Aladin Hamzic ist ein Wanderer zwischen den Fußballwelten. Der heute 37-Jährige hat in den vergangenen zwölf Jahren mehrfach die Seiten gewechselt. Er spielte in Niederwerrn, Gochsheim und Röthlein, versuchte sich als Trainer in Hirschfeld und in Heidenfeld, und seit vorigen Sommer ist er Spielertrainer des FC Fahr in der Kreisklasse. Der Klub weiß die Arbeit Hamzics zu schätzen. Erst kürzlich ist sein Vertrag um eine weitere Spielzeit verlängert worden – nicht ohne dem Mann manche Girlande zu flechten. „Unser Trainer“, so ließen sich Fahrs Fußballverantwortliche in einer Mail zitieren, „leistet sehr gute Arbeit. In der Mannschaft herrscht super Stimmung.“

Das überrascht auf den ersten Blick nicht. Fahr posiert nach zwei Dritteln der Saison auf dem aussichtsreichen dritten Platz, ist punktgleich mit dem Tabellenzweiten und nur fünf Zähler von Rang eins entfernt. Andererseits hat Hamzic erlebt, dass Erfolg alleine nicht glücklich macht. 2009 verhalf er der DJK Hirschfeld zum Aufstieg in die Kreisklasse. Für den Verein war es die erste Meisterschaft seit 33 Jahren, und dennoch musste der Spielertrainer am Saisonende gehen. Bereits im Winter hatte der Klub ihm mitgeteilt, die Mannschaft wünsche sich einen erfahrenen Trainer, der „mehr graue Haare“ habe. Hamzic nahm die Entscheidung sportlich; er verlor bis zum Saisonende kein Spiel mehr mit dem Team und zog dann weiter nach Heidenfeld.

„Als Everybody's Darling kann ich mir nichts kaufen“, hat er einmal gesagt. Hamzic hat klare Vorstellungen, die er zur Not auch gegen Widerstände durchsetzt. 2001 hatte ihn Gochsheims Trainer Manfred Fehlbaum als Spieler aus seinem Kader gestrichen. Hamzic hatte dem Coach wohl etwas zu deutlich die Meinung gegeigt. Der gelernte Mauer, 1993 vor dem blutigen Bürgerkrieg in seiner bosnischen Heimat nach Deutschland geflohen, schert sich wenig um den diplomatischen Kodex.

Manchen gilt er deswegen als Reizfigur, aber das ist nur die eine Seite des Fußballers Hamzic. Die andere Seite zeigt sich bei einem Blick ins Archiv. Zahlreiche Kapitel reihen sich da zu einer Art Fußballmärchen. Man liest von „Aladins wunderschönen Toren“, und es scheint, als müsse man nur an der Lampe reiben, schon entsteigt der Geist, der die Sehnsucht ihres Besitzers nach Glück und Erfolg befriedigt.

In Fahr glänzt Hamzic mit anderen Qualitäten. Mit annähernd dem selben Personal hat er aus dem Abstiegskandidaten der letztjährigen Spielzeit einen potenziellen Aufstiegsanwärter geformt. Dass die veranlagten Kräfte im Team ihr Potenzial auf dem Platz ausbreiten können und nicht darauf verwenden, irgendwelche Verletzungen zu kurieren, ist vielleicht der wesentlichste Unterschied zum Jahr zuvor. „Man braucht auch Glück“, sagt Hamzic. Weiter als bis zum nächsten Spiel will der Coach denn auch nicht schauen. Dies mag phrasenhaft klingen, aber aus langjähriger Erfahrung weiß er, wie schnell sich der Wind im Amateurgeschäft drehen kann. Zwei, drei Verletzte, schon geraten die Ziele in Gefahr.

„Wir machen uns nicht verrückt“, sagt Hamzic. „Das Spiel ist wichtiger als die Tabelle.“ Das nimmt ihm zwar nicht jeder ab, weil es natürlich auch um Ziele geht. Aber dass er viel Fleiß darauf verwendet, Technik und Spielwitz zu verbessern, haben ihm Fahrs Fußballexperten schon im vergangenen Jahr wenige Wochen nach Amtsantritt bestätigt. Hamzic war als Fußballer selbst kein großer Freund ausgedehnter Waldläufe – warum soll er als Trainer also seine Schützlinge damit quälen? „Wir machen mehr mit Ball“, sagt er. Fortschritte sind unverkennbar, auch wenn das Team gegen Rückschläge nicht gefeit ist. Das 0:4 in der Vorrunde gegen Volkach war so ein Erlebnis, das die Schwäche des begrenzten Spielerkaders schonungslos aufdeckte.

An diesem Sonntag steht das Rückspiel in Volkach an, und Aladin Hamzic sagt: „Das darf nicht verloren wer-den.“ Ihm geht es dabei weniger um Prestige und Rivalität unter den Vereinen, dem großen VfL, der einst Bezirksliga spielte, und dem kleinen FC vom Lande. „Die anderen sehen das viel verbissener als ich.“ Ihm geht es mehr um die Entwicklung des Teams, das in einer Saison nicht zweimal ge-gen den gleichen Gegner untergehen soll. Dass seine Mannschaft heute im Stande ist, ihr Spiel zu variieren, dem Gegner offen entgegenzutreten oder sich entschlossen zu verteidigen, darf auch er sich als Verdienst auf die Fahnen schreiben lassen.

In Simon Weidinger hat er zudem einen „Trumpf, der ein Spiel entscheiden kann“, wie Hamzic sagt. 17 Tore hat der bei seinem Heimatverein zu neuer Blüte gereifte Stürmer in dieser Saison erzielt, manchen in feiner Koproduktion mit seinem Coach, der sich im offensiven Mittelfeld heute lieber in den Dienst der Mannschaft stellt, als selbst Tore zu schießen. Zumindest auf dem Feld scheint der Fußball-Nomade mittlerweile seinen festen Platz gefunden zu haben.