Beim Tennis kennt Aline Staudt keine Kompromisse. „Ich will unbedingt gewinnen“, sagt sie. Und genauso handelt sie als Nummer drei des Regionalligateams von Weiß-Blau Würzburg. Der Schlag – am liebsten spielt sie Vorhand – kann nicht hart und schnell genug sein, denn nur der Punkt zählt. Abseits des Tennis-Platzes ist die fröhliche junge Frau, für die Tennis mehr als bloß ein liebgewonnenes Hobby ist, eher auf Ausgleich bedacht.

Das ist auch gut, denn als Mannschaftsführerin muss die Sulzfelderin Führungsperson und ausgleichender Faktor gleichermaßen sein. Dass kleine Schritte – auch im übertragenen Sinne – wichtig sind, um große Siege zu landen, weiß die 22-Jährige nur zu gut. Deshalb plagt sie sich bei Koordinations- und Konditionstraining im Winter – eben auch, um ihre Feinabstimmung im Laufen zu verbessern.

Das ist ihr offensichtlich gelungen, wie viele Zuschauer in dieser Saison schon feststellten. Auch wenn Staudt das selbst nicht unbedingt bewusst ist, so wirkt die Studentin im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften agiler denn je. Vielleicht hat sie gerade dies ja auch beflügelt, sich Ende April die Krone im unterfränkischen Tennis bei den Frauen gegen Mannschaftskollegin Sofia Raevskaia zu erkämpfen.

Eine Krone zu tragen ist für Aline Staudt nichts Ungewöhnliches. Zwei Jahre lang repräsentierte sie nun als Weinprinzessin ihre Heimatgemeinde in Sachen Wein. Am Freitagabend gab sie das Krönchen weiter. Immer wieder tauschte die attraktive Blondine mit den strahlend hellblauen Augen gern einmal das Tennisdress mit dem feschen Dirndl.

Überhaupt hat ihr die Zeit als „gekröntes Haupt“ gut gefallen, denn sie hat nach eigener Aussage viel fürs Leben gelernt: kommunikativ zu sein, offen auf Leute zuzugehen und immer freundlich zu lächeln. Nicht, dass sie das zuvor nicht auch schon getan hätte, aber Übung macht die Meisterin. Immerhin: Die sportliche Krone bleibt ihr noch bis zu den Bezirksmeisterschaften im nächsten Jahr.

Doch fürs Erste heißt es, in kleinen Schritten zu denken und die Gedanken auf die Liga zu fokussieren. Dort setzten sich Staudt und ihre Kameradinnen am Donnerstag mit 6:3 gegen Aufsteiger TC Ismaning durch. Würzburg bleibt damit als Tabellenführer im Hochgefühl. Aline Staudt, Tochter einer Sulzfelder Gastwirtsfamilie, ist bodenständig genug, wie ihre ganze Lebensplanung spiegelt: Das Abitur war ihr wichtiger als eine mögliche Profi-Karriere, die bei ihrem vielfach bestätigten Talent vielleicht möglich gewesen wäre.

Auch reichten ihr zwei Semester College-Tennis in den USA, um an Lebenserfahrung und Reife zu gewinnen. Ihr Studium wollte sie unbedingt in Deutschland aufnehmen. Und so stehen nun Uni und Tennis ganz oben, nicht zu vergessen Freund Christian, ebenfalls begeisterter Tennisspieler bei den Regionalliga-Männern im selben Verein, der ihr bei den Medenspielen oft beratend zur Seite steht.

„Es wäre schön, mal in der zweiten Bundesliga zu spielen“, sagt Staudt, die Tennis spielt, seitdem sie sieben ist. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, heißt der Handball-WM-Song 2007, der sich auch auf Würzburgs Tennis-Frauen übertragen lässt. Die Zeichen stehen nicht schlecht, das vielleicht schon in dieser Saison hinzukriegen. Noch nie standen die Würzburgerinnen in der Vergangenheit an der Tabellenspitze. Immerhin rangieren sie dort bereits seit vier Spieltagen – und geht es nach der Mannschaft, soll das Hoch noch bis zum Saisonende anhalten.