Vom vierten Verhandlungstag waren viele Zuhörer aus dem Großraum Dettelbach enttäuscht, weil es ein sehr "kurzer Prozess" ohne heftige Details wurde. Vier Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt berichteten als Zeugen darüber, dass der Angeklagte bei der Einlieferung am 30. Januar vergangenen Jahres, nach einer Nacht in Polizei-Gewahrsam, unaufgefordert und wiederholt die Tat gestanden habe, die zu seiner Festnahme führte.

Als er den Familiennamen hörte, hat ein JVA-Beamter den Neuzugang gefragt, ob er mit einem verwandt sei, der hier schon mehrere Strafen abgesessen hat. Daraufhin sagte der Angeklagte damals: "Um den braucht ihr euch keine Sorgen machen, der macht keine Probleme mehr, weder euch noch der Polizei, dafür habe ich gesorgt.

Der hat mich jahrelang genug terrorisiert und keiner hat mir geholfen". Das habe er relativ cool gesagt, Tränen in seinen Augen habe man erst gesehen, als er sich als alleinerziehender Vater laut Gedanken über seinen damals siebenjährigen Sohn machte, der ihn doch brauche und was jetzt aus dem werden soll. Seinen Alkoholkonsum habe der Winzer bei der Einlieferung mit "um die drei Schoppen am Tag" beschrieben und darauf hingewiesen, dass er in Kitzingen bei einem Nervenarzt wegen seines mitunter aggressiven Verhaltens in Behandlung sei.

Wie ernst ein Selbstmordversuch in der ersten Nacht in der Justizvollzugsanstalt war, blieb gestern offen. Gegen Mitternacht, als ein Neuer in die Aufnahme- Zelle gebracht werden sollte, fand man den Angeklagten auf seinem Bett kniend, mit einem "Strick" aus Schnürsenkel und Gürtel um den Hals, den er am Lattenrost des Stockbetts darüber befestigt hatte. Der Untersuchungsgefangene war ansprechbar und reagierte ganz normal, so die Zeugen, nach dem Zwischenfall ist er in die psychiatrische Abteilung der JVA verlegt worden. Bei einem weiteren Suizidversuch "durch Ertrinken" soll der Winzer Tage später auf der Toilettenschüssel einen Kopfstand gemacht, den Kopf in die Schüssel gesteckt und die Spülung betätigt haben.

An das Opfer, den Bruder des Angeklagten, konnte sich einer der JVA-Beamten sehr gut erinnern: Der sei ein ausgesprochen ruhiger Gefangener gewesen und habe sich immer Gedanken darüber gemacht, was jetzt, ohne ihn, aus dem Wein daheim im Keller wird: vermutlich Essig, habe er befürchtet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 54 jährige seinen fünf Jahre älteren Bruder zwischen dem 25. und 26. Januar 2011 nach jahrelangen, meist alkoholbedingten Auseinandersetzungen, vermutlich mit einem Brecheisen in dessen Wohnung in einem Winzerbetrieb in Dettelbach erschlagen, ihn im Weinkeller darunter in einen leeren großen Tank gelegt, erst Wein hineingepumpt und dann mit Wasser aufgefüllt hat. Für die Verhandlung am kommenden Montag, haben zwei Schwestern des Angeklagten eine Zeugen-Ladung erhalten.