Leserforum

Wir haben den Bericht über das Kind Ludwig Fuhr und seine sportlichen Fähigkeiten beim Tennis gelesen. Es ist ja toll, wenn der Junge so erfolgreich ist und natürlich seine Eltern stolz auf ihn sind. Das ist verständlich.

In gewisser Weise finde ich es aber fast gefährlich, so über den Jungen öffentlich zu berichten. Wenn ich lese, dass der Junge mit neun Jahren schon so große Ziele hat, mit neun Jahren ein „verbissener Kämpfer ist, für den nur der Sieg zählt“, er noch nicht auf dem Gymnasium ist, aber jetzt schon weiß, dass er das Abitur mit einem Einser-Schnitt machen möchte usw. , dann muss ich sagen, spricht das bestimmt nicht alle Leser positiv an.

Verlieren kann er nicht so, aber auf sein Ziel ist er fixiert, und psychisch sei er stark. Mit neun Jahren? Da frage ich mich schon, ob das Kind noch Kind sein darf. Ich finde es schon gut, über solche Talente wie Ludwig zu berichten, aber trotzdem muss man überlegen, wie darüber berichtet und dies in der Zeitung dargestellt wird.

Ich denke beim Lesen auch an die Eltern, die nicht so ein Supertalent zu Hause sitzen haben und sich vielleicht mit dem Zurechtkommen in der Schule oder mit Krankheiten herumplagen müssen. Ich gönne der Familie den Erfolg, aber gerade im Sport und in der dazukommenden Pubertät kann es von heute auf morgen anders sein.

Gerade stand ein Artikel in der Zeitung, der von Dario aus Höchberg berichtet, einem Jungen, der mit einer Stoffwechselstörung leben muss. Diese Familie hat mit ganz anderen Problemen und Dingen im Leben zu kämpfen. Die Eltern werden sich heute noch keinen Kopf machen, ob Dario jemals das Abitur mit einem Einser-Schnitt bestehen wird. Die Familie sagt sich: „Man kann auch mit einem kranken Kind eine glückliche Familie sein.“ Das finde ich bereichernd und verdient großes Lob und Anerkennung in unserer Leistungsgesellschaft.

Silke de Candido,

97258 Hemmersheim