Der Kampf um Platz zwei in der Landesliga Nordwest ist wohl entschieden, und der TSV Abtswind hat ihn allem Anschein nach verloren. Die Abtswinder unterlagen am Samstagnachmittag im Spitzenspiel bei der SpVgg Forchheim mit 1:3 (1:2) und haben drei Spieltage vor Saisonende nun wieder fünf Punkte Rückstand auf ihren oberfränkischen Konkurrenten. "Ich hatte vorher ein gutes Gefühl, aber so viele Fehler, wie wir heute gemacht haben, sind uns in den letzten sechs Spielen zusammen nicht passiert", sagte Trainer Petr Skarabela enttäuscht. Nach sechs Siegen endete damit die Serie der Abtswinder ausgerechnet im entscheidenden Spiel um Platz zwei.


Für die angriffslustigen Forchheimer hatte Steffen Müller vor 450 Zuschauern bereits in der sechsten Minute zum 1:0 getroffen. Pascal Kamolz glich nach 34 Minuten aus, doch schon im Gegenzug gelang David Mai die erneute Führung für die Heimelf. Als Forchheims Dominik Zametzer in der 39. Minute wegen wiederholten Foulspiels eine zweifelhafte Gelb-Rote Karte erhielt, wähnte sich Abtswind im Vorteil. Stattdessen erhöhte Maximilian Göbhardt in der 57. Minute mit einem unberechtigten Foulelfmeter auf 3:1.

Abtswind hatte sich für das "Spiel des Jahres" (Skarabela) den falschen Zeitpunkt und den falschen Gegner ausgesucht. Denn Forchheim war an diesem Nachmittag in allen Belangen überlegen. Ballsicher, zweikampfstark, durchschlagskräftig traten die Oberfranken auf. Nach zwanzig Minuten hätte es locker 4:0 stehen können, so erstklassig waren ihre Chancen. Der überragende Adem Selmani knallte Ball im Nachschuss bei einer dieser Großchancen an den Pfosten (19.).

Der überraschende Ausgleichstreffer des im Abtswinder Angriff allein auf weiter Flur rackernden Kamolz konnte überhaupt keine Wirkung entfalten. Denn es dauerte keine fünfzig Sekunden, bis Forchheim erneut in Führung ging. Und auch die überzogene Gelb-Rote Karte für Forchheims Zametzer nach einem Allerweltsfoul kurz vor der Halbzeit hatte nicht die Folgen, die sich der im übervollen Bus angereiste Abtswinder Anhang erhoffte.

Forchheim zog sich in der zweiten Hälfte mit einem Mann weniger zwar notgedrungen zurück und lauerte auf Konter, aber die Abtswinder wussten mit dem gewonnenen Raum nichts anzufangen. Ihr Aufbau- und Angriffsspiel litt weiterhin unter schlampigen Pässen und zu wenig Wucht. So kam die Mannschaft trotz optischer Überlegenheit meist gar nicht bis an den gegnerischen Strafraum, geschweige denn vors Tor. Nur zweimal war Forchheims Torwart Markus Kredel in den zweiten 45 Minuten richtig gefordert, bei einem Schuss und einem Kopfball jeweils von Kamolz (72.).

Nein, das war nicht der Tag der Abtswinder. Sie mussten den Schwung der vergangenen sechs Siege irgendwo auf der 70 Kilometer weiten Anreise verloren haben. Vielleicht lag es aber auch an einem ausgesprochen starken Gegner, der - solange er zu elft war - seine ganze Klasse demonstrierte. Den Forchheimern zuzusehen, wie sie sich vors Tor kombinierten, war eine Augenweide. In dieser Form hat das Team auch in der Aufstiegsrelegation zur Bayernliga gute Chancen.