtigt.