Der Aufschrei kommt mit Verspätung, aber er ist laut und deutlich: Die Wohnmobilisten regen sich im Internet darüber auf, dass sie am Volkacher Stellplatz künftig zehn Euro für 24 Stunden bezahlen müssen statt 5,50 Euro wie bisher. Doch den Gästen auf Rädern geht es in erster Linie nicht um den Preis, sondern sie ärgern vor allem die Aussagen der Stadtratsmitglieder, mit denen diese die Erhöhung bei der Sitzung im November begründet hatten. Tenor der Stadtratsmehrheit: Voll wird's doch sowieso, auch bei zehn Euro.

Genau darüber empören sich Anja und Michael Kestler aus Gerolzhofen. Sie sind als "Womojunkies" auf den Plätzen der Region unterwegs – und lassen andere auf YouTube daran teilhaben. Mit ihrem Video "Wohnmobilisten werden in Volkach abkassiert" haben sie nun einen Shitstorm ausgelöst. Darin lesen sie aus dem ersten Artikel vor und prüfen vor Ort in Volkach die Platzverhältnisse. Fast 26 000 Aufrufe hatte der acht Minuten dauernde Film bislang, über 200 Kommentare haben andere Wohnmobil-Reisende innerhalb eines Monats abgegeben. Deren Tenor: Der Preis ist unverschämt für einen solchen Platz, nach Volkach kommen wir nicht mehr.

Auf Nachfrage betont das Ehepaar am Telefon, dass eine Gebühr von zehn Euro für sie in Ordnung sei, dann müsse aber die Infrastruktur passen. Und die ist in Volkach nicht vorhanden: Die Ver- und Entsorgung befindet sich rund 600 Meter entfernt am Freibad, beleuchtet ist nachts nur der Parkautomat und Stromsäulen gab es bislang auch nicht. Immerhin das soll sich jetzt allerdings ändern, hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) hatte an dem Abend Kritikern erklärt, dass die Säulen sich in kürzester Zeit amortisieren werden. Das bestätigte sein Fraktionskollege Uwe Koßner, der das Thema als technischer Leiter des Dettelbacher Bauamts gut kennt. Darum sei es sinnvoll, diesen Bereich vorzuziehen und nicht auf die langfristige Neugestaltung der Mainlände zu warten. Da die Stadt Volkach derzeit keinen eigenen Stromanschluss im Bereich des Mainufers hat, wird sie dafür den Anschluss der Firma Waterwalker mitnutzen. Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro sind für die 52 Anschlüsse geplant, die bei Hochwasser abgebaut werden können. Einen Wunsch schob FWG-Fraktionssprecher Herbert Römmelt hinterher: "Auch die Straße sollte möglichst schnell staub- und löcherfrei gemacht werden."

"Es geht darum, dass man sich einfach unwillkommen fühlt, wenn die solche Aussagen treffen."
Anja Kestler von den Womojunkies

Genau darauf hofft auch Michael Kestler: "Wenn sie wenigstens mal einen Lkw Schotter hingeschmissen hätten." Ein Wohnmobilstellplatz muss für den 52-Jährigen eine Ver- und Entsorgung und eine ebene Fläche haben, auf der man trocken stehen kann. "Mehr braucht ein Platz nicht." Für alles darüber hinaus gebe es ja gute Campingplätze. Auch Strom sei für "Womojunkies" wie sie kein Thema, mit Solarfeld und Batterie sind die Kestlers komplett autark.

In dem Video sagt Anja Kestler: "Uns geht's wirklich nicht um die zehn Euro." Der stadtnahe Platz habe seine Vorteile. "Es geht darum, dass man sich einfach unwillkommen fühlt, wenn die solche Aussagen treffen." Und dann zeigt das Paar, was passiert, wenn man den Ratschlägen der Stadträte vom November folgt. Bei der Sitzung hieß es unter anderem, man müsse nur das Auto ein wenig drehen, dann könne man die Kapelle Maria im Weingarten oder die Volkacher Altstadt sehen. Doch das bringt nicht viel, wie die Aufnahme beweist. Außer vielleicht Ärger mit den Nachbarn. Sein Fazit: "Wenn man das so machen würde, wie die Stadträte das wollen, hat man von dem Platz gar nichts."

Am Ende sagt Michael Kestler in die Kamera: "Jetzt könnt Ihr selbst entscheiden, ob Ihr den Platz anfahrt oder nicht." Und das Urteil vieler Wohnmobilisten unter dem Video ist eindeutig. Einer bedankt sich für den Hinweis und kündigt an: "Dann sehen die uns dieses Jahr nicht. Es gibt genügend andere Weinstädtchen am Main, die um uns werben." Sabine nennt die Aussagen der Stadträte eine absolute Frechheit: "Ich hoffe, dass euer Beitrag viele Reisefreudige erreichen wird und sie den Ort aus der Liste streichen." Und Karl schreibt: "Liebe Stadtväter und Stadtmütter, besser kann man den Ruf einer Stadt nicht ruinieren. Wir Wohnmobilisten sprechen landauf, landab mit Gleichgesinnten und warnen vor Orten wie Volkach."

Nur vereinzelte Stimmen unter den 200 Kommentaren schlagen sich auf die Seite der Stadträte. Achim etwa hält die Aufregung für eine Sicht der Minderheit, da seiner Meinung nach der hohe Preis die Auslastung nicht mindern wird: "Für jeden von euch kommen zehn neue Wohnmobilisten, die klaglos die zehn Euro zahlen werden." Man darf gespannt sein, wer Recht behalten wird. Noch bis mindestens 7. März sind wegen des Corona-Lockdowns auch in Volkach die Wohnmobil-Stellplätze gesperrt.