Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Der FC Geesdorf spielt in der Saison 2018/2019 in der Landesliga! Das 3:3 beim SV/DJK Unterspiesheim reichte am Freitagabend, um den Bezirksliga-Meistertitel bereits vier Spieltage vor Schluss perfekt zu machen.

Es ist der bisher größte Erfolg für den Dorfverein aus dem 350 Einwohner zählenden Wiesentheider Ortsteil, wo der FC seit 1961 besteht. „Das Wunder von Geesdorf“, stand auf den bereits vorbereiteten Meister-Shirts. Ein wenig kommt es einem sportlichen Wunder auch tatsächlich nahe. Der Klub stand noch vor neun Jahren in der A-Klasse. 2009 begann der rasante Aufstieg. Mit Thomas Lordo, Alexander Huller und Stefan Weiglein machten drei Spieler den Weg von damals an mit.

„Wahnsinn! Als wir vor vier Jahren in die Bezirksliga hoch sind, dachten wir, das ist das Größte. Und jetzt das. Wir wollen erst einmal feiern“, hielt Simon Weiglein nach Spielschluss und den ersten kräftigen Sektduschen kurz inne. Der 25-Jährige war 2011 zu Kreisliga-Zeiten aus der Jugend zum Kader gestoßen. Simon Weiglein gehörte in Unterspiesheim Spieltag zu den fünf richtig Einheimischen, die in der Startelf standen. Drei weitere saßen auf der Ersatzbank. Auf dieser musste auch Spielertrainer Hassan Rmeithi Platz nehmen, nachdem er sich eine Blessur beim 2:0-Sieg und vielleicht entscheidenden Akt im Titelrennen wenige Tage vorher gegen den TSV Gochsheim geholt hatte.

Das Meisterstück verlief zunächst nach Plan für die Geesdorfer. Sinan Bilgin brachte den Gast bereits früh in Führung. Sein nicht unhaltbarer Distanzschuss schien Unterspiesheims Torwart Stober zu überraschen (12.).

In der Folge tat Geesdorf zu wenig und ließ den Gegner mehr und mehr aufkommen. Ein kurioser Treffer sorgte für den Ausgleich. FC-Innenverteidiger Uli Konrad spitzelte den Ball gerade noch vor einem Angreifer weg, in Richtung Torhüter Philipp Seufert. Der nahm den Ball auf, was der der insgesamt überzeugende Schiedsrichter Jochen Burkard als Rückspiel auslegte. Den indirekten Freistoß schoss Unterspiesheims Patrick Czerny listig zum 1:1 in die Torwartecke.

Geesdorfs Passivität wurde vor dem Pausenpfiff noch einmal bestraft, als Johannes Nunn nach einem Steilpass von Axel Seidler der FC-Abwehr enteilte und zum 2:1 ins lange Eck schoss (35.). Nach dem Seitenwechsel folgte der Auftritt des bis dato unsichtbaren FC-Torjägers Mohamed Rmeithi. Schiri Burkard entschied nach einen Unterspiesheimer Abwehrversuch ebenso auf Rückpass und indirekten Freistoß, weil DJK-Torwart Stober den Ball in die Hand nahm. Aus sechs Metern musste Trainer-Bruder Mohamed Rmeithi versuchen, die auf der Torlinie versammelte Gästeelf zu überwinden.

Das Schlitzohr schob den Ball trocken durch eine Lücke im Mauerverbund zum 2:2 ins Netz (54.). „Da war einfach Platz, das habe ich gesehen“, grinste er später. Kurz darauf legte er erneut listig einen Freistoß flach in den Raum, anstatt aus 20 Metern zu schießen. Simon Weiglein hatte die Variante angezeigt, sauste los und vollendete aus der Drehung zum 3:2 für Geesdorf (70.). Spätestens jetzt bereitete sich der Anhang am Spielfeldrand auf die Meister-Feier vor, nachdem das 0:2 der Oberschwarzacher im Parallelspiel die Runde machte. Zum Ende hin wurde Unterspiesheim nochmal munter. FC-Torwart Philipp Seufert parierte zweimal klasse gegen Dominik Seufert (73. und 75.), ehe er am Ende doch noch von Dominik Seuferts Abpraller (90.+1) bezwungen wurde.

