In den Lehrbüchern des Deutschen Fußballbundes steht im Kapitel über die Trainingslehre geschrieben, wie wichtig es ist, einer Belastung eine angemessene Erholung folgen zu lassen. Nachlesen kann man dort u. a., dass ein durchtrainierter Sportler nach einem Fußballspiel mindestens zweieinhalb Tage benötigt, um für die nächste Belastung, sprich für den nächsten Wettkampf, wieder voll bei Kräften zu sein. In der Trainingslehre wird vorausgesetzt, dass die Erholung gezielt zur Regeneration genutzt wird, also mit Massagen, Bädern, Schwimmen oder leichten Laufeinheiten. Fußballamateure, die in den seltensten Fällen diese Möglichkeiten nutzen können, benötigten eine wohl noch etwas längere Zeit, um wieder auf hundert Prozent zu kommen.

All das scheint den Spielleitern im Bayerischen Fußballverband entweder egal oder fremd zu sein. Wie sonst kämen sie auf die Idee, ihre Amateure innerhalb von weniger als zwei Tagen zweimal aufs Feld zu jagen? Freitagabend und Sonntagmittag baten sie am Wochenende zum Wettstreit und verstießen somit gegen jegliche Vernunft. An ihrer Sportschule in Oberhaching würden sie eine glatte Sechs bekommen, weil sie die Grundinhalte der Trainingslehre nicht kapiert haben und Verletzungen von Spielern, die zwei zu kurz aufeinander folgenden Belastungen ausgesetzt werden, billigend in Kauf nehmen.

Trainingslehre hin, Trainingslehre her – schon der gesunde Menschenverstand müsste eigentlich ausreichen für die Erkenntnis, dass zwei Spiele in nicht mal zwei Tagen schlichtweg unzumutbar sind. Hinzu kommt erschwerend, dass der Doppelspieltag a) ohne Not und b) auch noch mitten in der Ferienzeit angesetzt wurde. Eines sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben: Mitschuld haben auch die Vereine. Sie nehmen zu Vieles widerspruchslos hin. So lassen sie es sich – ohne vorher gefragt worden zu sein – gefallen, dass das Saisonfinale in den Abendstunden des Pfingstmontags stattfindet. Allen, die an diesem Abend was zu feiern haben, schon jetzt viel Spaß. Die Vermutung liegt nahe, dass Vieles (Stichwort Liveticker) nur dem Wohle des gezielt zu einem kommerziellen Unternehmen ausgebauten Bayerischen Fußballverbandes dient. Hauptsache die Klickzahlen auf der Internetseite des BFV stimmen!