Vier Jahrzehnte lang hatte Uwe Göb im Leben einen ständigen Begleiter an seiner Seite. Was er auch tat, wohin es ihn auch zog, stets war da diese eine Konstante. „Seit ich sechs war, gab es für mich kein Jahr ohne Fußball.“ Dann kam der Sommer 2014. Göb hatte die noch junge Spielgemeinschaft Taubertal/Röttingen in der Kreisliga A Hohenlohe zur Vizemeisterschaft geführt, nun stand die Relegation an, die große Chance, mit der Mannschaft in die Bezirksliga aufzusteigen. 1000 Zuschauer in der Kulisse, ein dramatischer Abend und am Ende – ein Sieg. „Für uns hat sich gerade ein Traum erfüllt“, sagte Göb. Für ihn war es ein Abschied in dieser Nacht.

Göb verabschiedete sich nach dreizehn Jahren nicht nur von einem Verein, den er in dieser Zeit sportlich geprägt hatte. Er brach auch sonst mit einer Gewohnheit, die ihn an vielen Sonntagen im Jahr immer zu einem Ort führte: auf den Fußballplatz. Was ihm blieb nach diesem 19. Juni 2014? Ein paar Auftritte mit den Alten Herren, mehr nicht. Doch Göb war klar: Dies würde nur ein Abschied auf Zeit bleiben. Ein reizvolles Angebot – und er wäre wieder dabei. Lange musste er nicht warten.

Die Offerte aus Unterfranken hatte ihn, den gebürtigen Württemberger, neugierig gemacht. Schon mehrfach hatte Elmar Rummel, der Sportleiter des SV Sonderhofen, die Jahre zuvor bei ihm nachgehakt, aber Göb stand immer anderswo im Wort. Nun, zum Spieljahr 2015/16, war er bereit, auch mal in die „bayerische Ecke“ zu kommen. „Die Herausforderung war: Ich kannte die Klasse überhaupt nicht“, sagt der 47 Jahre alte Niederstettener. Einige Spiele seiner künftigen Mannschaft hatte er zwar gesehen, aber das war zu Kreisligazeiten. Just bevor Göb in Sonderhofen auf der Matte stand, war das Team in die Kreisklasse abgestiegen.

Ein Problem war das für ihn nicht. Für seinen direkten Vorgänger Georg Zehnter hat er nur lobende Worte. Es war ja auch nicht so, dass die Sonderhöfer Welt durch den Abstieg aus den Fugen geriet. Ein Großteil der Spieler stand auch für die Kreisklasse bereit. Der Kader ist zwar nicht riesig, 14, 15 Mann. Aber käme man ohne größere Ausfälle durch die Saison, so das Kalkül des Trainers, würde es schon reichen für eine „gute Rolle“. Jetzt zählt Sonderhofen zur Topbesetzung unter den Kandidaten, die um die Meisterschaft spielen.

Seit der einzigen Saisonniederlage, einem 2:3 zu Hause gegen Aufsteiger Seinsheim/Nenzenheim, sind schon wieder zwölf erfolgreiche Partien vergangen. Der Vorsprung in der Tabelle vor den, nun ja, schärfsten Verfolgern beträgt sieben Punkte. Anfang Oktober hat die Mannschaft vor mehr als 600 Zuschauern einen 0:2-Rückstand gegen Hopferstadt in ein 3:2 gewandelt, wie der FC Bayern gerade gegen Juventus Turin.

Der FC Bayern ist für Uwe Göb ein gutes Beispiel. „Da hat man doch gesehen, wie schnell es gehen kann im Fußball.“ Zu schnell, um zwölf Spiele vor Saisonende von der Meisterschaft zu fabulieren. „Ich mache diesen Job schon so lange“, sagt Göb. Und er hat dabei gelernt, „lieber etwas vorsichtiger“ zu bleiben. Zur Wahrheit dieser Tage gehört nämlich auch, dass sein Team in den letzten drei Spielen vor der Winterpause jeweils bloß ein Unentschieden erreicht und dieses Jahr noch überhaupt kein Punktspiel ausgetragen hat. Gespannt wartet die Liga deshalb auf den ersten Auftritt des Klassenbesten an diesem Samstag beim FV Schwarzenau/Stadtschwarzach. In der Vorrunde hat es gegen den Mitaufstiegsanwärter noch zu einem 2:1 gereicht, dank des späten Treffers von Alexander Kreußer, der vor dieser Runde aus dem Nachwuchs gekommen war.

Der Erfolg von Göbs Mission wird sich nicht allein daran bemessen, ob er dem Klub den Weg in die Kreisliga bereitet. „Wenn es uns nicht gelingt, stürzt die Welt nicht ein“, sagt er. Die meisten Spieler sind zwischen 19 und 25 Jahre alt, jung genug also, auf ihre Chance zu warten. In Jochen Müller und Benjamin Kremer hat Göb zwei erfahrene Leitwölfe, um die der Rest sich schart. Wichtiger als kurzfristige Erfolge ist sowieso der Blick über den Tag hinaus. So tief reicht das Wissen des Trainers um seinen Klub bereits, dass er ihn für die nähere Zukunft gut aufgestellt sieht. In drei, vier Jahren komme aus der heutigen U17-Jugend wieder ein „größerer Schwung“ junger Leute. Göb verspricht schon mal: „Wir werden natürlich die Kreisliga angreifen.“