Seit zwei Jahren ist Christian Rasp der schnellste Läufer in Unterfranken. Dieses Jahr wollte er seine Sprinter-Zeiten weiter steigern, und er setzte dabei große Hoffnung in seinen Vereinswechsel im Februar, als er nach rund zwei Jahren die LG Karlstadt-Gambach-Lohr verließ und sich der LG Stadtwerke München anschloss. Rasp hatte den Winter über keine Wettkämpfe bestreiten wollen, um dann im Sommer voll angreifen zu können. Doch es kam alles ganz anders.

Christian Rasp durfte sich zur Jahreswende geehrt fühlen: Der 22-Jährige war dafür vorgesehen, die Lücke zu schließen, die Deutschlands Spitzensprinter Tobias Unger mit seinem Weggang aus München hinterlassen hatte. „Die LG Stadtwerke ist in der Leichtathletik des Freistaats das, was der FC Bayern im Fußball ist“, kommentierte Rasps Trainer Jonas Wahler den Aufstieg seines Schützlings. „Wir haben in München als Quartett eine starke Staffel“, erklärt der Mainbernheimer selbst, doch für ihn lief dieses Jahr total schief.

Entgegen seiner eigentlichen Planung und ohne große Vorbereitung bestritt er in der Halle die bayerische Meisterschaft, und bei den deutschen Titelkämpfen in Karlsruhe scheffelte er Ruhm und Edelmetall mit seinem neuen Klub. Mit Benedikt Wiesend, Marcus Mikulla und David Gollnow holte Rasp die Bronzemedaille in der 4 x 200-Meter-Staffel. Die Münchner wurden in guten 1:25,52 Minuten gestoppt und mussten nur die Staffeln der beiden nationalen Spitzenklubs aus Berlin und Wattenscheid vorbeiziehen lassen.

Leiden beginnt nach Ostern

War der Einstand damit gelungen und waren die Perspektiven sehr aussichtsreich, wurde es für Rasp danach bitter. Im März warf ihn eine hartnäckige Knochenhautentzündung aus der Bahn, und spätestens nach dem österlichen Trainingslager in Italien ging nichts mehr. Er konnte wegen der Schmerzen nur noch alternatives Training wie Radfahren, Schwimmen oder Kraftübungen beim KSV Kitzingen machen, um sich körperlich fit zu halten. Doch Rasp will sich nicht zu sehr grämen, tröstet sich mit der Erkenntnis: „Verletzungen kommen vor im Sport.“

Größer ist die Enttäuschung, dass er auf dem Leistungshoch seiner bisherigen Karriere 2011 als zweifacher deutscher Meister der U 23 über 100 und 200 Meter nicht für die Europameisterschaft nominiert worden war. Wie weit vorn er unter Deutschlands Sprintern sein könnte, machten ihm die Olympischen Spiele klar. Dort lief der Berliner Lukas Jakubczyk in der deutschen Männer-Staffel, während Rasp zu Hause am heimischen Fernseher in die Röhre blickte. „Jakubczyk hab ich in den vergangenen zwei Jahren fast immer geschlagen“, sagt der Mainbernheimer, und er schöpft daraus schon wieder neuen Mut für die Zukunft.

Der Fachmann weiß Rat

Nach dem verlorenen Jahr scheint Rasp jetzt auch gesundheitliche Fortschritte zu machen. Nachdem er sich vor ein paar Wochen zum Schweinfurter Sportarzt und Schmerztherapie-Fachmann Dr. Eugen Rasew begeben hat, geht es aufwärts, die Schmerzen sind unter Kontrolle. Wenn der Heilungsprozess anhält, könnte Rasp in zwei Wochen wieder belastbar sein – „das würde gut passen im Hinblick auf die Vorbereitung für die Hallensaison“, meint der 22-Jährige. Er nimmt auch Positives aus seiner Zwangspause mit, etwa, dass er dadurch geduldiger geworden sei. Zudem kämpfte er sich in der Zeit durch allerlei Leichtathletik-Fachliteratur.

Für 2013 hat er sich nun die Ziele gesetzt, die eigentlich für dieses Jahr auf der Agenda gestanden sind. Über 200 Meter will er seine Bestzeit unter 21 Sekunden drücken – und über die 100 Meter will er an die Marke von 10,30 Sekunden rankommen. Läuft alles glatt, arbeitet Rasp auf das Fernziel der Europameisterschaft im Jahr 2014 in Zürich hin. Doch zuvor ist es ihm wichtig, von November bis zum Januar des kommenden Jahres seine Prüfungen bei der Bereitschaftspolizei erfolgreich zu absolvieren. Dann wird Rasp nicht nur für einen oberbayerischen Verein laufen, sondern sich wohl auch zum Polizeidienst in den Großraum von München versetzen lassen.