Man hätte ja meinen können, dass ein Corona-Sommer langsamer vergeht. Dass alles etwas ruhiger ist. Bewusster. Nicht gleich wieder die volle Hektik ausbricht. War aber nicht so. Alles wie immer. Eher sogar noch mehr – weil einige etwas nachzuholen hatten. Und jetzt, wo es gefühlt höchstens Anfang August sein dürfte, ist schon wieder Mitte September.

Bevor auch diese Sommer-Kolumne nach zehn Teilen gleich in der Versenkung verschwindet, sollen noch ein Briefkasten auf der Nordseeinsel Neuwerk und eine Schaukel auf dem Schwanberg in den Mittelpunkt rücken. Meine Sommerbilder des Jahres. Bei dem Briefkasten ist es so, dass unter "Leerungszeiten" nur ein genialer Hinweis steht: "Gezeitenabhängig". Müsste nicht der gesamte Sommer so sein: Gezeitenabhängig. Vielleicht noch vom Zufall. Vom Müßiggang. Was wäre das für ein Sommergefühl.

Es gab noch ein ähnlich schönes Bild: Auf dem Schwanberg gibt es jetzt eine Panoramaschaukel. Eine Holzschaukel, auf der man zu zweit sitzen, die Füße und die Seele baumeln und den Blick wunderbar schweifen lassen kann.

Damit sind wir auch schon bei der schönsten Meldungen des Sommers: der Schoko-Schauer. Vielleicht haben Sie es ja gelesen: In Olten in der Schweiz regnete es im August tatsächlich Kakao vom Himmel. Ausgelöst von einer defekten Lüftungsanlage in einer Schokoladenfabrik.

Wäre das nicht überhaupt der perfekte Sommer: Alle Schoko-Fabriken dieser Welt sollten im Sommer die Lüftungsanlagen kaputt machen. Ab und zu ein Schoko-Niederschlag - die Welt wäre eine andere. Gerade noch tobt am Kitzinger Königsplatz ein Streit um den letzten freien Parkplatz mit Gehupe und Gezeter – als Kakao-Regen einsetzt und für himmlischen Frieden sorgt. Dort, wo gestern noch Mehltau über dem Land lag, überzuckert nun der Kakao alles.

Selbst ein Corona-Sommer wäre mit einem Schoko-Überzug irgendwie besser auszuhalten. Die Alltagsmasken, das gedrosselte Leben, der ganze Querdenker-Quatsch und die intravenösen Desinfektionsmittel des Donald T. – einfach Schokolade drauf. Dazu ein Zwetschgendatschi. So bekommt ein ansonsten komischer und einer Pralinenschachtel gleichender Sommer (weil man nie wusste, was man bekommt) doch noch einen einigermaßen würdigen Abschluss.