Peter Mahler gab sich gestern stinksauer, obwohl seine Frauen gerade eben den direkten Konkurrenten aus Giebelstadt 23:20 besiegt hatten und er seinen Damen für die erste Halbzeit „eine Demonstration modernster Abwehrarbeit“ attestieren konnte. Dennoch hatte ihm seine Mannschaft die Laune vermiest, brachte sich die HSG nach der Pause doch fast selbst um den Sieg und ihren Trainer auf die Palme und ließen ihn Gefühls-Achterbahn fahren.

Die Gastgeberinnen servierten dem Publikum vom Anpfiff weg Konterhandball pur. Die leichtfüßige und aggressive 6:0-Abwehrformation der HSG funktionierte prächtig, und nach sechs Minuten lag die HSG 4:0 in Front. Giebelstadt kam anfangs nur über die Außenpositionen zum Zug und schaffte den Anschluss zum 4:3 und 5:4, brach aber in der Folgezeit völlig ein. Fehlabgaben, vergebene Chancen und vor allem Unzulänglichkeiten in der Defensive der SpVgg luden Volkach zum munteren Scheibenschießen alleine vor dem Tor ein. „Weil der Mannschaft zurzeit das Selbstvertrauen fehlt, klappen einfachste Dinge nicht“, konstatierte Giebelstadts Trainer Alwin Müller. Da fiel es überhaupt nicht ins Gewicht, dass Volkach erst in der zweiten Hälfte das erste Tor aus dem Positionsangriff gelang. Alwin Müller ärgerte sich vor allem darüber, dass die Rückwärtsbewegung seiner Frauen mäßig bis ungenügend war. Alleine neun der zwölf Treffer vor der Pause markierte die HSG mit Kontern – zu diesem Zeitpunkt war Peter Mahler noch angenehm überrascht von den Seinen. Nach der Pause häuften sich Zeitstrafen für die Gäste und sie mussten dann auch auf Ramona Reuther verzichten, dennoch holte Giebelstadt auf. Anja Kleinschmitz ersetzte Reuther gut und Alwin Müller registrierte, dass seine Damen jetzt mit weniger Angst im Nacken agierten und „jetzt einige Dinge auch zu Ende gespielt haben“, so Müller.

„So eine zweite Halbzeit abzuliefern, das geht überhaupt nicht“, schimpfte „Pius“ Mahler hernach, strich aber einen positiven Aspekt heraus. „Wir konnten diese miserable zweite Halbzeit mit einem Sieg beenden“, betonte Mahler. Er sah sich außerstande, nachzuvollziehen, warum sein Team den Gegner erst komplett beherrschte, „und dann ist plötzlich alles wie weggeblasen“. Spätestens beim 15:14 nach 42 Minuten drohte Volkach Ungemach, nicht zuletzt weil sich die linke Außenflanke plötzlich als Achillesferse entpuppte. Zudem stellte Alwin Müller seine halblinken Spielerin Annemarie Schenk ein Sonderlob aus. „Anne hat oftmals die Initiative ergriffen, das wünsche ich mir öfter von ihr“, sagte Müller. Mit einem schlechten Überzahlspiel machten sich die Volkacherinnen selbst das Leben schwer und mussten bis zum Ende zittern. Sophie Krämer, die als einzig im HSG-Rückraum Druck entwickelte, markierte in der 57. Minute der entscheidenden Treffer zum 22:19. Mit dem Heimerfolg distanzierte Volkach den Kontrahenten aus Giebelstadt in der Tabelle jetzt um drei Punkte. „Der dritte Platz ist mehr als ich vor der Saison erwarten konnte, lautet das Zwischenfazit Mahlers. Er bescheinigte seinen Damen eine „intelligente Mannschaft„“zu sein, die seine Philosophie angenommen und auch umgesetzt habe.

„Mir ist es wichtiger, dass wir in der Rückrunde einen besseren Handball spielen“, sagt Alwin Müller, für den der Tabellenrang derzeit nur an zweiter Stelle kommt. Peter Mahler kann derweil vordergründig mehr als zufrieden sein, doch der Blick hinter die Kulissen relativiert die Sachlage. „Ich konnte vergangene Woche erstmals einen Spielzug üben lassen“, verriet er und beeilt sich hinzuzufügen „aber mit nur vier Spielerinnen“. Durch mehrere Faktoren verursacht, gestaltet sich die Trainingssituation bisweilen schwierig und bremst die Mannschaft in ihrer weiteren Entwicklung.

Die Statistik zum Spiel

HSG Volkach – SpVgg Giebelstadt 23:20 (12:5)

Volkach: Katharina Knoppe; Hanna Werner 2/1, Sophie Werner 2, Ellen Hünting 4, Julia Wagner 1/1, Julia Ziegler 3, Sophie Krämer 2, Teresa Werner 3, Linda Wirsching 1, Michi Müller 5.

Giebelstadt: Ramona Reuther; Juliane Zehnder 3, Anja Kleinschmitz, Martina Enzberger 3 Annemarie Schenk 5, Katharina Raum, Laura Mannheim, Stefanie Gurrath 1, Katrin Hofmann 2, Martina Bitzek 5, Ann-Kathrin Bitzek, Vanessa Zehnder, Vanessa Pfeifffer 1.

Schiedsrichter: Wolfgang Rüger (SG Randersacker).

Zuschauer: 55.

Zeitstrafen: Volkach: Sophie Werner, Michi Müller; Giebelstadt: Juliane Zehnder, Schenk, 2x Pfeiffer, 2x Vanessa Zehnder, Martina Bitzek.

Siebenmeter: 7:3 (3:0 verwandelt).

Spielfilm: 4:0 (6.), 4:3 (8.), 5:4 (11.), 10:4 (24.), 12:5 (Halbzeit), 15:12 (39.), 15:14 (42.), 17:16, 20:16 (49.), 21:19 (57.), 23:20 (Endstand).

ONLINE-TIPP

Mehr Informationen zur Handballsaison und eine Bilderserie von diesem Spiel unter www.mainpost.de/sport/kitzingen