Vor kurzem trafen sich die Seniorinnen und Senioren am Obernbreiter Rathaus, um Fahrgemeinschaften zu bilden. Mit einigen Pkw machten sich rund 20 Personen auf nach Kitzingen um eine Besichtigung und Führung in der dortigen Synagoge zu erleben. Hier erwartete uns bereits die Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen, Frau Margret Löther aus Obernbreit. Bei der Begrüßung zeigte sie sich erfreut, dass wir die erste Gruppe seien, bei der sie sich nicht persönlich vorzustellen braucht. Sie erklärte und wir besichtigten das imposante Gebäude zunächst von außen. Dann ging es zur Rückseite des Gebäudes, wo sich der Eingang zur Mikwe, dem rituellen Tauchbad der Juden, befindet.

Die ehemalige Synagoge wurde 1883 erbaut und befindet sich in der Landwehrstraße 1. Sie ist ein geschütztes Baudenkmal. Im 16. Jahrhundert befand sich eine hinter dem Stadtgraben im Haus Nr. 6 der Oberen Bachgasse. Seit Mitte der 1870er Jahre sammelte die jüdische Gemeinde Kitzingen mit Hilfe einer Synagogenbaukasse für den Neubau einer Synagoge. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 31. Juli 1882 statt.

Die Synagoge wurde in der sogenannten Reichspogromnacht am 10. November 1938 ein Opfer der Flammen. Ein kleiner Andachtsraum erinnert an ihre Vergangenheit.

Am 19. Mai 1993 wurde im Rahmen eines Besuchsprogrammes ehemaliger Kitzinger Juden das restaurierte Synagogengebäude wieder eröffnet. Das Gebäude dient seitdem für kulturelle Veranstaltungen, wie Konzerte. Im Gebäude befindet sich eine Bibliothek über das Judentum. Weiter dient der große Saal zur Zeit dem Stadtrat und seinen Ausschüssen als Tagungsraum denn die Stadt Kitzingen ist Eigentümer des Gebäudes und der Förderverein verwaltet und nutzt die Synagoge.

1982 wurde der Förderverein mit dem Ziel gegründet, die in der Pogromnacht schwer beschädigte und in den vier Jahrzehnten der Sanierungsverweigerung beinahe gänzlich um ihre Bausubstanz gebrachte Synagoge vor dem Abriss zu bewahren und eine Wiederherstellung des Gebäudes mit einem angemessenem Nutzungskonzept zu bewirken. Heute ist dieses Ziel erreicht. Die Stadt Kitzingen ließ das Gebäude sanieren. Es entstand die sogenannte Alte Synagoge mit Konzertsaal, Tagungsräumen, unserer Bibliothek und der Synagoge in der Synagoge.

Der Förderverein möchte mit Kultur und Geschichte des Judentums bekannt machen. Das geschieht durch Führungen, Konzerte. Vorträge, Theater, Ausstellungen, dem Aufbau eines Archivs, einer Bibliothek und anderen Formen der Öffentlichkeitsarbeit.

Am Ende der Führung und der Besichtigung bedankten sich Helga Buchta und Sieglinde Wamsler mit einem Präsent bei Margret Löther herzlich für die Führung und alle Teilnehmer zeigten sich beeindruckt vom umfangreichen Wissen und dem Engagement von Frau Löther.

Von: Reinhold Weber (Pressewart, Evang.-Luth. Kirchengemeinde Obernbreit)