Da war er wieder, der zuletzt häufig und schmerzlich vermisste „Sohn“. Die sechswöchige Verletzungspause von Andreas Paul endete nach 18 Minuten, als er auf seiner angestammten Position auf Linksaußen ins Spiel kam. Nur zwei Minuten später funktionierte bereits das Zusammenspiel Paul auf Paul wieder: Torwart Thomas Paul parierte hinten glänzend gegen einen Rodinger, vorne hatte sich der jüngere der beiden Brüder schon zum Gegenstoß aufgemacht, bekam den Ball und traf zum 8:5. Nicht nur seine acht Tore beim Rödelseer 28:25 (14:11)-Sieg bewiesen es: Andreas Paul ist zurück.

Er spielte nach seiner Knie-Quetschung, die er sich im Spiel gegen Bayreuth (19. Januar) zugezogen hatte, so, als wäre er nie weg gewesen. Die Lust, die Spielfreude, war dem 22-jährigen Publikumsliebling einfach anzumerken. Von wegen vorsichtig, Paul stieg gleich voll ins Geschehen ein. Natürlich war sein Trainer Dusan Suchy hinterher über dessen Rückkehr glücklich. „Wer Andi Paul kennt, der weiß, wenn er dabei ist, dann gibt es nur Vollgas. Er ist einfach eine positive Erscheinung. Ich hoffe, er bleibt verletzungsfrei bis zum Ende der Runde, das wäre enorm wichtig für uns.“

Beinahe wäre Paul sogar auch im Vorspiel der zweiten Mannschaft aufgelaufen. Noch am Freitag habe es geheißen, dass dort die Personaldecke dünn sei wegen einiger erkrankter Spieler. Am Spieltag sah die Personallage besser aus, Pauls Auftritt in der Zweiten musste schließlich doch nicht sein.

„Es war kein Problem, es war wirklich schön, ich habe mich gleich wieder richtig wohl gefühlt. Sechs Wochen – so lange war ich noch nie verletzt“, sagte er zum Ende seiner Leidenszeit. In dieser hatte er sich zuletzt unter der Sonne Floridas auch ein wenig erholt, „ein bisschen Ruhe, ein bisschen Abstand. Darüber war ich ganz froh“. Die Spiele seiner Mannschaftskollegen verfolgte Paul via Internet natürlich auch dort. Ob er sich angesichts der Niederlagen während seiner Pause Sorgen gemacht habe? „Nein, es war klar, dass wir auch mal verlieren würden.“

Das soll jetzt vorbei sein, doch auch gegen Roding war längst nicht alles Gold, was da bisweilen glänzte. Die dezimierten Gäste, die ohne ihre beiden verletzten Linkshänder antreten mussten, erwiesen sich als körperlich robuste Truppe, die sich aber auch im Angriff gegen die wieder einmal starke Rödelseer Abwehr schwer tat. Julius Weinhardt störte dabei als flinker, vorgezogener Akteur immer wieder wirkungsvoll das Zusammenspiel des Gäste-Rückraumes.

Vorne rotierte Trainer Suchy viel und ließ seine Mannen häufig die Positionen wechseln. Christian Häckner zeigte sich als passable Kreisläufer-Alternative in der Offensive, nachdem Radovan Suchy bereits nach 14 Minuten zwei Zeitstrafen von den insgesamt nicht gerade überzeugenden Schiedsrichtern erhalten hatte. Später sollten vor allem die Gäste häufiger mit den Entscheidungen der Herren Grimm und Pfaffelhuber hadern. Je zweimal zwei Minuten lang mit vier gegen sechs mussten die Rodinger als Konsequenz im zweiten Abschnitt auskommen, was auch das Spiel zugunsten Rödelsees beeinflusste.

Die Gäste bäumten sich noch einmal auf, nach Christian Häckners 19:16 (41.) und der wenig späteren doppelten Dezimierung konnten sie sich aber nicht mehr weiter annähern. Spätestens mit dem 26:19 (53.) war das Rödelseer Tagwerk vollbracht, nicht nur Miky Tonar durfte in der Folge von der Bank aus zusehen. Das Tempo im Spiel hatte bereits im Lauf der zweiten Halbzeit merklich nachgelassen. „Wir hatten mehr Puste. Am Ende haben wir vielleicht zu viel gewechselt“, konnte Trainer Suchy die zum Schluss noch folgenden sechs Gegentore verschmerzen.

