Mit dem letzten Spieltag dieser Saison endet beim VfL Volkach auch eine Ära. Fußball-Jugendleiter Heinz Dinkel, die Konstante bei dem in den letzten Jahren so wechselhaften Verein, hört auf. Nach 44 Jahren in der Jugendarbeit sagt der ebenso beliebte wie bekannte Mann Servus. Ohne großes Trara, so wie er es eben mag. Dinkel war noch nie der Mann, der sich bewusst in den Vordergrund stellt.

Als 18-Jähriger begann Heinz Dinkel im Juni 1968 einst als Betreuer, seit Anfang der neunziger Jahre ist er bereits Jugendleiter. Nun löst ihn Detlef Angly ab. Dinkels Weggefährten aus anderen Vereinen hat er den Rückzug per Mail mitgeteilt, und wie es eben seine Art ist, sich bedankt „für die gute Zusammenarbeit in den letzten 44 Jahren Jugendarbeit“. In Worten: Vierundvierzig Jahre, in einer immer schnelllebigeren Zeit eigentlich unglaublich. Von den ganz Kleinen im Verein, die kaum selbst ihre ersten Fußballschuhe schnüren können, bis hin zu den Teenagern, die dem Jugendalter entwachsen, kennt Heinz Dinkel alle. Und sie kennen ihn. Das merkt man auch beim Training der jüngsten in der U7, also der unter Siebenjährigen, das heute ansteht. Auch da schaut Dinkel ab und zu mal vorbei, erkundigt sich, ob alles läuft, spricht mal kurz mit den Trainern oder manchen Eltern, die ihre Sprösslinge zum Kicken abliefern.

Über seinen fußballerischen Ruhestand hat er sich schon Gedanken gemacht. „Wenn ich aufhöre, heißt das ja nicht, dass ich nicht mehr komme. Bei Fragen stehe ich zur Verfügung. Ich helfe mit, so weit ich kann.“ In erreichbarer Nähe zu den jungen Fußballern will und wird er bleiben. „Ich habe einen Vorteil: Mein Garten liegt direkt neben dem Schulsportplatz, da kann ich von dort aus auch mal zuschauen.“

Seine eigene fußballerische Laufbahn musste Heinz Dinkel im Alter von 24 Jahren nach einem Schienbeinbruch beenden. An der Seitenlinie hat er schöne, aber auch schwierige Momente mitgemacht im Verein. Heute ist es bereits das fünfte Vorstandsgremium, mit dem er auch mit einer Portion Stolz zusammen arbeitet. Alle, die dort in Amt und Würden seien, durchliefen als Spieler irgendwann Dinkels Hände. „Das ist schön zu sehen“, gibt er zu.

Los ging es für den von jeher fußballinteressierten, gelernten Bäcker und Konditor schon früh, im Jahr 1968. „Ich fuhr mit dem Fahrrad zum Sportplatz und sah, wie damals die Brüder Schicker mit der E-Jugend trainierten. Da dachte ich, das wäre doch auch was für dich“, schildert Dinkel seine Anfänge. Also stieg er mit ein, übernahm 1970 die D-Jugend, dann die C-Jugend, und wurde zum „Schülerleiter“, wie es damals hieß. Abteilungsleiter beim VfL war damals Willi Manger, als Vorsitzender fungierte Karl-Heinz Krämer.

Irgendwann später bei den Neuwahlen des Vereins war er eben Jugendleiter. Wie sehr Heinz Dinkel mit der Tätigkeit verbunden war und ist, zeigt eine Episode aus dem Jahr 2003. Damals ging es ihm nach einer Operation gesundheitlich nicht gut, so dass er vom Amt im Verein abtreten wollte.

Wieder zuhause, begegneten ihm beim Spaziergang mit seiner Frau einige der jungen Fußballer, umarmten ihn spontan und freuten sich einfach, ihn wieder zu sehen. „Da war der Gedanke verflogen, als die Kerle auf mich zu kamen und mich drückten. Das sind so Sachen, die mich aufrecht hielten, auch in kritischen Situationen“, erzählt er. Gerade die Unterstützung seiner Frau bei der Tätigkeit als Jugendleiter sei enorm wichtig gewesen. „Sie stand immer hinter mir und half mit.“

„Ein Jugendleiter sollte im Verein einen höheren Stellenwert haben.“

Heinz Dinkel VfL Volkach

In den Jahren sind unzählige Geschichten bei ihm hängen geblieben, wie etwa ein Spiel der Volkacher U15 vor vielen Jahren gegen den FC Schalke 04. Im Parkstadion, als Vorspiel zu der Bundesligapartie Schalke gegen den 1. FC Köln, durften die Volkacher Jungs antreten, damals trainiert von Reimund Bedacht und Winni Haupt. „Wir haben 0:1 verloren, danach haben uns viele für das Spiel gelobt“, weiß er. Natürlich kann Dinkel heute noch aufzählen, wer damals alles mitspielte beim VfL.

Schwierigkeiten und negative Erlebnis brachten die vielen Jahre auch. „Meist mit den Eltern. Wenn die Kinder nicht spielen oder nicht eingewechselt werden, dann wird beim Jugendleiter angerufen und sich beschwert. Du musst halt für jeden ein offenes Ohr haben und auch mal auf die Betreuer und Trainer zugehen“, verrät er. Manche überschätzen ihre Kinder, setzen sie auch beim Sport unter Druck. „Das finde ich nicht gut. Ich finde es prima, dass es bei den Kleinen, der U9 und der U11, keine Tabellen gibt.“

Überhaupt sei es in den letzten Jahren schwieriger geworden, die Kinder beim Fußball oder im Verein zu halten, hat er fest gestellt. Generell werde die Jugendarbeit zu wenig geschätzt in Vereinen, kritisiert Dinkel. „Ein Jugendleiter sollte im Verein einen höheren Stellenwert haben wie ein Vorstand. Die Jugend ist die Existenz eines jeden Vereins.“ Rund 200 Kinder und Jugendliche hat sein VfL Volkach derzeit, für die er zuständig ist.

Oder besser gesagt, war. Diesmal lässt sich Heinz Dinkel nicht mehr umstimmen, das Feld für den Nachfolger ist bestellt, und auch die Gesundheit erfordert es, dass er kürzer tritt. Er fühle sich leer, die Auszeit sei nötig. „Es geht ohne mich weiter und muss auch weiter gehen. Wenn ich höre, da bricht alles zusammen, so ein Schmarrn.“ Von Montag bis Samstag wird Heinz Dinkel zwar künftig nicht mehr nahezu täglich am Sportplatz sein. Aber ganz ohne Fußball soll es und wird es in Zukunft auch nicht gehen. Nächstes Jahr steht für Heinz Dinkel offiziell die Rente an. „Daheim sitzen und rosten werde ich nicht“, schmunzelt er. Der Weg vom eigenen Garten zum Sportplatz ist ja nicht weit.