Wer im Internet einkaufen geht, wird gewiss bei E-Bay fündig werden. Das virtuelle Auktionshaus, in dem alles verfügbar scheint, was auch die reale Geschäftswelt vorrätig hält, hat sich mit einer pfiffigen Werbebotschaft in die Erinnerung der Kundschaft gebrannt: „Drei, zwei, eins – meins!“ Wer im richtigen Augenblick den höchsten Preis bietet, erhält den Zuschlag auf die Ware. „Drei, zwei, eins – meins!“ Diesen Slogan darf neuerdings auch der TSV Rödelsee als Erfolgsformel beanspruchen und zur Reklame in eigener Sache verwenden.

Im Handballsport stehen die drei Ziffern für die offensive Formation der Abwehr: Drei Akteure verteidigen am Kreis, zwei ein Stück weit vorgezogen auf den Halbpositionen, einer bildet zentral in vorderster Linie den ersten Störfaktor für den Gegner. Anders als bei der klassischen 6:0-Staffelung setzt die 3:2:1-Aufstellung die Angreifer frühzeitig unter Druck. Die offensive Verteidigung ist für Rödelsees Trainer Dusan Suchy zu einem Qualitätsmerkmal geworden, um zusehends ästhetischen Ansprüchen gerecht zu werden. Beim ungefährdeten 42:20-Sieg gegen den Tabellenletzten TSV Winkelhaid setzte Suchy zum zweiten Mal in dieser Saison auf diese taktische Variante – wie bereits im vorangegangenen Heimspiel gegen den HC Sulzbach (30:23). „Wir wollen nicht nur erfolgreich spielen, sondern auch attraktiv“, sagte der Trainer, der am Samstag mit der neuen, forschen Art des Verteidigens Ertrag und Ästhetik trefflich vereinte. „Nach der Partie gegen Sulzbach habe ich nur positive Reaktionen erhalten“, sagte Suchy: „Die offensive Abwehr ist eine Alternative für die kommenden Aufgaben, jedoch nicht für jeden Gegner universell einsetzbar.“

Gegen Winkelhaid war sie in jedem Fall die geeignete Maßnahme, um die Gäste beizeiten mit ihren Schwächen zu konfrontieren. Deren Trainer Csaba Szücs griff bereits nach vier Minuten, als es 1:4 stand, zur Auszeit und konnte damit dennoch nicht den Rhythmus der Rödelseer brechen. Zu unbeholfen und monoton verhielt sich Winkelhaid im Aufbau der eigenen Angriffe. Rödelsees frühe Störhandlungen provozierten Fehler beim Passen und Fangen und führten umgehend zu temporeichen Gegenstößen. „Wenn der Ball auf zwei Meter Entfernung nicht zum Mitspieler gelangt, wird sehr deutlich, dass die Grundlagen fehlen“, sagte Szücs: „Wir brauchen nicht zu hoffen, dass uns der Klassenverbleib mit dem Zauberstab gelingt.“ Im ersten Durchgang führten nicht weniger als neun Rödelseer Konter zu leicht erzielbaren Toren. Nach zwanzig Spielminuten lag der Vorsprung bei siebzehn Treffern (22:5), ohne dass sich die Hausherren einen Fehlwurf erlaubt hatten – was die Spannung auf einen unvorhersehbaren Ausgang der Begegnung löste. Dusan Suchy verhalf ab diesem Zeitpunkt den Akteuren aus der zweiten Reihe zu längerer Einsatzzeit als üblich. Die Leistungsträger Andreas Paul (mit elf Treffern bester Werfer), Michal Tonar und Maximilian Häckner durften erst zehn Minuten vor dem Ende wieder aufs Parkett. „Die zweite Garde hat schließlich auch Qualität“, stellte Suchy fest. Auch wenn die Partie die flirrende Geschwindigkeit der ersten Hälfte nicht konservieren konnte, hielt Rödelsee an seiner Überlegenheit fest. Zwei – wenngleich erfolglose – Kempa-Versuche, an denen Michal Tonar, Gabor Csorba und Andreas Paul mitwirkten, belegten die Kombinationsfreude und das Selbstvertrauen der Gastgeber. „Das Spiel war schön für die Seele“, meinte Suchy.

