Seit dem frühen 15. Jahrhundert war der Jüdische Friedhof für Rödelsee und für mehr als ein Dutzend weiterer Gemeinden in der Region die letzte Ruhestätte. Jetzt soll ein Wissens- und Vermittlungsnetzwerk entstehen, das die Bedeutung des historischen Bestattungsortes langfristig sichtbarer macht. Für das Projekt "Netzwerk Jüdischer Friedhof Rödelsee" wären auf Seinsheim bei einer Beteiligung einmalig zwischen 900 und 1400 Euro angefallen. Doch das Gremium sagte Nein.

Es sei schon wichtig, leitete Bürgermeisterin Ruth Albrecht die Diskussion ein. Aber sich bei allem zu beteiligen, falle ihr zusehends schwerer. "Alles können wir nicht machen", betonte sie mit Blick auf den Haushalt und die bevorstehenden Ausgaben der Gemeinde.

"Wir sind ja nicht betroffen"

Für das Projekt rechnet die federführende Gemeinde Rödelsee unter anderem für Konzept, Broschüre oder den Schmucksteinen mit Bruttokosten von rund 33 176 Euro. An Leader-Förderung werden 16 727 Euro erwartet, die Gemeinde Rödelsee trägt als Antragssteller 2788 Euro. Bleibt ein Rest von 13 661 Euro.

Unterstützung erhofft man sich von umliegenden Gemeinden und von Gemeinden mit Bezug zum Rabbinatsfriedhof Rödelsee. Solche sind Kitzingen, Mainstockheim, Wiesenbronn, Willanzheim, Iphofen, Dettelbach, Kleinlangheim, Großlangheim, Marktsteft, Mainbernheim, Obernbreit, Marktbreit, Segnitz, Sommerach und Prichsenstadt. Würden sich zehn Gemeinden beteiligen, liegt der Anteil je Gemeinde bei 1366 Euro, bei 15 nur noch bei 984 Euro.

"Wir sind ja nicht betroffen", begründete Marktgemeinderätin Cornelia Nagler ihre ablehnende Haltung. Stephan Jamm sagte, dass es sinnvoller sei, Geld zu geben, wenn in Hüttenheim etwas gerichtet werde. "Man darf auch einmal Nein sagen", meinte Gerald Hell mit Blick auf den Haushalt. Letztlich stimmte nur Marktgemeinderat Stefan Schwarz für eine Unterstützung.

Wieder Bürgerversammlungen geplant

Der Marktgemeinderat genehmigte außerdem nachträglich eine im neuen Wässerndorfer Baugebiet errichtete Sichtschutzmauer. Zustimmung gab es auch für den Bau eines Einfamilienhauses in Iffigheim. Einvernehmen wurde für den Neubau eines Güllebehälters mit Emissionsschutzdach auf der Gemarkung Iffigheim erteilt. Marktgemeinderat Michael Walter musste als Bauherr bei der Beratung über das Bauvorhaben dazu in den Reihen der Zuhörer Platz nehmen.

In diesem Jahr sollen wieder Bürgerversammlungen stattfinden. Da Iffigheim derzeit nur über einen kleineren Versammlungsraum bei der Feuerwehr verfügt, verständigte sich das Ratsgremium darauf, für Seinsheim und Iffigheim eine gemeinsame Bürgerversammlung anzubieten. Weitere soll es in Tiefenstockheim und Wässerndorf geben.