Drei Spielzeiten absolvierte der TSV Abtswind bisher in der Landesliga Nordwest. Ebenso lange gibt es diese durch eine Neueinteilung aus der früheren Nord-Gruppe entstandene Staffel. Keine andere Mannschaft war seitdem erfolgreicher. Genau 100 Spiele lieferten die Abtswinder auf dieser Ebene und belegten zum Abschluss die Plätze vier, drei und noch einmal drei. Mit den in dieser Saison erreichten 78 Punkten wären sie nicht nur in den beiden Vorjahren, sondern auch in den anderen vier Landesligen als souveräner Meister hervorgegangen, mussten sich aber ausgerechnet in dieser Saison hinter den beiden noch dominanteren Konkurrenten aus Bamberg und Sand einordnen.

Zwischendurch waren die Abtswinder 1009 Minuten ohne Gegentor geblieben und hatten siebzehn Spiele in Serie nicht verloren. Doch welche Leistungen sie in der letzten Saison auch vollbrachten, sie blieben im Schatten der beiden Führenden. Zur Winterpause waren es nur zwei Punkte auf den zweiten Platz, doch nachdem Bamberg die Vorrunde diktiert hatte, bestimmte Sand die Rückrunde, so dass am Ende sieben Punkte zu einer besseren Platzierung fehlten. „Die Luft ist raus“, räumte Abtswinds Trainer Götzelmann schließlich auf der Zielgeraden ein, nachdem auch er nach der 0:1-Niederlage in Höchberg zunächst einmal akzeptieren musste, „dass der Zug nach vorne abgefahren ist“.

Große Veränderungen wird es im Abtswinder Kader über den Rundenwechsel nicht geben. Da sich bislang auch keine Abgänge abzeichnen, sieht Götzelmann keinen Bedarf zum umfangreichen Handeln, was ebenso bedeutet, dass genügend Qualität vorhanden ist, wenn sie denn durchgängig verfügbar gewesen und der Kader nicht durch Ausfälle gemindert worden wäre. „Wir verstärken uns punktuell“, sagt der Trainer, dem in seiner zweiten Abtswinder Saison ein Co-Trainer zur Seite steht. Wolfgang Oddoy (48) trainierte zahlreiche Jugend-Mannschaften und als Götzelmanns Nachfolger über zwei Jahre die erste Mannschaft der benachbarten Wiesentheider in der Bezirksliga und Bezirksoberliga. Ebenso spielte der B-Lizenz-Inhaber und Lehrer für Sport und Englisch am Franken-Landschulheim in Gaibach in seiner aktiven Zeit für Wiesentheid und Bayern Kitzingen.„Vier Augen sehen mehr als zwei“, begründet Götzelmann den Schritt, sich im Trainerteam breiter aufzustellen.

Dem gehört zur neuen Saison auch Timo Katzenberger (39) als Torwarttrainer an. Höherklassig spielte er bei der TG Höchberg und vor zwei Jahren, als Not am Schlussmann war, aushilfsweise beim TSV Kleinrinderfeld in der Landesliga. Zuletzt stand er gelegentlich noch beim SC Mainsondheim in der Kreisklasse im Tor. Katzenberger folgt auf Thomas Klaus, der nach siebeneinhalb Jahren in Abtswind, die letzten vier als Torwarttrainer, seine Tätigkeit auf eigenen Wunsch beendete.

Zur Mannschaft stoßen drei Zugänge. Einer zeigte sich bereits mit einem Einsatz in der Relegation. Ben Verberkt (26) wechselt von den Würzburger Kickers, wo er bis Ende November in der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga eingesetzt wurde, nach Abtswind. Dort ist der Niederländer für eine Außenposition im Mittelfeld vorgesehen. Sein erstes Spiel absolvierte er bereits für Abtswinds zweite Mannschaft in der Aufstiegsrelegation gegen den FC Thulba. Mit Andreas Herrmann (20) und Janek Wendt (18) schließen sich außerdem zwei junge Perspektivspieler von Bayern Kitzingen dem Verein an, die sich über die Reserve in der Schweinfurter Kreisliga für höhere Aufgaben empfehlen möchten. Herrmann, der aus dem benachbarten Greuth kommt und in Abtswind seinem älteren Bruder Michael begegnet, kann im offensiven Mittelfeld, Wendt im defensiven Bereich eingesetzt werden.

Nach drei Wochen Sommerpause treffen sich Götzelmann und seine im Durchschnitt 26,5 Jahre alte Mannschaft am 15. Juni zur ersten Trainingseinheit. Zu den geplanten Testspielen standen bislang noch nicht alle Einzelheiten fest. „Wenn Bamberg und Sand in der Bayernliga spielen, sollten wir mit unserem Kader auch in der neuen Runde genauso viele Punkte holen“, blickte Manager Christoph Mix nach dem letzten Saisonspiel gegen Absteiger Schweinfurt voraus und schränkte augenzwinkernd ein: „Aber wir brauchen keine 78 Punkte, wenn wir auch mit 70 Zählern Meister werden können.“