Weihnachten und die Zeit um den Jahreswechsel verbringt Theresa Damm nicht in der Landeshauptstadt, und schon gar nicht auf dem Trainingsgelände des FC Bayern München. Sie ist zu Hause in Obernbreit. „Ich freue mich immer auf daheim. Ich bin ein Familienmensch“, sagt die 19-Jährige, die seit vergangenen Sommer für die Frauen des FC Bayern Fußball spielt. Erst einmal im Reserveteam in der zweiten Liga engagiert, versucht sie in der nächsten Zeit, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen.

Dass sie bis dahin noch ein ganzes Stück vor sich hat, weiß Theresa nur zu gut. „Bundesliga zu spielen ist ein Ziel. Aber jetzt daran zu denken wäre unrealistisch.“ Lieber bescheiden, als zu sehr zu träumen: So wirkt die 1,70 Meter große Obernbreiterin auf ihre Außenwelt. Dabei hat sie eine ungewöhnliche Laufbahn hingelegt, denn erst als Zwölfjährige fing sie so richtig mit Fußballspielen an, nachdem sie sich zuvor in Marktbreit mit Hockey versucht hatte.

„Gekickt habe ich immer“, sagt sie, „Fußball hat mir schon immer Spaß gemacht. Aber bei den Jungs mochte ich nicht mitspielen.“ Schulfreundinnen schleppten sie mit zum TSV Frickenhausen, dort fiel das Talent des flinken Mädchens schnell auf. In der B-Jugend wechselte Theresa zum ETSV Würzburg – es dauerte nicht lange, bis sie in die verschiedenen Auswahlmannschaften berufen wurde.

In diesem Sommer ging es Schlag auf Schlag: Relegationsspiel mit dem ETSV Würzburg um den Verbleib in der zweiten Liga. In der Verlängerung erzielte Theresa Damm das entscheidende Tor. Mit 0:1 hatte ihr Team ge-gen Berlin zurückgelegen, sie schoss das 1:1 – das reichte zum Klassenverbleib. „Eine richtig gute Erfahrung“, sagt sie heute. Und: „Das werde ich nicht so schnell vergessen.“ Kurz darauf sprach Natalie Bischof vom FC Bayern sie an: ob sie nicht nach München kommen wolle. Das Abitur gerade in der Tasche, stand Theresa vor der Wahl. Ein Medizinstudium, oder doch Fußball?

„Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was denn der richtige Schritt ist.“ Sie entschied sich, beides irgendwie zu verbinden: nach München zu gehen, zum FC Bayern, und ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Roten Kreuz zu machen. Studieren möchte sie später in jedem Fall, Medizin oder als Plan B Sportwissenschaft. Zielstrebig wirkt die junge Frau – und dabei ganz normal und bescheiden, wenn sie von ihren Plänen oder vom Alltag in ihrer neuen Welt erzählt.

In München hat sie sich eine Wohnung gemietet, weg von daheim und dem gewohnten Umfeld mit den Eltern und den drei Schwestern. Tagsüber steht erst mal der Dienst beim Roten Kreuz an, dann kommt Fußball, vier-, fünfmal in der Woche. Das Leben jetzt sei schon ein großer Unterschied zu früher, hat sie festgestellt. Aber es ist gut angelaufen.

Nach Hause, mit nach Obernbreit, hat Theresa neben vielen Eindrücken auch einen großen Korb voller Sportklamotten mitgebracht, die es zu waschen gilt. Bei Deutschlands Vorzeige-Verein in Sachen Fußball genießt sie nicht die Annehmlichkeiten und die Aufmerksamkeit wie die männlichen Stars. An der Säbener Straße, wo Manuel Neuer, Philipp Lahm, Arjen Robben, Thomas Müller und die anderen großen Spieler ihren Arbeitsplatz haben, ist sie mehrmals die Woche, dann Tür an Tür mit den Stars. „Wir von der Zweiten trainieren dort zweimal die Woche. Die Profis haben ihren eigenen Bereich, wir sind in jenem Trakt, wo auch die Nachwuchsmannschaften ihre Kabinen haben“, erzählt sie.

Sonst ist bei den Frauen alles einige Stufen kleiner und normaler – erst recht bei der zweiten Garnitur. Das große Geld gibt es hier nicht zu verdienen. Einen richtigen Vertrag hat Theresa Damm noch nicht, den gibt es erst in der ersten Mannschaft. Immerhin hilft ihr der Verein bei vielen Dingen. Er stellt ihr die Ausrüstung, aber bei den Schuhen beispielsweise kann Theresa die Farbe nicht einfach auswählen. Sie muss das Modell nehmen, das vorgegeben wird. „Bei mir ist das problematisch, denn ich habe relativ kleine und dünne Füße“, sagt die 1,70 Meter große Sportlerin, die wegen ihrer Schnelligkeit wie Ribéry zumeist auf der rechten Außenbahn unterwegs ist.

Bei den Bundesliga-Frauen, die im Vorort Aschheim untergebracht sind, durfte sie schon das eine oder andere Mal mittrainieren. Auch dort gibt es eine Menge Nationalspielerinnen aus dem In- und dem Ausland, die Theresa nun kennt. „Das ist ein ganz anderes Niveau, ein Riesenunterschied. Alles geht viel schneller.“ So viel wie möglich davon will sie mitnehmen, Erfahrung möchte sie sammeln. „Ich bin froh, dass ich die Chance habe, bei so einem Verein mal zu spielen“, sagt sie.

Mit der Ochsenfurterin Anna Schlarb spielt eine weitere junge Frau aus der Region beim FC Bayern München. Die 18-Jährige gehört ebenfalls zum Zweitliga-Aufgebot der Münchnerinnen, pausiert aber schon seit einigen Monaten wegen einer Verletzung.

Und was soll für Theresa am Ende herauskommen? Das hänge von einigen Faktoren ab. Sie will sich die Zeit geben. Jetzt, zu Hause in Obernbreit, ist für sie nicht nur Ruhe und Freunde besuchen angesagt. Sie hat einen Laufplan mitbekommen – damit sie bis zum Beginn der Vorbereitung am 12. Januar fit ist. Fit für die nächsten Schritte.