„Nur die Harten kommen in den Garten“, heißt ein geflügeltes Wort. Einige – wenn auch nur wenige – noch Härtere kamen am Wochenende zwar nicht in den Garten, aber dafür nach Dettelbach. Nicht mit dem Auto oder zu Fuß, sondern, trotz klirrender elf Grad Minus, standesge

mäß mit dem Motorrad. Ihr Ziel: die Motorradmesse „Wheelies“, die inzwischen zum siebten Mal, in der Frankenhalle stattfand und wie alle Jahr einige Tausend Motorradbegeisterte anzog.

Auch die Heizung in der Halle hatte mit den Minustemperaturen zu kämpfen und die Mitarbeiter an den Ständen berieten ihre Kunden teilweise dick eingepackt mit Handschuhen und Mützen. Das Wort „Wheelie“ stammt übrigens aus der Trail-Szene und bezeichnet die Fahrt nur auf dem Hinterrad eines Motorrades.

Die Fans waren, wie man auch an den Autokennzeichen auf dem Parkplatz erkennen konnte, aus ganz Nordbayern angereist, um zu sehen, was es auf dem inzwischen fast unübersehbar gewordenen Markt der Zweiräder, des Zubehörs und der Motorradreisen in aller Welt, an Neuigkeiten gibt.

Fast alle namhaften Hersteller von Harley Davidson über Honda, Aprilia, Yamaha und KTM bis BMW waren mit ihrer Produktpalette vertreten. Laut Veranstalter war es die bisher größte Zahl an Ausstellern, seit es die Messe gibt; gemeldet waren mehr als 40.

Schwere Maschinen

Schwere Tourenmaschinen, hochmotorisierte Rennmaschinen, Enduros, Chopper, aber auch Motorroller, die heutzutage „Scooter“ heißen, „Trikes“ und „Quads“, ja sogar einige Elektrofahrräder waren ausgestellt. Die Besucher, überwiegend männlich und der Altersgruppe der „Best-Ager“ zugehörig, sammelten sich grüppchenweise fachsimpelnd um die chromblitzenden oder im neuen Trend mattglänzenden, meist aber grellbunten Objekte ihrer mobilen Träume.

Auch wenn für viele so manches gezeigte Fahrzeuge - aus rein finanziellen Gründen - ein Traum bleiben wird, einmal darauf Probesitzen ist für einen wahren Fan schon fast wie Weihnachten und die Gelegenheit wurde gerne genutzt.

Neben Serienmotorädern vom Fließband zeigten Tuner, dass man mit viel Liebe zum Detail und entsprechendem finanziellem Einsatz, aus einem ganz normalen Motorrad von der Stange, ein Kunstwerk oder ein Meisterwerk der Technik machen kann. Liebhaber bekommen bei einem solchen Anblick glänzende Augen und manche Ehefrau soll deshalb schon mit Eifersuchtsgefühlen gekämpft haben, wenn sie mit ansehen musste, wie „Er“ fast liebevoll das glatte Leder einer Motorradsitzbank streichelte und von einer sommerlichen Ausfahrt zu träumen schien.

Tipps von der Polizei

Erstaunlich groß war auch das Interesse der Besucher an einem Gespräch mit den Beamten der Polizei. Die waren heuer erstmals mit Mitgliedern der Motorradstaffel auf der Messe, um den direkten Kontakt zu den Zweiradfreunden zu bekommen. Ihr Ziel: die Prävention. Denn die im vergangenen Jahr stark gestiegene Zahl von schweren Motorradunfällen, macht den Polizisten, die meist selbst eingefleischte Motorradfans sind zunehmend Sorge, berichteten diese.

Trial-Vizeweltmeister angetreten

Ein Highlight und von Anfang an untrennbar mit der Messe verbunden, waren wieder die Auftritte des Trial-Vizeweltmeisters Horst Hoffmann, der auf dem Freigelände mit dem Quad, einer Enduro und auf einem Motorrad halsbrecherische Kunststücke vorführte. Neben den oben beschriebenen „Wheelies“ zeigte Hoffmann das „Endo“ genannte Fahren auf dem Vorderrad, mit anschließenden Anhalten ohne die Füße abzusetzen (Standing Stoppies), balancierte über schmale Balken, eine Wippe oder auch mal über einen geparkten VW Golf.