Wie lässt man eine Mannschaft stolpern, die in den vergangenen Wochen scheinbar mühelos jede Hürde übersprungen hat? Das ist die „absolut reizvolle Aufgabe“ für Kleinrinderfelds Trainer Harald Funsch vor dem Treffen mit dem TSV Abtswind. Die stolze Serie von zehn Spielen ohne Niederlage gilt es beim Gegner zu brechen. „Mir machen solche Spiele Spaß. Man bereitet sich darauf noch intensiver vor“, sagt Funsch. Er sieht sein Team „von den Einzelspielern sicherlich unterlegen“. Deshalb müsse er sich „taktisch etwas einfallen lassen“.

Mancher seiner Kollegen hat sich an dieser Aufgabe aufgerieben. Neun seiner letzten zehn Gegner hat Abtswind bezwungen – nur Neustadt ließ den TSV beim 0:0 etwas älter aussehen. Dass es angesichts dieser Zahlen noch nicht für einen Angriff auf die Spitze gereicht hat, ist dem Umstand geschuldet, dass sich auch die beiden Rivalen aus Sand und Bamberg kaum eine Blöße geben. So zieht an der Tabellenspitze ein Trio seine Kreise, das dem Rest des Feldes schon ein Stück weit enteilt ist: Die souveränen Bamberger sind mit 49 Punkten fast eine Klasse für sich, dahinter folgen Sand (41) und Abtswind (39) und – abgeschlagen auf Platz vier – die TG Höchberg (28).

Abtswind meistert die Balance zwischen erster und zweiter Mannschaft derzeit spielend, auch ein Verdienst des neuen Trainers Thorsten Götzelmann. Die Reserve ist in der Kreisliga sogar noch etwas erfolgreicher als die erste Garde und führt das Feld hauchdünn an.

Gerade mal vier Wochen sind vergangen, seitdem sich Kitzingen und Baiersdorf erstmals in dieser Saison gegenüberstanden. Das Hinspiel, Mitte Juli nach heftigem Regen abgesagt, fand erst Anfang Oktober statt; es endete mit 2:2, und wenn Joachim Hupp den Blick noch einmal zurückrichtet, sagt er: „Da hätten wir gewinnen müssen.“

Der Konjunktiv hat Konjunktur in diesen Tagen bei den Kitzingern, Sätze mit „hätte“, „wäre“ und „könnte“. Doch wer nach Abschluss der ersten Saisonhälfte in Tristesse verharrt und als Vorletzter der Liga um Anschluss kämpft, der sucht verständlicherweise Trost abseits der grauen Wirklichkeit. Greifbar bleiben für Spielertrainer Hupp und seine Schützlinge jene drei Punkte, die sie aus dem 1:0-Sieg gegen Stegaurach gewonnen haben, einem Erfolgserlebnis, bei dem auch Hupp seinen Anteil reklamieren darf.

Wenn er wegen knapper personeller Ressourcen seine Mannschaft schon nicht anders aufstellen kann, so hat er sie wenigstens neu eingestellt. Sei-ne Taktik der kontrollierten Offensive hat den Bayern im Kellerduell den dringend benötigten Erfolg beschert, eine Woche später hatte die Wirkung schon wieder etwas nachgelassen: In Leinach leisteten sie sich „zu viele individuelle Fehler“ (Hupp) und verloren 2:3.

Auch Hupp wartet noch auf jenen Moment, da der Knoten bei den Kitzingern platzt. Neben zwei Siegen hat es bislang acht Unentschieden gegeben – aber keine belastbare Serie, auf die man ein Fundament hätte setzen können. Bis zu einem Nichtabstiegsplatz klafft weiterhin nur ein dünner Spalt von drei Punkten, aber Joachim Hupp sagt: „Wir können nicht darauf vertrauen, dass sich in der Rückrunde alles zum Besseren wendet, wir müssen schon an unsere Leistungsgrenze gehen.“

Fünf Partien bleiben noch in diesem Kalenderjahr, um das Schicksal zu zwingen, fünf Spiele, in denen Hupp Verantwortung als Trainer tragen wird. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Der Verein hat ihm angeboten, bis zum Saisonende im Amt zu bleiben, aber Stand heute sieht es so aus, als werde er den Posten in der Winterpause abgeben. An wen – das bleibt unklar, wie so vieles in diesen Tagen. Texte: elz