Der Schönheitsfehler störte keinen mehr auf Geesdorfer Seite. Beinahe andächtig blieb manch Älterer vor dem wild feiernden Spielerkreis stehen, wie etwa Robert Kober. Der Ehrenvorstand des FC, dessen drei Enkel mitspielen, strahlte genüsslich, ehe er sich ans Gratulieren machte.

Sein Schwiegersohn und Sportleiter Leo Weiglein, einer der Architekten des Geesdorfer Fußball-Wunders, versuchte später, den historischen Moment einzuordnen. „Das begreifst du wahrscheinlich erst, wenn wir das erste Landesliga-Spiel haben! Vor einigen Jahren habe ich gesagt, schaut mal, jetzt spielt der kleine FC Geesdorf im Gerolzhöfer Stadion um Punkte. Und nun kommen bald Gegner wie Eintracht Bamberg zum Punktspiel zu uns.“

Beim Thema Landesliga ist Sportleiter Weiglein nicht bange. Man ist in Geesdorf zu geerdet, um deswegen abzuheben. „Jetzt machen wir es mal. Die Mannschaft hält zusammen, wir haben gezeigt, dass es ohne große Sachen geht.“

Einer hatte es vor der Runde intern als Ziel ausgegeben: Spielertrainer Hassan Rmeithi. Immer wieder schüttelte er Hände oder ließ sich umarmen. „Wenn wir morgen nachdenken, dass wir mit so einem kleinen Ort Landesliga spielen, wird es einem wohl erst bewusst.“ Seit sieben Jahren trainiert der 32-Jährige die Geesdorfer. Er formte eine damals junge, hungrige und auch talentierte Mannschaft. „Von Beginn an herrschte eine Riesen-Euphorie. Wir haben uns immer weiter entwickelt, wirklich jeder Spieler hat sich ein Stück weiter entwickelt. Deswegen sind wir jetzt da, wo wir sind.“

Im Vorjahr, als das Projekt Geesdorf etwas zu stagnieren drohte, zögerte Rmeithi, ob er weiter macht. Der damals zu kleine Kader stieß an seine Grenzen. Dann ergab es sich, dass der Libanese vor allem mit Sinan Bilgin, Max Dietrich, Uli Konrad, Markus Pfeufer und Fazdel Tahir fünf Mann zum FC locken konnte, die frischen Schwung brachten. Der hielt die gesamte Saison an.

Die Landesliga kommt, aber erst in einigen Wochen. Zunächst wurde erst einmal richtig gefeiert. „Das müsst ihr genießen! Das ist bestimmt geil“, gab Unterspiesheims Torwart-Legende Norbert Scherpf dem Meister mit auf den Weg.

Die Statistik des Spiels

Fußball, Bezirksliga Ost:

SV/DJK Unterspiesheim – FC Geesdorf 3:3 (2:1)

Unterspiesheim: Stober – Sternecker, Seidler, Leibold, Moritz Nunn (85. Köpfer) - Martin Seubert (67. Pickel), Czerny (52. Scheuring), Florian Nunn, Dominik Seufert Wolf – Johannes Nunn.

Geesdorf: Seufert – Lordo (78. Huller), Konrad (75. Beuerlein), Simon Weiglein, Kober – Bilgin, Hahn, Dietrich (75. Rößner), Stefan Weiglein – Pfeufer, Mohamed Rmeithi.

Schiedsrichter: Burkard (SG Schleerieth).

Zuschauer: 220.

Tore: 0:1 Bilgin (12.), 1:1 Czerny (22.), 2:1 Johannes Nunn (34.), 2:2 Mohamed Rmeithi (52.), 2:3 Simon Weglein (70.), 3:3 Seufert (90.+1).

ONLINE-TIPP

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