Zum achten Mal stehen sich an diesem Samstag der TSV Abtswind und die Kitzinger Bayern in der Landesliga zum ranghöchsten Landkreisderby gegenüber. Bei den Bayern hat das 0:2 gegen Kickers Würzburgs zweite Mannschaft und die Negativserie von zehn sieglosen Spielen vor zwei Wochen dazu geführt, Tamer Yigit von seiner Aufgabe als Trainer zu entbinden und die sportliche Verantwortung bis Saisonende Björn Auer zu übertragen. Sechs Einheiten hatte der 37-Jährige Zeit, seine Mannschaft auf den Auftritt in Abtswind vorzubereiten.

Auer ging es zunächst darum, konditionelle Defizite aufzuarbeiten, die der mäßigen Trainingsbeteiligung im Winter geschuldet waren. Aber auch auf den Gegner schwor er sein Team ein. „Ich schaute mir die Abtswinder zweimal an. Entsprechend haben wir unsere Einheiten ausgerichtet und einige Dinge im taktischen Bereich angesprochen.“ Für seine Kitzinger geht es dort auch gegen eine andere, aber ebenso negative Serie. Seit beide Vereine in der Landesliga spielen, verloren die Bayern bei 1:11 Toren alle sieben Spiele gegen ihren Landkreis-Rivalen. Nur eine Begegnung im Toto-Pokal gewannen sie. Der letzte Sieg in einem Ligaspiel ist fast vier Jahre her. Die Bayern setzten sich in der letzten Saison vor der Auflösung der Bezirksoberliga in Abtswind 1:0 durch – anschließend stiegen beide in die Landesliga auf.

Bayerns bedeutender Schritt

Vor dem erneuten Treffen ist zwar noch unklar, auf welcher Bühne die Spiele der Kitzinger in der neuen Saison stattfinden werden, doch die Kader-Planung schreitet voran. In Maximilian Wunder und Felix Straßberger haben zwei weitere Spieler aus dem aktuellen Kader für die nächste Runde zugesagt. „Damit“, erklärte Stefan Güntner, einer der Unterhändler der Klubspitze, „ist der Verein bei der Zusammenstellung einer schlagkräftigen Mannschaft einen bedeutenden Schritt weitergekommen.“

Zuvor waren sich die Bayern schon mit Jannik Feidel, Philipp Schlarb, Kastriot Krasniqi sowie Florian und Nico Gaubitz einig geworden. Planen können der künftige Coach Frank Wettengel und Assistent Björn Auer auch mit Tolga Arayici. Nach zwei Jahren Abtswind kehrt der 26-Jährige nach Kitzingen zurück.

Die Stärken der Abtswinder, die am Mittwochabend im Nachholspiel die zweite Garde des FC Schweinfurt 05 5:1 besiegten, sind dem Herausforderer natürlich bestens bekannt. „Wir begegnen einer sehr fitten und diszipliniert spielenden Mannschaft. Sie sind auf dem Platz sehr präsent, wir müssen konsequent dagegenhalten“, sagt Auer nach den Eindrücken, die er zuletzt vom Gegner gewonnen hat. Im Training stellte er bereits jenen Ruck fest, den sich die Verantwortlichen durch ihre Entscheidung, den Trainer zu wechseln, erhofft hatten.

Überbewerten möchte er diese Feststellung aber (noch) nicht. „Unterm Strich zählt das, was im Spiel passiert. Darauf sind unsere Jungs gut vorbereitet“, sagt Auer. Durch die seit Mittwoch veränderte Ausgangslage in der Tabelle erwartet er weiteren Schub für sein Team. „Nach Karlburgs Sieg stehen wir auf dem vierzehnten Platz. Vielleicht brauchen wir ja einen solchen Druck.“ Nachdem im Oktober mehr als dreißig Punkte erreicht waren, sei die Lage wohl zu komfortabel gewesen.

Verstecken wollen sich die Kitzinger Bayern in Abtswind trotz der Favoritenrolle des Gegners nicht. „Wir müssen nicht auf die anderen schauen, sondern nur noch auf uns selbst. Da darf auch der Gegner keine Ausrede sein“, sagt Auer. Zu sehr möchte sich der ehemalige Bayernligaspieler nicht in die Karten blicken lassen. An Ideen fehle es ihm jedenfalls nicht. „Ich lasse mir etwas einfallen, so dass sich die Abtswinder auf die eine oder andere Überraschung einstellen müssen.“ Personell muss sich Auer dabei nicht einschränken, da bis auf Julian Schuhmann alle Kräfte einsatzbereit sind.

Abtswinds emotionaler Brocken

Aus der Breite des Kaders will auch Abtswinds Trainer Thorsten Götzelmann schöpfen. Er kündigte bereits unter der Woche an, dass er „die drei Spiele innerhalb einer Woche auf die ganze Mannschaft verteilen“ werde. Am Tag nach dem Mittwochspiel absolvierten die Abtswinder eine regenerative Einheit – ohne die Anspannung zu verlieren. Was Abtswind an diesem Samstag erwartet, hat Götzelmann so formuliert: „Sie wollen gerade jetzt ums Verrecken nicht gegen uns verlieren. Das wird deshalb kein bisschen leichter als die letzten zwei Spiele.“ Er erwartet daher nach „zwei sportlichen einen emotionalen Brocken“.

Die Relegation als Rechenaufgabe

Wer muss in die Relegation? Ganz so einfach ist diese Frage heute nicht mehr zu beantworten. Sämtliche Tabellen-16. und Tabellen-15. der fünf Landesligen in Bayern sowie die drei schlechtesten der fünf Tabellen-14. spielen mit den Zweitplatzierten der fünfzehn Bezirksligen die Plätze in den Landesligen aus, und zwar in sieben Staffeln mit jeweils vier Teams in zwei Runden, die mit Hin- und Rückspiel nach Europapokalmodus ausgetra- gen werden. Nur der Sieger der zweiten Runde qualifiziert sich am Ende für die Landesliga.

Ob ein Tabellen-14. einer Landesliga an der Relegation teilnimmt, wird nach Abschluss der Saison in einer gesonderten Wertung ermittelt; die erspielten Punkte werden geteilt durch die Zahl der absolvierten Spiele. Die zwei Tabellen-14. mit dem besten Punkte-Quotienten je Spiel bleiben in der Landesliga, die schlechteren drei Klubs spielen in der Relegation. In den vergangenen beiden Jahren gehörte ein Team mit einem Durchschnitt von 1,2 Punkten pro Partie (40 oder 41 Punkte bei 34 Spielen) zu den zwei besseren Tabellen-14. Nach jetzigem Stand führt Bayern Kitzingen die Wertung der Tabellen-14. an.

Die kleine Tabelle zeigt die Zahl der Spiele und Punkte und den Quotienten:
1. Bayern Kitzingen 26 34 1,31
2. FC Gerolfing 27 32 1,19
3. ASV Veitsbronn 26 27 1,04
4. DJK Gebenbach 28 29 1,04
5. TSV Meitingen 26 24 0,92

Die Berechnung wird angewendet, weil die Landesliga Südwest mit 17 Vereinen (32 Spiele), die übrigen vier Landesligen in Bayern aber mit 18 Teams (34 Spiele) antreten.