Auch die Gegner trugen es mit Fassung „Rödelsee war die reifere Mannschaft und über 60 Minuten besser. Wir wussten schon von vorne herein, dass es schwer wird unter den Voraussetzungen, dann noch mit der weiten Anreise und beim Tabellenführer“, meinte Rodings Trainer Manfred Paulus. Er wagte den Vorausblick auf das restliche Programm.

„Wenn Rödelsee am Ende Meister wird, dann ist es auch absolut verdient gewesen.“ Davor stehen aber noch schwierigere Prüfungen als die gegen Roding.

Die Statistik zum Spiel

TSV Rödelsee – TB Roding 28:25 (14:11)

Rödelsee: Thomas Paul, Maximilian Steppan, Jan Kästner (4/1), Gabor Csorba (3), Jan-Patrick Weinhardt, Andreas Paul (8), Andre Deis (1), Julius Weinhardt (2), Christian Häckner (3), Radovan Suchy (1), Michal Tonar (3), Maximilian Häckner (2), Franz-Xaver Hetterich (1).

Roding: Mile Matjevic, Matthias Elgeti, Michael Raue, Fabian Graßl (6), Michal Pich (1), Korbinian Meier (2), Marcel Elgeti, Janis Gremzde (4), Andreas Müller (4), Jiri Piroch, Tomas Voves (8/4).

Zuschauer: 300 (geschätzt).

Schiedsrichter: Ulrich Grimm HC Cadolzburg)/Roland Pfaffelhuber (TSV Rothenburg).

Zeitstrafen: 2x Suchy, Dies, Kästner – 2x Müller, Rank, Matthias Elgeti, Piroch.

Siebenmeter: 1:5 (1:4 verwandelt).

Spielfilm: 2:2 (9.), 5:4 (12.9, 9:5 (20.), 11:7 (23.), 13:8 (26.), 14:11 - 15:13 (33.), 18:16 (39.), 23:16 (46.), 26:19 (53.), 28:20 (56.), 28:25.

Bayernliga Männer

HaSpo Bayreuth – TuS Fürstenfeldbruck 19:33  
HSC 2000 Coburg II – TSV Rothenburg 29:25  
TSV Unterhaching – HC Erlangen II 23:24  
TSV Rödelsee – TB 03 Roding 28:25  
TSV Lohr – TSV Ottobeuren 25:19  
TG Landshut – TSV Simbach 22:25  
TSV Haunstetten – DJK Waldbüttelbrunn 30:33  

1. (1.) TSV Rödelsee 21 18 0 3 658 : 570 36 : 6  
2. (2.) TSV Lohr 21 15 4 2 583 : 500 34 : 8  
3. (3.) DJK Waldbüttelbrunn 21 14 2 5 630 : 580 30 : 12  
4. (4.) HC Erlangen II 21 14 2 5 580 : 524 30 : 12  
5. (5.) TuS Fürstenfeldbruck 21 14 1 6 654 : 575 29 : 13  
6. (6.) TB 03 Roding 21 9 2 10 600 : 582 20 : 22  
7. (7.) TSV Haunstetten 21 9 2 10 635 : 609 20 : 22  
8. (8.) TG Landshut 21 10 0 11 565 : 607 20 : 22  
9. (9.) TSV Rothenburg 21 9 1 11 542 : 547 19 : 23  
10. (10.) TSV Unterhaching 21 9 0 12 582 : 582 18 : 24  
11. (11.) HSC 2000 Coburg II 21 7 0 14 578 : 635 14 : 28  
12. (12.) TSV Ottobeuren 21 5 0 16 526 : 609 10 : 32  
13. (14.) TSV Simbach 21 4 0 17 521 : 624 8 : 34  
14. (13.) HaSpo Bayreuth 21 3 0 18 533 : 643 6 : 36