So groß die Unterschiede beim 6:0 (2:0)-Sieg des Ochsenfurter FV in Erlach auf dem Platz gewesen waren, so verschieden stellte sich die Situation nach dem Stadtderby auch in der Tabelle dar. Während der OFV nach zwei Siegen an der Spitze grüßt, ist Erlach nach zwei Niederlagen tief unten angelangt.

Zahlreiche Spieler hatten den Verein nach dem Abstieg aus der Kreisklasse verlassen, Erlachs aktueller Kader setzt sich aus verbliebenen Akteuren sowie jenen aus der zweiten Mannschaft und der Jugend aufgerückten Kräften zusammen. Als Trainer kehrte Wolfgang Amrehn in dem Wissen zurück, dass er eine Aufgabe übernommen habe, die schwieriger derzeit nicht sein könnte: „Ich bin kein Zauberer. Es wird eine ganz, ganz schwierige Runde.“ Hinzu komme, dass mit Raphael Troll und Juan Carlos Bravo zwei Leistungsträger für geraume Zeit fehlen und Konstantin Gerner wegen einer Roten Karte gesperrt ist.

Kaum hatte die am Sonntag in den Abend Partie begonnen, jubelten die Gäste auch schon. Nach einem Foul am quirligen Onur Kocak schlenzte Ochsenfurts Markus Michel den Freistoß an der Mauer vorbei. „Den hat er überlegt ins Tor geschoben“, meinte Spielertrainer Patrick Gutknecht über diese gelungene erste Aktion, die er selbst von außen betrachtete. Er habe in der Vorbereitung kaum trainieren können, sagte der 28-Jährige. Bei derart derart offensiv guten Mitspielern müsse er aber nicht um jeden Preis spielen. Ein Luxus, wenn man Gutknecht nach dem Abpfiff hörte. „Vorne sind wir richtig gut aufgestellt, so dass ich auch einmal draußen bleiben kann.“

Als der erste Schwung nachgelassen hatte, kamen auch die Gastgeber zu einer aussichtsreichen Gelegenheit. Doch Ferdinand Merbecks traf mit seinem Schuss nur den Pfosten. „Hinten mussten wir unsneu formieren“, erklärte Gutknecht im Wissen, dass defensiv noch Arbeit warte. Der erfahrene Philipp Hügelschäffer als Abwehrorganisator der vergangenen Saison steht dem OFVnicht mehr zur Verfügung. Nach vorne aber lief das Spiel bereits gut. Nach einem flinken Spielzug, eingeleitet vom vormaligen Erlacher Sebastian Keßler, traf Markus Michel.

Mit der auf zwei Tore erhöhten Führung ließen es die Ochsenfurter ruhiger angehen, aber Erlach kam über vereinzelte Aktionen nicht hinaus. „Wir sind noch nicht in der Lage, von Anfang an konzentriert und gedanklich voll bei der Sache sein“, sagte Amrehn. Als Philipp Röll den eingewechselten Gutknecht im Strafraum gefoult hatte, verwandelte Sebastian Wirsching den fälligen Elfmeter zum 0:3. Erlachs offensive Bemühungen kamen dadurch Mitte der zweiten Halbzeit zum Erliegen, fortan lief der Ball nahezu ungestört durch Ochsenfurter Reihen.

Sehenswert waren die weiteren Treffer. Markus Michels Schuss aus zwanzig Metern war für Erlachs Torhüter unhaltbar. Am Ende legte der spielfreudige Panagiotis Kritsiniotis nach Gutknechts Vorlage den Ball quer zu Wirsching, der vor dem Tor nur einzuschieben brauchte. Kritsiniotis‘ Querpass über die halbe Breite des Feldes wuchtete Gutknecht mit Vollspann direkt ins Tor und machte das halbe Dutzend voll.

Das Ergebnis ließ keine zwei Meinungen zu. „Die Niederlage war absolut verdient“, stellte Amrehn fest, und er vermutet die Verunsicherung nach der schwachen Rückrunde mit Abstieg als Ursache. „Bei einem Sieg könnte der Knoten platzen“, sagt er nun mit Blick auf die Auftritte gegen die ebenso sieglosen Aufsteiger Eibelstadt II und Bütthard II. Gutknecht freute sich über den gelungenen Saisonstart seiner Mannschaft, doch bemühte er sich, die Erwartungen nach dem Sieg zu dämpfen: „Es gibt auch andere starke Mannschaften in dieser Liga. Wir müssen weiter an uns arbeiten. Aber ich sehe Potenzial bei uns.“

Das Spiel in der Statistik

SV Erlach – Ochsenfurter FV 0:6 (0:2)

Erlach: Florian Steffan; Moritz Rein, Manuel Lehrieder (46. Christopher Sieber), Julian Bissinger, Simon Röll, Simon Bock, Nicolas Meyer, Philipp Röll, Peter Hufnagel, Tobias Michel (70. Jonathan Stenzel), Ferdinand Merbecks.

Ochsenfurt: Johannes Wetzstein; Lars Kämmerer (46. Tobias Macht), Nico Schneider, Joshua Michel, Sebastian Wirsching, Sebastian Keßler (46. Patrick Gutknecht), Markus Michel, Panagiotis Kritsiniotis, Johannes Friedrich (67. Timo Michel), Max Dehner, Onur Kocak.

Schiedsrichter: Oswald Prozeller (Burggrumbach).

Gelbe Karten: Lehrieder, Tobias Michel; Friedrich.

Zuschauer: 150.

Tore: 0:1 Markus Michel (4., Freistoß), 0:2 Markus Michel (31., auf Zuspiel von Sebastian Keßler), 0:3 Sebastian Wirsching (70., Foulelfmeter, verschuldet an Gutknecht), 0:4 Markus Michel (74., Schuss aus 20 Metern), 0:5 Sebastian Wirsching (83., Querpass von Kritsiniotis), 0:6 Patrick Gutknecht (89., Zuspiel von Kritsiniotis).