Leonhard Scheuernstuhl wirkt wie ein ganz normaler bescheidener Jugendlicher. Doch seine diesjährige Golfer-Bilanz entpuppt sich für den Spieler des Golfclub (GC) Kitzingen alles andere als bescheiden. Obwohl er geerdet ist, gibt er heuer den Überflieger ab und hat alle wichtigen Turniere seines Clubs gewonnen. „Das ist schön, als Clubmeister angesprochen zu werden“, verrät der erst 15-Jährige, der sich heuer in jeder Hinsicht an die Spitze im GC Kitzingen gespielt hat und von allen Leo gerufen wird.

Der Gymnasiast am Armin-Knab-Gymnasium (AKG) hat das Kunststück geschafft, heuer die Clubmeisterschaft in der Jugend sowie bei den Aktiven zu gewinnen und grüßt jetzt als jüngster Herren-Meister der Clubgeschichte. Dazu holte er sich als Brutto- und Nettosieger auch noch den Wanderpokal beim Preis der Stadt Kitzingen und hat sich mit seiner AKG-Schulgolf-Mannschaft bis ins bayerische Landesfinale gespielt. Der Erfolg des 15-Jährigen kommt nicht von ungefähr. Er trainiert mehrmals pro Woche praktisch vor seiner Haustüre, da er am Kitzinger Hammerstiel wohnt. Einst spielte er neben Golf auch Fußball, Tennis und Handball, ehe er sich ab 2008 mehr dem Golf verschrieb, wozu der Handball als Sportart für die kältere Jahreszeit passt. Schon als Knirps nahm ihn sein Vater Friedrich Scheuernstuhl oft mit auf den Golfplatz oberhalb der ehemaligen Larson-Kaserne. Dort feilt er an seinem Spiel und wird auch von den beiden Golflehrern des GC Kitzingen, Stephen Thomas und Adnan Hajdini, im Rahmen des Jugendtrainings unterstützt.

Im Jahr 2009 gelang ihm beim GC Haßberge sein erster Turniersieg, und zunehmend profilierte er sich in der Vereins- uns Schul-Mannschaft und als Solist, der heute in der Clubrangliste das drittbeste Handicap aufweist. Der Jugendliche hat in diesem Jahr über 30 vorgabewirksame Turniere bestritten, um sein letztjähriges Handicap von 7,1 zu drücken. Beseelt vom Streben nach einer „3“ vor dem Komma beim Handicap, arbeitete Leo Scheuernstuhl mit Fleiß und Disziplin an seiner Zielsetzung, die er nur knapp verfehlte. Inzwischen hat er sein Handicap auf 4,3 herunter gespielt. Diese Leistung und die Titel bildeten den Lohn für viele Stunden und Tage auf dem Golfplatz. „Ich zeige Emotionen auf dem Platz“, sagt der Gymnasiast über sich und charakterisiert sich als sehr ehrgeizig. „Sich beim Golfen zu ärgern ist schlimmer als in anderen Sportarten“, weiß der aufstrebende Jugendliche. Denn geht die Konzentration dahin, schlägt sich das auch auf die folgenden Schläge nieder. Leonhard Scheuernstuhl sieht seine Stärke im „Eisenspiel“, das bedeutet, dass er den präzisen Schlag auf das Grün dem langen Abschlag mit Schlägern aus Holz vorzieht. „Wenn du dann einlochst, dann ist das nicht nur Freude, sondern oft auch Erleichterung“, beschreibt Leonhard Scheuernstuhl den Leistungsdruck, dem er sich gerne stellt.

Seine Fähigkeit, mit Druck und Herausforderungen umzugehen, bewies er nicht nur bei der Clubmeisterschaft, als er den favorisierten Titelverteidiger Stefan Schwarz vom Thron stieß. Leonhard Scheuernstuhl setzte sich in beeindruckender Manier und zwei Schlägen Vorsprung durch und spielte in der zweiten Runde des Turniers mit 72 Schlägen den Kitzinger Platzstandard. Im Schnitt bewegt er sich sechs Schläge über dem Platzstandard, nähert sich diesem aber zusehends. Bei einer Matchplay-Runde gelang ihm bereits einer 68er-Runde. „Diese Runde war ziemlich geil“, schwärmt der Jugendliche heute noch und schöpft daraus die Motivation, permanent an sich zu arbeiten und Abläufe noch mehr zu verinnerlichen und Routine werden zu lassen. „Ich will ein Amateurgolfer mit recht niedrigem Handicap werden“, hat sich der 15-Jährige vorgenommen. Er weiß einzuordnen, dass er „stolz sein kann, 2014 bei der Bayerischen Meisterschaft der Jugend abgeschlagen zu haben“.

Der Gymnasiast lässt sich nicht dazu hinreißen, von einer Karriere als Profigolfer zu träumen. „Aber einen kleinen Traum habe ich schon“, gibt er preis. Nach dem Abitur möchte er studieren. Wenn er dann ein Auslandssemester auf einem College in den USA absolvieren und dort in einer College-Mannschaft antreten könnte, „das wäre das Größte für mich“, gerät Leonhard Scheuernstuhl ins Schwärmen, womit seine Bescheidenheit wieder einmal zum Vorschein kommt.