Sie haben es wieder getan: Den Handballerinnen des Kitzinger Armin-Knab-Gymnasiums ist auch dieses Jahr ein großer Wurf gelungen. Ein Triumph mit Ausrufezeichen: Fünfte beim Bundesfinale in Berlin! Es ist auch ein Erfolg mit Wehmut. Denn mit diesem Auftritt endet die beinahe märchenhafte Erfolgsgeschichte einer an Talenten und Titeln reichen Schulhandball-Mannschaft: viermal in Folge bayerischer Meister, viermal in Folge im Bundesfinale, wo sie im ersten Jahr Dreizehnte war, im Jahr darauf Sechste und nun zweimal Fünfte.

Noch steckt das Team voller Adrenalin, noch befindet es sich im Jubel-Modus. Aber wenn die Spielerinnen dieser Tage von der Schule gewürdigt werden für die außergewöhnliche Serie, werde wohl „die eine oder andere Träne fließen“, wie Dusan Suchy, der Mentor dieser Mannschaft und Vater des Erfolges, prophezeit. Denn es war in dieser Besetzung ihr letzter großer Auftritt. Fünf Spielerinnen sind Jahrgang 2000 und damit nach der Wettkampfordnung zu alt. Die fünf anderen des Jahrgangs 2001 dürfen vorerst bleiben. Es war eine geniale, eine goldene Generation, über der rasch ein Silberstreif glänzte, nachdem sie sich vor fünf Jahren zusammengefunden hatte.

Zehn Spielerinnen, von denen die allermeisten schon Handball im Verein spielten – in Marktsteft, in Kitzingen, in Dettelbach. Auch Thu-Huong Tong, die einzige, die zunächst nur in der Schule spielte, hat sich vor einiger Zeit einen Verein gesucht. So bildete das Projekt willkommene Synergien. Und kann als Musterbeispiel für die gern propagierte, aber noch zu selten praktizierte Verzahnung von Sport in Schule und Verein herhalten. „Beide Seiten haben profitiert“, sagt Suchy. „Die Mädels wurden dabei so richtig gefordert.“

„Die eine oder andere Träne wird fließen.“
Dusan Suchy über das Ende einer erfolgreichen Mannschaft

Das galt vor allem für den gemeinsamen letzten Auftritt in Berlin. Über mehrere Tage zog sich dieser bundesweite Wettkampf in der Hauptstadt, aber schon am ersten Tag meinte es das Schicksal nicht gut mit den Kitzinger Schülerinnen. Der bayerische Meister zog das denkbar schlechteste Los: eine Vorrundengruppe mit zwei der vermeintlich schwersten Gegner des Turniers. Die erste Aufgabe gegen das Team des Gymnasiums Wendalinum St.

Wendel (Saarland) lösten die Kitzingerinnen mit 13:8 sicher. Aber schon im zweiten Spiel wartete einer der Favoriten: die Auswahl der Rostocker Christophorus-Schule mit einer Juniorennationalspielerin im Tor. Die stellte Kitzingen denn auch vor einige Probleme.

Doch Dusan Suchy und sein Team überraschten den Gegner mit einem 5:1-Abwehrverbund, der Rostock im Angriff komplett lahmlegte. Zur Pause führten die Kitzingerinnen mit 6:3 und auch in der zweiten Hälfte ließen sie Rostock nie auf mehr als zwei Tore rankommen. Am Ende hatten sie das Spiel mit 10:7 gewonnen und fanden sich in einer verlockenden Perspektive: Jetzt ging es für sie sogar um den Gruppensieg.

Einen dritten Erfolg vor Augen bekamen sie gegen die Mannschaft des Dortmunder Goethegymnasiums plötzlich Angst vor der eigenen Courage. Sie führten bereits 6:4, wurden dann aber im Abschluss nervös. Ein Anflug von Torschuss-Panik, der sie ihren verheißungsvollen Vorsprung kostete. Suchy stellte um. Die Abwehr, die viele Treffer über Tempogegenstöße und Dortmunds schnelle Mitte kassiert hatte, packte entschlossen zu, und Kitzingen glich zum 8:8 aus. Aber der Angriff fand nicht mehr zu gewohnter Wucht. Trotz Überzahl in den letzten zwei Minuten misslang der Versuch einer Wende. Zwei Chancen blieben ungenutzt. Dortmund gewann das Spiel mit 11:8 – und später das Turnier.

Das AKG stieg als Gruppenzweiter in die Zwischenrunde auf – und hatte gegen den Finalisten des Jahres 2016 vom Leipziger Landesgymnasium für Sport von Anfang an nicht wirklich viele Chancen. So wechselten die Kitzingerinnen – schon mit Blick auf die nächste Partie – munter durch. Nach der erwarteten 6:14-Niederlage ging es gegen die Auswahl der hessischen Singbergschule Wölfersheim darum, das Spiel um Platz fünf zu erreichen. Dies gelang dem AKG mit einer soliden Abwehrleistung und klugem Angriffsspiel.

Noch einmal hieß es nun, die Konzentration und Spannung zu halten. Und auch diese Pointe saß. Der Gegner vom württembergischen Lessing-Gymnasium spielte eine sehr offensive 3:2:1-Abwehr, die den Kitzingerinnen sichtlich entgegenkam. Mit viel Bewegung und präzisem Passspiel kamen sie vor dem Tor immer wieder in gute Positionen und hatten das Spiel schnell mit 22:13 entschieden.

Wieder war Berlin für sie eine Reise wert gewesen. Aber sie wussten auch: Mit ein bisschen mehr Losglück wäre bei ihrem letzten gemeinsamen Auftritt sogar eine kleine Sensation möglich gewesen.