Prominenter Gast bei der Fußball-Schiedsrichtergruppe in Bad Neustadt: Aron Schmidhuber, Weltschiedsrichter von 1992, sprach in einem launigen Vortrag auf dem Lehrabend im Vereinsheim des TSV Heustreu über seine beeindruckende Karriere auf höchster nationaler und internationaler Ebene. Der gebürtige Oberbayer, der inzwischen in Eibelstadt lebt, würzte seinen Vortrag mit wertvollen Tipps und etlichen launigen Anekdoten aus seiner bewegten Laufbahn.

Dabei ließ er immer wieder eigene Erfahrungen einfließen und er nahm seine Zuhörer mit in die alten Zeiten. Für die Unparteiischen hatte der Besuch Schmidhubers auch einen persönlichen Bezug: Heinz Trenk, Aushängeschild der Gruppe, assistierte Schmidhuber einst als Linienrichter auch bei internationalen Einsätzen. Bis 2011 war Schmidhuber auf internationaler Ebene als Beobachter eingesetzt. Noch immer ist er als Beobachter und Betreuer ambitionierter Schiedsrichter im Einsatz. Seine eigenen Erkenntnisse, die er immer wieder auch als Ratschläge an die Zuhörer weitergab, schilderte Schmidhuber wortgewandt. „Selbstkritik ist der erste Schritt, um besser zu werden“, sagte er.

Die fehlerfreie Leistung sei niemals möglich, ein Spielleiter müsse selbst seine Fehler erkennen und daraus lernen. Wichtig sei, so gab er insbesondere den jungen Referees mit auf den Weg, sich als Schiedsrichter Ziele zu setzen: „Nicht abzusteigen ist allerdings kein Ziel“, sagte er und setzte so die Messlatte hoch. Ein Ziel dürfe zudem nicht unrealistisch sein. Denn von insgesamt gut 80 000 Unparteiischen schafften es eben gerade mal 22 in die Bundesliga.

Auch die mittleren Klassen seien eine Anerkennung und speziell die unteren eine Herausforderung. „Wir müssen jedes einzelne Spiel ernst nehmen“, so Schmidhuber. „Auch Reserve- oder Jugendmannschaften haben ein Anrecht darauf, eine anständige Spielleitung zu bekommen.“ Ein korrektes Auftreten sei unabdingbar – und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. Dabei sollte man stets seine Neutralität bewahren.

Eine konsequente Linie habe ihn selbst weit gebracht, erklärte Schmidhuber. Die richtige Ansprache an die Spieler und das Durchsetzen der eigenen Linie bis zum Schlusspfiff seien entscheidend. Schmidhuber erklärte, dass ein energisches „Schleich di“ sogar bei protestierenden italienischen Profis gewirkt habe. Wenn aber Gift im Spiel ist, sollte das Motto für den Schiedsrichter lauten: weniger reden, mehr handeln.

Höchste Aufmerksamkeit sei in bestimmten Situationen wichtig. Denn der Charakter eines Spiels könne sich binnen Sekunden entscheidend verändern. Gerade auch in einem Spiel, das sich hochgeschaukelt habe, dürfe man sich nicht alles gefallen lassen, müsse dem Druck standhalten „und aus tiefster Überzeugung nur pfeifen, wie man eine Situation sieht und einschätzt“. Ein Schiedsrichter, so sagte Schmidhuber, müsse intelligent sein, den Charakter eines Spiels erkennen und mit 22 unterschiedlichen Charakteren auf dem Spielfeld umgehen können.