Seine Mannschaft spielt in der Bayernliga erfolgreich wie nie zuvor und hat sich auf Rang vier geschoben. „Wir wollen unter die ersten Drei“, sagt der 37 Jahre alte Trainer, der für gewöhnlich nicht zu kühnen Saisonprognosen neigt. Seit dreizehn Jahren prägt der gebürtige Slowake als Trainer die sportliche Entwicklung des Klubs. „Seitdem“, sagt Suchy, „hat sich hier viel geändert. Alles ist um zwei Klassen professioneller geworden.“ Dieser Tage planen Suchy und die Macher im Verein die kommende Saison. „Ich denke, dass ich und mein Co-Trainer Jens Ullmann unsere Tätigkeit fortsetzen“, sagt Suchy, und er hofft, dass ihm auch die Spieler folgen. Für den Aufstieg in die dritte Liga sieht Suchy das Team aber noch nicht weit genug entwickelt. Nicht einmal die offensive Abwehr sei ein hinreichender Erfolgsfaktor für den Aufstieg.

Bayernliga Männer

SV Auerbach – HC Sulzbach 39:33  
HSC Coburg II – TSV Simbach 24:28  
TSV Rödelsee – TSV Winkelhaid 42:20  
TuS Fürstenfbruck – TSV Ottobeuren 33:23  
TSV Lohr – TB Roding 33:20  
TSV Rothenburg – HC Erlangen II 32:31  
TSV Haunstetten – HaSpo Bayreuth 25:29  

1. (1.) SV Auerbach 13 11 2 0 427 : 340 24 : 2  
2. (2.) TuS Fürstenfbruck 14 12 0 2 432 : 331 24 : 4  
3. (3.) TSV Lohr 14 11 1 2 448 : 384 23 : 5  
4. (5.) TSV Rödelsee 13 10 0 3 393 : 338 20 : 6  
5. (4.) HC Erlangen II 14 9 2 3 438 : 415 20 : 8  
6. (8.) TSV Rothenburg 14 6 0 8 398 : 416 12 : 16  
7. (9.) TSV Simbach 14 5 2 7 371 : 390 12 : 16  
8. (6.) TSV Ottobeuren 14 5 1 8 349 : 363 11 : 17  
9. (7.) TSV Haunstetten 14 5 1 8 395 : 420 11 : 17  
10. (10.) HC Sulzbach 14 4 1 9 393 : 437 9 : 19  
11. (11.) TB Roding 14 3 2 9 369 : 389 8 : 20  
12. (12.) HSC Coburg II 14 4 0 10 414 : 458 8 : 20  
13. (13.) HaSpo Bayreuth 14 4 0 10 364 : 408 8 : 20  
14. (14.) TSV Winkelhaid 14 2 0 12 338 : 440 4 : 24  

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – TSV Winkelhaid 42:20 (25:10)

Rödelsee: Thomas Paul, Tobias Demel; Andreas Paul (11), Michal Tonar (8), Christian Häckner (2), Sebastian Vogt (1), Radovan Suchy (3), Florian Demel (1), Viliam Vitkovic (3), Maximilian Häckner (3), Gabor Csorba (7/4), Sebastian Piller (1), Julius Weinhardt (2/1). Winkelhaid: Daniel Heimpel, Sebastian Kammerer; Jonas Hirning, Karl Rettenbacher, Tibor Gilan, Tamas Virag (7), Sebastian Mangold, Christian Leschke (2), Ingo Kundmüller (6/4), Dan Boescu, Peter Zahn (1), Max Buchwald (1), Christian Räbel (3). Schiedsrichter: Thomas Hörath (TV Eibach), Timo Hofmann (TV Helmbrechts). Zuschauer: 300. Zeitstrafen: 8:8 Minuten (3x Piller, Suchy; Mangold, Leschke, Gilan, Buchwald). Rote Karte: Piller (Rödelsee) infolge der dritten Zeitstrafe (42.). Siebenmeter: 6:4 (4:3 verwandelt). Spielfilm: 6:1 (6.), 9:4 (11.), 17:4 (16.), 22:5 (21.), 23:8 (24.), 25:10 (30.); 27:12 (35.), 30:13 (41.), 34:15 (51.), 37:19 (56.), 42:20 (60.).