Die ranghöhere Mannschaft hat sich durchgesetzt an diesem lauen Donnerstagabend. Mit 3:0 (0:0) behielt Bayern Kitzingen im Hinspiel der ersten Relegationsrunde zur Landesliga die Oberhand bei der DJK Oberschwarzach. Dass das Ergebnis durch drei späte Tore binnen sieben Minuten zu hoch ausgefallen sei, räumten hinterher beide Seiten ein. Doch es gab ebenso Gründe, weshalb der bereits abgeschriebene Landesliga-Sechzehnte seinen Herausforderer bezwungen hatte.

Auf das Oberschwarzacher Sportgelände, eingebettet zwischen Weinhängen und Steigerwald, waren rund 900 Interessierte gekommen, um das reizvolle, da in mancher Hinsicht ungleiche Duell zu verfolgen. Fünf Jahre zuvor – der Traditionsverein aus der Großen Kreisstadt war gerade in die Landesliga zurückgekehrt – starteten sie in Oberschwarzach in der A-Klasse ihren bis heute andauernden Aufstieg. In der Bezirksliga Ost hatten sie zuletzt dreizehn Partien nicht verloren, während die Bayern trotz eines gefühlten Sieges in Schweinfurt (0:0) in den jüngsten elf Landesligaspielen sieglos geblieben waren. Doch zeigte sich, dass in der Relegation das Gewesene, Erreichte oder Versäumte nicht mehr zählt.

„Wir stehen wieder als Mannschaft auf dem Platz.“
Philipp Schlarb über die jüngsten Kitzinger Erfolge

Dass Kitzingen mit nur 23 Punkten überhaupt an der Entscheidungsrunde teilnahm, war nicht minder überraschend als jener zweite Platz Oberschwarzachs in der Bezirksliga. Doch die finale Chance auf den Klassenverbleib mit Umwegen setzte bei Phillip Schlarb und seinen Mitspielern Ungeahntes frei. „Wir stehen wieder als Mannschaft auf dem Platz. Jeder hat doch gesehen, dass das bei uns lange Zeit nicht so war“, sagte der 24-Jährige nach dem erfolgreichen ersten Teil der Relegation.

Nachdem der im vorigen Oktober zum Cheftrainer aufgestiegene Björn Auer die meiste Zeit dieser Saison einen personellen Notstand verwaltet hatte, konnte er erstmals seit der Übernahme des Amtes auswählen und seine Anfangself entsprechend der anstehenden Aufgabe besetzen. Seine Wahl fiel auf die selben Elf wie zuletzt. „Es gab nach dem Spiel in Schweinfurt keinen Grund, die Mannschaft umzustellen“, sagte der Trainer.

Nachdem die kontrolliert agierende Kitzinger Elf siebzig Minuten lang allen Versuchen des von Anfang an drängenden Gegners, in Führung zu gehen, standgehalten hatte, gab Auer einen dritten Tauschbefehl, indem er Tolga Arayici einwechselte. Schon zuvor hatte er mit Ahmed Bakare und Shawn Hilgert Schwung ins Spiel gebracht. „Alle drei gaben die passende Antwort darauf, dass sie anfangs nur draußen saßen“, sagte Auer. „So muss das sein.“ Die Spieler reagierten – mit Trotz und Entschlossenheit.

Für die Gastgeber aus Oberschwarzach fasste Alexander Gress, Teil des Spielertrainer-Duos, die Ereignisse bis dahin so zusammen: „Wir waren die bessere Mannschaft und lieferten ein klasse Spiel ab, hatten mehr Ballbesitz und meiner Meinung nach die besseren Aktionen.“ Doch mit Arayici, Bakare und Hilgert änderte sich der Verlauf. „Wir wollten so lange wie möglich die Null halten. Selbst mit einem 0:0 wäre ich zufrieden gewesen“, erklärte Auer Kitzingens Abwarten.

Aber eine entscheidende Erkenntnis hatte der Trainer schon gewonnen: „Zur Halbzeit haben wir festgestellt, dass wir Möglichkeiten bekommen, wenn wir unsere Geschwindigkeit ausspielen.“

Mit einem schnellen Pass nach vorne gab Florian Gaubitz nach einem Ballverlust Oberschwarzachs die Vorlage zur Führung. Sebastian Stumpf setzte von links außen noch einige Schritte nach innen – und wuchtete den Ball dann vom linken Strafraumeck nach oben in den rechten Winkel. Die bis dorthin nach Chancen und Anteilen überlegenen Platzherren schockierte dieses Gegentor, hatten sie sich doch angesichts der scheinbaren Kitzinger Zurückhaltung auf einem guten Weg gesehen.

Der stürmische Oberschwarzacher Spielertrainer Simon Müller rätselte: „Wer das Spiel gesehen hat, wird das Ergebnis nicht verstehen. Ich glaube nicht, dass die Kitzinger wissen, weshalb sie hier mit drei Toren gewonnen haben.“ Doch seine Mannschaft begünstigte die weiteren Gegentore. Kitzingens Vorstöße rollten über die nun offene Oberschwarzacher Flanke und führten innerhalb von wenigen Minuten durch die eingewechselten Arayici und Hilgert nach Zuarbeiten Stumpfs und Bakares zum Erfolg.

„0:3 hört sich extrem an. Wir haben ihnen die Tore geschenkt“, ärgerte sich Müller und mochte sich noch nicht geschlagen geben: „Es ist noch nicht vorbei für uns.

Wir werden in Kitzingen jetzt noch mal alles versuchen.“ Gress ergänzte ebenso kämpferisch: „Wir sind richtig heiß auf das Rückspiel.“

Auch die Gewinner äußerten sich zurückhaltend. „Ein Auswärtstor ist gut – und drei sind eine feine Sache. Aber uns erwartet zu Hause noch ein richtig intensives Rückspiel“, wusste Auer und erhielt den Beistand Phillip Schlarbs. „Wir zeigten als Team eine bärenstarke Leistung. Für mich war es deshalb ein verdienter Sieg, aber auch nur ein erster Schritt, nicht mehr und nicht weniger.“

Eines aber ist gewiss: Mit wiedererlangtem Gemeinschaftssinn zeigten die Kitzinger in den vergangenen beiden Spielen ihre wohl besten Saisonleistungen. Das lässt sie nun hoffen für das Rückspiel an diesem Sonntag (16 Uhr) auf dem Bayernplatz.

Die Statistik des Spiels

DJK Oberschwarzach – Bayern Kitzingen 0:3 (0:0)

Oberschwarzach: Sebastian Röckelein; Andreas Mayer (88. David Berthel), Martin Müller, Lukas Mend, Alexander Greß, Andreas Bauer (55. Jonas Günther), Lorenz Dülk (76. Daniel Herzog), Tobias Schäfer, Sebastian Reinstein, Philipp Mend, Simon Müller.

Kitzingen: Florian Nöth; André Hartmann, Felix Straßberger, Philipp Schlarb, Maximilian Wunder (56. Ahmed Bakare), Benedikt Straßberger, Jossef Jabiri (68. Tolga Arayici), Sebastian Stumpf, Marco Endres, Kastriot Krasniqi (55. Shawn Hilgert), Florian Gaubitz.

Schiedsrichter: Marcel Schiller (Rödental).

Zuschauer: 900.

Gelbe Karten: Schäfer, Philipp Mend; Endres.

Tore: 0:1 Sebastian Stumpf (75.), 0:2 Tolga Arayici (80.), 0:3 Shawn Hilgert (82.).