Hohe Siege haben bei Abtswind in dieser Saison keinen Seltenheitswert. Einen dennoch außerordentlichen 7:1 (3:1)-Sieg landete der TSV zu Hause gegen das vom Abstieg bedrohte Coburg und schoss sich für das Spitzenspiel gegen den direkten Konkurrenten Forchheim warm. Jedoch warnte Abtswinds nicht ganz zufriedener Trainer Petr Skarabela, seine Mannschaft müsse sich für die bevorstehende Aufgabe im spielerischen Bereich wieder steigern.

Personell überraschte Abtswind mit der Aufstellung Axel Zehnders in der Anfangsformation. Sein letztes Landesliga-Spiel hatte er im Mai 2016 bestritten. „Vergangenen Donnerstag saß ich am Schreibtisch und denke an nichts Böses, da erreichte mich ein überraschender Anruf von Christoph Mix“, erklärte der 27-Jährige den Umstand seiner Nominierung. „Solche Anrufe sind selten, ich nehme sie aber gerne an. Wo Not am Mann ist, springe ich ein“, meinte Zehnder und fügte als Anekdote an, dass er vom Trainer gesiezt wurde – „weil er mich nicht kannte“.

Von Beginn an lief das Spiel für die Gastgeber. Fünf Minuten waren gespielt, als der aufgerückte Sven Gibfried einen Freistoß Steffen Barthels zur frühen Führung ins Tor köpfte. Überraschend kam dagegen der Ausgleich zustande. Nachdem Lukas Mosert noch ein paar Schritte mit dem Ball am Fuß gegangen war, schoss er ihn aus 23 Metern ins Tor. Vor Abtswinds Torhüter Patrick Hefner setzte der Schuss noch auf und sprang über ihn ins Gehäuse. Glück hatten die bestimmenden Hausherren nur wenige Minuten später, dass ein Fernschuss Carl-Philipp Schiebels nur gegen die Latte prallte und Hefner ein Nachsetzen Daniel Sams verhinderte. „Wir hatten Glück, dass der Gegner nicht durch einen Schuss aus vierzig Metern in Führung geht. Wenn wir in Rückstand geraten wären, hätten wir Probleme bekommen“, vermutete Skarabela.

Es war die einzige Phase des Spiels, in der Abtswind mit sich hadern konnte. Coburg war meist in der Abwehr gefordert und hatte nur wenige Aktionen nach vorne. Den Gastgebern dagegen gelang im Spiel nach vorne fast alles, und das obwohl ihr Trainer feststellte: „Alles, was von uns auf das Tor kam, war drin. Aber fußballerisch glänzten wir nicht so sehr wie gegen Unterpleichfeld.

“ Diese Feststellung galt nicht für den weiter formstarken Philipp Hummel. Als Pascal Kamolz von links eine Flanke auf den langen Pfosten schlug, stand der Abtswinder goldrichtig und köpfte den noch einmal vom Gegner abgewehrten Ball zur Führung ins Tor. Den Vorsprung erhöhte Jonas Wirth nach einer butterweichen Flanke von Przemyslaw Szuszkiewicz – erneut per Kopfball.

Seine Abseitsposition verhinderte Hummels zweites Tor vor der Halbzeit, doch wenige Minuten nach Seitenwechsel verdoppelte er nach Vorlage Axel Zehnders eine Ausbeute. „Ich bin froh, dass wir Philipp Hummel haben. Er ist momentan einer unserer Besten“, lobte Skarabela den erneut zweifachen Torschützen, der erst in der Winterpause gekommen war. Sehr einfach sah es aus, als Steffen Barthel nach einem Eckball Jürgen Endres‘ von links mit seinem Schuss vom Strafraumeck den Vorsprung ein weiteres Mal erhöhte. „Ich möchte meiner Mannschaft das Engagement nicht absprechen. Zwei, drei Standardsituationen haben uns auf die Verliererstraße gebracht“, befand Coburgs Trainer Matthias Christl später. Es habe seiner Mannschaft an Routine und Cleverness gefehlt.

Nach einer Endres-Ecke schlug Adrian Graf den Ball hoch in den Strafraum zurück, doch setzte sich Kamolz per Kopf durch und komplettierte in der Abtswinder Ausbeute das halbe Dutzend. Anschließend ließen die Hausherren dem Gegner zwar mehr Raum, gaben aber die Kontrolle nicht aus der Hand. Als zwei Abwehrspieler und der Torhüter den Ball unterliefen, fügte Kamolz seiner Bilanz ein weiteres, in der Entstehung kurioses Tor hinzu. „Wenn wir besser verteidigt hätten, wäre es deutlich knapper ausgegangen“, spekulierte Christl und befand die Niederlage „in der Höhe um das eine oder andere Tor zu hoch“. Skarabela freute sich, diesmal ein weniger intensives Spiel gesehen zu haben: „Es schadet nicht, auch einmal einen ruhigen Nachmittag zu haben.“ Jedoch – so seine Hoffnung im Vorfeld des wohl entscheidenden Auswärtsspiels in Forchheim – müsse „das Spielerische beim nächsten Mal wieder deutlicher zum Vorschein kommt.“

Die Statistik des Spiels

Fußball: Landesliga Nordwest

TSV Abtswind – FC Coburg 7:1 (3:1)

Abtswind: Patrick Hefner, Adrian Graf, Sven Gibfried, Jonas Wirth, Pascal Kamolz, Steffen Barthel (82. Jona Riedel), Axel Zehnder (65. Andreas Herrmann), Jürgen Endres, Carl Murphy (65. Julian Beßler), Przemyslaw Szuszkiewicz, Philipp Hummel.

Coburg: Jannik Knoch, Daniel Kimmel, Eric Heinze, Carl-Philipp Schiebel, Lukas Mosert (82. Christian Schneider), Carsten Hahn, Niklas Ehrlich (82. Fabian Carl), Leonhard Scheler (65. Lukas Riedelbauch), Adrian Guhling, Daniel Puff, Daniel Sam.

Schiedsrichter: Christian Tauscher (Nürnberg).

Zuschauer: 150.

Tore: 1:0 Sven Gibfried (6.), 1:1 Lukas Mosert (17.), 2:1 Philipp Hummel (27.), 3:1 Jonas Wirth (40.), 4:1 Philipp Hummel (50.), 5:1 Steffen Barthel (57.), 6:1 Pascal Kamolz (64.), 7:1 Pascal Kamolz (88.).

Gelbe Karten: Mosert (FC).