Gewiss, es geht stets noch ein Stück besser, aber deshalb gleich den exzellent besetzten Landesliga-Kader zur zweiten Mannschaft degradieren? Offenkundig war es schlicht ein Versehen, wonach am Samstag angeblich der TSV Abtswind II (!) den TSV Karlburg mit 4:0 abgefiedelt hatte, wie hernach die Internetseite des Klubs verkündete. Auf die Karlburger musste eine solche Beschreibung wie Hohn und Spott wirken. In Abtswind sitzen Spieler auf der bis zum letzten Platz gefüllten Ersatzbank, die in anderen Mannschaften nicht aus der Stammelf wegzudenken wären. Trainer Jochen Seuling hat eine Fülle an Möglichkeiten, die Positionen zu bestücken, und diese Tatsache besticht nicht nicht allein durch Vorzüge. „Es ist eine schwierige Situation“, sagt Seuling darüber, dass Reservisten unzufrieden sind und er sie bei Laune halten muss.

Simon Wolf ist ein solches Beispiel. Vorige Runde war der 23-Jährige als Stammspieler unangetastet. Diese Saison, nachdem mit Jürgen Endres und Jörg Otto zwei weitere Akteure für seine Position verpflichtet worden sind, spielte er gerade mal 86 Minuten, eine Viertelstunde davon gegen Karlburg. „Das ist natürlich deprimierend“, sagt der defensive Mittelfeldspieler. „Ich versuche meinen Frust in positive Energie umzuwandeln, damit ich wieder den Sprung in die Mannschaft schaffe.“

Manchmal helfen auch Verletzungen der Mitspieler. Und davon gab es am Samstag einige. Die schlimmste erlitt Sebastian Otto. Der Offensivspieler riss sich bei einem Foul von Jens Fromm das Kreuzband. Jörg Otto zog sich eine Bänderdehnung zu, Daniel Hey einen Bluterguss. Die ungewohnt harte Gangart der Karlburger war auch Jochen Seuling aufgefallen: „Wenn ich sehe, wie die Spieler angestachelt wurden, in die Zweikämpfe zu gehen, haben das manche offenbar in den falschen Hals bekommen.“

Die durch Verletzungen ausgelösten Wechsel und positionsbezogenen Umstellungen brachten die Abtswinder nicht so sehr von ihrer Linie, dass ihnen die Herrschaft über das Spiel verloren ging. Doch locker-flockig – und das mochte die Erkenntnis des Tages sein – kam der Sieg nicht zustande. Abtswind musste sich phasenweise quälen, auch wenn das Resultat letztlich deutlich ausfiel. Zu deutlich, wie Seuling zugab. „Ohne Kampf geht es nicht“, sagte der Trainer. „So gut sind wir auch nicht, dass wir einen Gegner an die Wand spielen.“

Hätte Karlburgs Szymon Dynia in den ersten Minuten getroffen und Dominik Hammer kurz nach Beginn der zweiten Hälfte, und hätten beide dabei Schlussmann Irnes Husic nicht zwei Glanzparaden ermöglicht, so wäre Abtswind in eine ungewohnte Drucksituation geraten. Stattdessen nahm die Begegnung den erwarteten Verlauf: Der Karlburger Marvin Schramm foulte Pascal Kamolz nach einer Viertelstunde im Strafraum. Abtswinds erste Chance vom Elfmeterpunkt schlug zum 1:0 durch Jörg Otto ein. „Dadurch haben wir Sicherheit bekommen, aber längst keinen Spielrhythmus gefunden, weil jeder Angriff durch die harten Aktionen der Karlburger unterbunden wurden“, sagte Seuling.

Nach der Pause nutzte sein Team nahezu alle sich bietenden Möglichkeiten. Wenn Frontmann Pascal Kamolz erst einmal den Ball am Fuß hatte, war er kaum davon zu lösen und verursachte mit seinem Antritt Hektik in der Defensive der Gäste. Die waren mit dem Ziel in die Saison gegangen, unter den ersten Fünf zu landen, und stehen nun am anderen Ende der Tabelle. Statt sich in Erklärungen zu verlieren, verzichtete Trainer Jürgen Kaiser darauf, den Auftritt seines Teams zu kommentieren. Was hätte er auch groß erzählen sollen? Dass seine Spieler zunehmend verunsichert sind? Dass sie zunehmend den Glauben an sich verlieren? Und dass es nichts bringt, in Hektik zu verfallen?

Die Fakten sprachen für sich, nachdem die Abtswinder Jürgen Endres, Pascal Kamolz und Tobias Werner per Elfmeter auf 4:0 erhöht hatten. „Ich gebe zu, wir stehen besser da als erwartet“, sagte Jochen Seuling, der während der Saisonvorbereitung noch diverse Unzulänglichkeiten erkannte hatte. Die erwiesen sich letztlich als Klagen auf hohem Niveau. Abtswind hat nach der Niederlage des TSV Neustadt/Aisch gegen den ASV Rimpar bereits die Tabellenspitze erklommen. Die großen Prüfungen gegen die Mitfavoriten stehen dem Team allerdings noch bevor.

Die Statistik des Spiels

TSV Abtswind – TSV Karlburg 4:0 (1:0)

Abtswind: Irnes Husic; Daniel Hey, Frederik Weiß, Jörg Otto (46. Axel Zehnder), Michael Herrmann, Jonas Wirth, Jürgen Endres, Constantin Paunescu (77. Simon Wolf), Sandro Wolf, Sebastian Otto (25. Tobias Werner), Pascal Kamolz.

Karlburg: Kai Belz; Thorsten Konrad, Tobias Wießmann, Marvin Schramm, Dominik Hammer, Jens Fromm (63. Maximilian Schalling), Thilo Wilke, Steffen Lehofer, Manuel Römlein, Szymon Dynia, Furkan Balaban (75. Daniel Mähler).

Schiedsrichter: Sebastian Cornely (Bad Neustadt).

Zuschauer: 130.

Gelbe Karten: Weiß, Endres, Kamolz / Fromm, Konrad, Schalling, Hammer, Belz.

Tore: 1:0 Jörg Otto (17., Foulelfmeter), 2:0 Jürgen Endres (65.), 3:0 Pascal Kamolz (79.), 4:0 Tobias Werner (90.+1, Foulelfmeter).