Nach zehn Spielen in der dritten Liga Ost sind die Handballer des TSV Rödelsee nur Tabellen-Fünfzehnter. Die sportliche Lage ist besorgniserregend. Dazu kommen Probleme im Umfeld. Diese Woche konnte die Mannschaft nicht in ihrer eigentlichen Sporthalle im Kitzinger Sickergrund trainieren. Keine leichte Situation, wie Co-Trainer Ozren „Ossi“ Kvrgic weiß. Bange machen gilt aber nicht für den Motivator bei Rödelsees Handballern. Der aus Bosnien stammende Torwart ist nicht bloß ein launiger Einpeitscher, sondern auch ein Mann klarer Worte, wie sich dieser Tage im Gespräch mit ihm zeigte.

Frage: Sie gelten als Motivator und als Optimist. Wie würden Sie die Rödelseer Situation beschreiben?

Ozren Kvrgic: Da gibt es nicht viel zu sagen. Man muss es so sehen: Wir haben nach wie vor nur drei Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

Zuletzt verlor die Mannschaft bei einem nicht übermächtigen Gegner Bad Blankenburg mit zehn Toren Unterschied. Ernüchternd, oder?

Kvrgic: Wenn du auf eine starke Abwehr triffst und kaum Chancen hast, kann ich das verstehen. Aber wenn du zwölf bis fünfzehn freie Chancen verwirfst, die alle klar herausgespielt sind – woran liegt das? Ist der Kopf nicht frei? Wer weiß. Sie verwerfen, sie vergeben den Nachwurf und auch noch die Siebenmeter. Bostjan Hribar hat vergangene Saison kaum einen Siebenmeter verworfen, diesmal sind es schon sieben oder acht. Das sind so die Dinge, und das liegt nur an der Psyche.

„Im Spiel kannst du schreien wie verrückt. Es hört dich keiner, weil es so laut ist.“
Ozren Kvrgic, Co-Trainer des TSV Rödelsee
Ist das wirklich nur der Kopf?

Kvrgic: Unvermögen kann man das nicht nennen, wir spielen doch nicht erst seit gestern in der Liga. Es ist in vielen Teilen die gleiche Mannschaft, die ersten Sechs können spielen. Wir haben derzeit andere Probleme – mit der Halle.

Sie sind als Co-Trainer das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft, da bekommt man sicherlich manches mit, warum es vielleicht beim einen oder anderen Spieler nicht so gut läuft im Moment.

Kvrgic: Es ist vom ersten Spieltag an immer das Selbe. Wir trainieren gut, nutzen aber unsere Chancen zu wenig, fertig, aus. Das zieht sich wie ein roter Faden durch. Wir haben etliche Spiele verloren, aber nur eins, in dem wir wirklich unterlegen waren – und das war in Bad Neustadt. Die anderen kannst du auch gewinnen, wenn es normal läuft.

Die Probleme ziehen sich doch durch die ganze Runde. Anfangs waren die neuen Spieler noch nicht integriert, danach gab es Verletzte.

Kvrgic: Da kam einiges zusammen. Solche Probleme haben andere auch. Das Einfachste wäre, den Trainer zu wechseln. Das haben wir auch schon angeboten, aber das ist gar nicht das Thema.

Sie führen viele Einzelgespräche – auch während des Spiels –, versuchen zu motivieren. Haben Sie das Gefühl, die Spieler verstehen Sie? Wird Ihr Rat angenommen?

Kvrgic: Es kommt darauf an. Du redest mit einem, sagst ihm, wie er es machen soll und schickst ihn dann aufs Spielfeld. Er verwirft und macht es genau anders als besprochen. Einige setzen es nicht um, andere schon. Im Spiel kannst du schreien wie verrückt, es hört dich keiner, weil es wie vor einer Woche in der Halle so laut ist.

Was fehlt der Mannschaft?

Kvrgic: Die Mannschaft hat keinen, der mal das Heft in die Hand nimmt. Uns fehlt der Kopf auf dem Spielfeld, der weitergibt, was gespielt wird, und es wird dann umgesetzt. Den haben wir nicht.

Bostjan Hribar ist doch so ein erfahrener Mann, und gibt es nicht auch andere mit Führungsqualitäten?

kvrgic: Bosti ist aber kein Führungsspieler. Er macht seine Tore und hilft dazu, aber ein Denker und Lenker ist er nicht. Du brauchst solche Typen, du brauchst einen Kopf – nicht fünf. Wir haben in der Mannschaft keinen Häuptling. Bei Andreas Paul kommt vieles auf seine Laune an. Das sind so Sachen.

Trotzdem ist ja noch alles möglich, der Abstand zu den gesicherten Plätzen ist nicht groß. Wie vermittelt Ihr das den Spielern?

Kvrgic: Es ist noch gar nichts vorbei oder gelaufen, das ist es ja. Jeder sagt, ihr habt nur vier Punkte. Ich sage, wir haben nur drei Punkte weniger als die anderen. Platz neun hat acht Punkte, vier mehr als wir.

Umso wichtiger wäre es jetzt zu punkten, sonst verliert vielleicht mancher Spieler den Glauben.

Kvrgic: Das wird bei den verbleibenden Spielen schwierig werden, denn bis Weihnachten kommen nur noch Brocken – Dresden, Hüttenberg, Nieder Roden. Da wird nicht viel zu machen sein. Die vier Heimspiele zu Beginn der Rückrunde werden wichtig. Da müssen wir gut starten und angreifen.

Rödelsees Gegner mit großen Zielen

Keinen Hehl macht der HC Elbflorenz aus seinen Ambitionen für diese Saison. Ziel des 2006 gegründeten Klubs ist es, eines Tages die Bundesliga zu erreichen. Das formulierte der Verein deutlich vor der Runde auf seiner Internetseite. „Wer spielt um die Spitzenplätze? Wir! Was soll man groß um den heißen Brei herumreden, die Zielstellung ist klar: Aufstieg in die zweite Bundesliga und das am besten ohne Umwege“, heißt es dort. Eine Heimniederlage gegen Gelnhausen, eine in Leutershausen und ein Remis in Großwallstadt bremsten das Fortkommen des Tabellendritten.

Vor der Saison hatten sich die Dresdener, die seit 2012 in der dritten Liga spielen, noch einmal verstärkt. Der HC holte unter anderem vier Akteure, die bereits in der ersten und zweiten Bundesliga spielten: Henning Quade (26, Kreis, Bad Schwartau), Hannes Lindt (28, Rückraum, TUSEM Essen), Rene Boese (31, Außen) sowie Sebastian Greß (20, Rückraum, beide vom DHfK Leipzig). Trainer der Dresdener ist Peter Pysall, ein im Osten bekannter Handballer.

Zu DDR-Zeiten spielte der heute 55-Jährige 16 Jahre für den SC Magdeburg aktiv, wo er zumeist die Mitte-Position bekleidete. Neben mehreren DDR-Meistertiteln war Pysalls größter Erfolg 1981 der Gewinn des Europapokals der Landesmeister, was der heutigen Champions League entspricht. 1990 ging er zur SG Leutershausen. Pysall bestritt insgesamt 155 Länderspiele, nahm an der Weltmeisterschaft 1982 und 1986 sowie 1988 an Olympia teil.

Nach seiner Karriere als Spieler trainierte Peter Pysall unter anderem in Magdeburg, Dormagen, Schwerin und Roßlau. Seit Sommer 2012 ist er beim HC Elbflorenz.